Konflikt um Glasfaser-Vertrieb: Schweriner Stadtwerke warnen vor Haustürgeschäften
In der Landeshauptstadt Schwerin ist ein erbitterter Streit um die Vertriebsmethoden für Glasfaseranschlüsse entbrannt. Die Schweriner Stadtwerke haben ihre Kunden in einem offiziellen Schreiben vor dem Direktvertrieb einer Marketing- und Vertriebsgesellschaft gewarnt, die im Auftrag der Deutschen Telekom agiert. Laut den Stadtwerken würden dabei "mitunter fragwürdige Argumente" verwendet, um Kunden zu verunsichern und Verträge abzuschließen.
Stadtwerke sehen Kunden verunsichert
"Regelmäßig erreichen unseren Kundenservice Rückfragen nach Haustürgeschäften anderer Telekommunikationsanbieter", erklärt Stadtwerke-Sprecherin Julia Panke. Die Hinweise ließen darauf schließen, dass Vertriebsmitarbeiter "scheinbar manchmal nicht so genau nehmen mit der Wahrheit" und gezielt Kunden des städtischen Anbieters city.kom verunsichern würden. Als Reaktion darauf haben die Stadtwerke ihre Glasfaser-Kunden mit einem Informationsschreiben versorgt, das Fakten zum eigenen Netz und Hinweise zu Haustürgeschäften enthält.
Panke betont die Vorteile des city.kom-Anschlusses: "Unsere Kunden profitieren von garantierten Bandbreiten, die rund um die Uhr stabil sind." Zudem verweist sie auf eine Auszeichnung, die das Unternehmen für seinen Kundenservice erhalten habe. Die Stadtwerke sehen sich in der Pflicht, ihre Kunden vor möglichen unseriösen Vertriebsmethoden zu schützen.
Telekom verweist auf Branchenkodex und Qualitätsstandards
Die Deutsche Telekom weist die Vorwürfe der Stadtwerke entschieden zurück. Telekom-Sprecherin Stefanie Halle erklärt: "Der Direktvertrieb ist ein wichtiger Kanal für die Beratung." Dabei arbeite man mit "erfahrenen Partnern" und "nach klaren Regeln". Die Telekom habe als eines der ersten Unternehmen den sogenannten "Branchenkodex für den Direktvertrieb" unterzeichnet, der verbindliche Anforderungen für Kundengespräche definiere und Verstöße sanktioniere.
Halle betont: "Beratungsgespräche finden grundsätzlich an der Haustür statt, Mitarbeiter dürfen die Wohnung nur betreten, wenn sie dazu eingeladen werden. Wer keine Beratung möchte, lehnt es ab und schließt die Tür." Beschwerden würden sehr ernst genommen, die Maßnahmen gegen betreffende Mitarbeiter reichten von Nachschulungen bis hin zu personalrechtlichen Konsequenzen.
Vertriebspartner Ranger setzt auf Qualitätskonzept
Die Ranger Marketing & Vertriebs GmbH, die für die Telekom in Schwerin aktiv ist, positioniert sich ebenfalls gegen die Vorwürfe. Sprecher Niklas Vogel erklärt: "Wir sind uns bewusst, dass der Direktvertrieb von Tür zu Tür in der öffentlichen Wahrnehmung mitunter kritisch betrachtet wird. Umso wichtiger ist es uns, höchste Qualitätsstandards zu setzen."
Vogel verweist auf umfassende Schulungen und laufende Überprüfungen der Mitarbeiter: "Mit unserem Qualitätskonzept setzen wir als Marktführer branchenweit Standards." Aus Schwerin lägen derzeit keine Beschwerden vor, betont der Sprecher. Bürger könnten sich jederzeit über Feedbackkanäle melden, Rückmeldungen seien ein wichtiger Bestandteil des Qualitätsanspruchs.
Verbraucherschützer raten generell zur Vorsicht
Stadtwerke-Sprecherin Panke verweist darauf, dass die Verbraucherzentrale Niedersachsen in der Vergangenheit bereits über Beschwerden bezüglich Ranger-Mitarbeitern berichtet habe. Klaus Schmiedek, Leiter des Fachbereiches Recht bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, bestätigt zwar, dass aktuell keine Hinweise zum Thema vorlägen, warnt aber grundsätzlich vor Haustürgeschäften.
Schmiedek nennt zwei Hauptprobleme:
- In der konkreten Situation an der Haustür fehlen Vergleichsmöglichkeiten, etwa die Prüfung von Angeboten über Preisvergleichsportale
- Gut geschulte Verkaufsprofis stehen oft technisch unbedarften Kunden gegenüber, die dann überrumpelt werden könnten
Der Fachbereichsleiter möchte sich nicht zum konkreten Schreiben der Schweriner Stadtwerke äußern. Soweit wettbewerbsrechtliche Fragen im Raum stünden, müssten Stadtwerke und Telekom die Angelegenheit unter sich klären. Die Verbraucherzentrale vertrete prinzipiell nur Verbraucher gegen Unternehmen.
Der Konflikt zeigt die angespannte Situation im hart umkämpften Glasfasermarkt, wo verschiedene Anbieter um Kunden konkurrieren. Während die Stadtwerke ihre Kunden vor möglichen unseriösen Methoden schützen wollen, betonen Telekom und Partner ihre Qualitätsstandards und verweisen auf etablierte Branchenregeln. Verbraucherschützer raten indes generell zur Vorsicht bei Vertragsabschlüssen an der Haustür.



