Jan Sindern: Trans-Fußballer spielt weiter im Frauenteam – „Das Team steht hinter mir“
Trans-Fußballer Jan Sindern: „Das Team steht hinter mir“

Jan Sindern: Ein Fußballer im Wandel mit Rückhalt seines Teams

Jan Sindern kickt bereits sein gesamtes Leben lang. Der Amateurfußballer durchläuft derzeit eine geschlechtliche Transition und setzt seine Leidenschaft für den Sport unbeirrt fort – weiterhin in seiner gewohnten Mannschaft, die ausschließlich aus Frauen besteht.

Der Weg zur eigenen Identität und die Suche nach Antworten

Vor einigen Jahren nahm Sindern den Mut zusammen und kontaktierte Alex Popp, damals noch Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft. Er suchte nach einer Anlaufstelle für Fragen zum Spielrecht während der Transition. Popp verwies ihn an eine verantwortliche Person im Deutschen Fußball-Bund (DFB), die ihm alle notwendigen Informationen gab. Dies war der entscheidende erste Schritt auf einem Pfad, der ihm ermöglichte, seiner großen Leidenschaft treu zu bleiben.

Sindern beschreibt seinen persönlichen Weg als einen Prozess mit vielen Unsicherheiten, Unterbrechungen und intensiven Gesprächen mit Vertrauten. Erst nach und nach fand er die Gewissheit und den Mut, sich als Jan zu outen. Von klein auf hatte er stets in Mädchen- und Frauenteams gespielt. Mit Beginn der Hormontherapie stellten sich jedoch neue, drängende Fragen: Durfte er überhaupt in seinem Team bleiben? Würde dies einen unfairen sportlichen Vorteil oder Nachteil bedeuten? Und wenn ja, wie lange wäre dies möglich?

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Neue DFB-Regelungen schaffen Klarheit und Möglichkeiten

Antworten lieferte schließlich die überarbeitete DFB-Spielordnung zur Saison 2022/23. Seither haben Personen mit dem Personenstand „divers“ oder „ohne Angabe“ sowie Spielerinnen und Spieler während ihrer Transition das Wahlrecht, ob sie in einem Männer- oder Frauenteam antreten möchten. Diese Regelung gilt für den gesamten Amateur- und Jugendbereich.

So spielt Sindern weiterhin in seinem Frauenteam – mittlerweile mit Bart, tieferer Stimme und nach einigen geschlechtsangleichenden Operationen. Lediglich die Phalloplastik, der Aufbau eines Penis, steht noch aus. Nach dieser Operation wird er seine Fußballkarriere voraussichtlich beenden, da ihm das Verletzungsrisiko dann zu hoch erscheint.

Unterstützung im Team und Herausforderungen von außen

Die Reaktionen in seinem direkten Umfeld sind überwiegend positiv. „Das Team steht hinter mir. Es feuert mich an und freut sich mit mir auf die nächsten Schritte“, berichtet Sindern. Einige Mitspielerinnen hätten ihn sogar auf sein gewachsenes Selbstbewusstsein angesprochen. Der Fußball bietet ihm in dieser intensiven Lebensphase einen wichtigen Ausgleich: „Einfach dieser Ausgleich, wenn mal etwas nicht geklappt hat. Man kann zum Fußball gehen, der Kopf wird frei, man weiß, es unterstützen einen alle.“

Dennoch muss sich Sindern auch mit negativen Erfahrungen auseinandersetzen. Oft seien es Männer aus gegnerischen Vereinen, die am Spielfeldrand transfeindliche Beleidigungen äußern. In diesen Momenten kann er sich jedoch auf seine Mitspielerinnen verlassen, die für ihn einstehen. „Manchmal“, sagt er lächelnd, „sind die wütender als ich selbst.“

Der DFB geht einen progressiven Weg – Sindern gibt Unterstützung zurück

Mit seiner Spielordnung beschreitet der DFB einen deutlich anderen Pfad als viele andere nationale Sportverbände. Das Ziel ist klar: Menschen sollen dem Sport nicht verloren gehen, ihnen darf die sportliche Heimat aber auch nicht genommen werden. Jan Sindern ist ein lebendiges Beispiel für den Erfolg dieses Ansatzes. Nicht nur, weil der Fußball und sein Team ihm enormen Halt gaben, sondern auch, weil er nun selbst aktiv wird, um anderen zu helfen.

Seit Kurzem engagiert er sich ehrenamtlich im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen als Ansprechpartner für das sogenannte TIN*-Spielrecht – also für trans, inter und nicht-binäre Personen. Damit ist er nun genau die Anlaufstelle, nach der er selbst vor Jahren suchte, als Alex Popp ihm antwortete. Ein schöner Kreislauf der Solidarität, der es ihm und hoffentlich vielen anderen ermöglicht, ihrer sportlichen Leidenschaft weiterhin nachzugehen.

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