Ludwigslust: Wohnungsnot trifft auf steigende Baukosten und teure Kredite
Ludwigslust ist seit Jahren eine begehrte Wohnstadt, doch der akute Wohnraummangel lässt sich nicht schnell beheben. Trotz hoher Nachfrage stocken Neubauprojekte, während die großen Vermieter wie die städtische Vewoba oder die Ludwigsluster Wohnungsbaugenossenschaft praktisch keinen Leerstand mehr verzeichnen. Die wenigen freien Wohnungen müssen zudem mit immer höheren Kosten saniert werden.
Baukosten übersteigen finanzierbare Mieten
Eckhard Will, Geschäftsführer der Vewoba, würde gerne mehrere Wohnhäuser mit 80 bis 120 Quadratmeter großen Wohnungen bauen. Gut 100 Wohnungen dieser Größe wären seiner Einschätzung nach sofort vermietbar, möglicherweise sogar zu Mieten von bis zu zehn Euro pro Quadratmeter. Das Kernproblem: Es ist ungewiss, ob diese Mieten die explodierten Baukosten decken könnten. Hamburger Spitzenmieten sind in Ludwigslust trotz des Mangels nicht durchsetzbar.
Handwerkermangel und finanzielle Hürden
Zusätzlich zu den Kosten erschweren praktische Herausforderungen den Wohnungsbau. Die Suche nach geeigneten Handwerksbetrieben für Sanierungen gestaltet sich bereits jetzt enorm schwierig. Investitionen ab vier Millionen Euro müssen europaweit ausgeschrieben werden, was den Prozess verkompliziert. Doch selbst wenn diese Hürden genommen würden, bleiben finanzielle Engpässe. Will erklärt: „Kredite sind derzeit nur im Bereich von vier Prozent oder mehr zu bekommen. Sonderprogramme der KfW-Bank, die helfen könnten, fehlen leider.“
Grundproblem: Jahrzehntelanger Rückstand
Das Grundproblem liegt laut Will in der jahrelangen Vernachlässigung des Wohnungsbaus in der Region. „Das lässt sich jetzt nicht schnell aufholen“, betont er. Selbst der soziale Wohnungsbau bietet keine Lösung, da die Rahmenbedingungen zu unsicher sind. Bei einer möglichen Miete von 6,80 Euro pro Quadratmeter sind Erhöhungen für die nächsten 20 Jahre festgeschrieben, was die Finanzierung von Wohnblöcken unsicher macht.
Fehlende Grundstücke und begrenzte Möglichkeiten
Ein weiteres Hindernis sind die oft fehlenden Grundstücke. Zwar gibt es in Ludwigslust noch einige zentral gelegene Flächen, die bebaut werden dürfen, doch für einen durchschlagenden Effekt auf den Wohnungsmarkt reichen diese nicht aus. Dies gilt auch für andere große Wohnungsanbieter im Stadtdreieck Ludwigslust-Grabow-Neustadt-Glewe, die dennoch gut zusammenarbeiten.
Modernisierung trotz schwieriger Lage
Trotz der schwierigen Ausgangslage unternimmt die Vewoba weiterhin Anstrengungen. Aktuell wird ein Neubauvorhaben im Parkviertel fertiggestellt, und der bestehende Wohnungsbestand wird im Rahmen der begrenzten Liquidität modernisiert. Nächstes großes Projekt ist die Sanierung eines Komplexes in der Lindenstraße, der später vom Deutschen Roten Kreuz genutzt werden soll.
Die Vewoba verwaltet derzeit 2500 Objekte, darunter 2100 Wohnungen, von denen 1500 im eigenen Besitz sind. Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt bei 5,60 Euro pro Quadratmeter – Einnahmen, mit denen keine großen Sprünge möglich sind. Die Wohnungsnot in Ludwigslust bleibt somit eine langfristige Herausforderung.



