Marie-Louise Eta gibt erstes Interview als Bundesliga-Cheftrainerin
Die Ernennung von Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin der Bundesliga-Männermannschaft des 1. FC Union Berlin hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Nun spricht die 34-Jährige in einem ausführlichen Interview mit der „ZEIT“ erstmals über ihre neue Rolle und die Ereignisse seit dem 11. April, dem Tag, an dem sie auf Steffen Baumgart folgte.
Die Aufgabe als „Feuerwehrfrau“
Eta beschreibt ihre Position als eine Art „Feuerwehrfrau“: „Es hilft schon ein bisschen, dass da eine neue Stimme zu den Spielern spricht. Es löst erst mal das Gefühl aus, jeder Spieler könne sich neu beweisen. Gleiche Chancen für alle. Meine Aufgabe ist es dann, auch wirklich alle mitzunehmen.“ Sie betont, dass es ihr wichtig ist, ein faires Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder Spieler entwickeln kann.
Kein Unterschied zwischen Männern und Frauen
Auf die Frage nach Unterschieden in der Zusammenarbeit mit Männern und Frauen antwortet Eta entschieden: „Es gibt keinen. Ich habe es mit Individuen zu tun. Jetzt können Sie sagen: Frauen sind sensibler und Männer sind eitler. Für mich sind das Klischees. Es gibt genug sensible Männer, denen ich schon den Arm auf die Schulter legen musste. Es waren wiederum Frauen darunter, denen man als Trainer Feuer unterm Hintern machen muss.“
Umgang mit der öffentlichen Aufmerksamkeit
Die enorme mediale Aufmerksamkeit, die ihre Ernennung ausgelöst hat, sieht Eta mit gemischten Gefühlen: „Ich kann das Interesse verstehen. Mir ist bewusst, was das gesellschaftlich bedeutet. Da entsteht eine Verantwortung für mich – ob ich will oder nicht. Mir ging es nie darum, vordergründig die Rolle der Frau zu stärken. Ich wollte schon immer mit Leistung überzeugen.“
Anfänge als Fußballerin und ein dickes Fell
Rückblickend auf ihre eigenen Anfänge als Fußballerin erinnert sich Eta an Sprüche wie „Lass dich nicht von einem Mädchen ausspielen!“ von Bolzplätzen. „Ich habe mir über die Jahre ein dickes Fell zugelegt. Aber ich kann mich wehren, ich kann weghören. Und ich kann zurückschreien. Und es ist nicht alles eine Frage des Geschlechts.“ Sie erzählt von ihrem Vater, der sich einen Jungen gewünscht hatte, aber nichts erzwang: „Wir haben viel im Garten und im Hof gespielt. Das hat mich angesteckt. Und ich hatte als Mädchen einen guten Draht zu den Jungs.“
Der entscheidende Anruf
Den Moment, als sie zur Cheftrainerin ernannt wurde, schildert Eta so: „Es war Samstagabend, ich saß zu Hause am Laptop an der Spielvorbereitung für meine U19 am nächsten Tag. Die zu trainieren, das war eigentlich meine Aufgabe. Da rief mich unser Präsident Dirk Zingler an und sagte: ‚Du machst das jetzt. Ich zähl’ auf dich.‘ Das Telefonat hat nicht lange gedauert.“
Mit diesen Worten unterstreicht Marie-Louise Eta ihre Entschlossenheit, in der Bundesliga Fuß zu fassen und sich nicht von Klischees oder Erwartungen beirren zu lassen. Ihr Debüt als Cheftrainerin feierte sie bereits gegen den VfL Wolfsburg und zeigt damit, dass sie bereit ist, die Herausforderung anzunehmen.



