Bahn-Ausbau im Münchner Osten: Neue Pläne für Güterverkehr und Lärmschutz
Bahn-Ausbau im Münchner Osten: Neueste Pläne vorgestellt

Bahn-Ausbau im Münchner Osten: Das sind die neuesten Pläne

Die Deutsche Bahn will den Güterverkehr stärken und den Umschlagbahnhof in Riem besser anbinden. Dafür sind mehrere Großprojekte im Münchner Osten geplant. Neben neuen Schienen geht es auch um Brücken und Bäche – und vor allem um den Lärmschutz für die Anwohner. Die AZ stellt die aktuellen Pläne vor.

Wenn Güterzüge vorbeifahren, wackeln in Trudering die Gläser in den Schränken. In Zukunft sollen noch mehr Züge fahren – doch für die Anwohner könnte es besser werden. Peter Brück wohnt nur etwa 20 Meter vom Bahngleis entfernt, auf dem täglich rund 100 Güterzüge verkehren. „Wenn die Waggons alt sind, wackeln bei uns die Gläser im Schrank“, sagt er. Künftig sollen noch mehr Güterzüge an seinem Haus vorbeibrettern – womöglich alle drei Minuten einer. Denn die Bahn will die Strecke ausbauen. Doch Brück hat seinen Frieden mit den Planungen gemacht.

Bürgerengagement zeigt Wirkung

Am Mittwochnachmittag war Peter Brück nicht nur Gast auf einer Info-Veranstaltung der Bahn, sondern hielt sogar eine kurze Rede – nicht um zu wettern, sondern um zu zeigen, dass sich „bürgerschaftliches Engagement lohnt“. Was ist passiert? Die Bahn will den Güterverkehr stärken, damit weniger Lastwagen auf den Autobahnen unterwegs sind. Am Umschlagbahnhof in Riem kreuzen sich zwei wichtige Achsen: von Norden nach Süden und von Westen nach Osten. Doch der Umschlagbahnhof ist ein Engpass. Daher plant die Bahn ein Großprojekt im Münchner Osten: die sogenannte „Truderinger Kurve“ für eine Verbindung von Süden und die „Daglfinger Kurve“ für eine Verbindung aus Südostbayern. Zudem soll der Streckenabschnitt zwischen Trudering und Daglfing zweigleisig ausgebaut werden.

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Fast 700 Meter lange Einhausung geplant

Peter Brück erinnert sich genau an den Tag, als er von den Plänen erfuhr: „Am 8.8.2018 kam ein Brief von der Bahn.“ Danach gründete er eine Bürgerinitiative. Heute blickt er entspannt auf das Projekt, weil sich die Pläne geändert haben. Ursprünglich waren nur Lärmschutzwände vorgesehen, nun plant die Bahn zwischen der Thomas-Hauser-Straße und der Xaver-Weismor-Straße eine fast 700 Meter lange Einhausung. Zudem wird ein spezielles Masse-Feder-System eingesetzt, das Erschütterungen abdämpft, erklärt Markus von Glasenapp, Projektleiter der Bahn. Aus seiner Sicht könnte sich die Situation für die Anwohner sogar verbessern. Möglich wurde dies, weil sich der Freistaat und die Stadt München geeinigt haben, die Mehrkosten für die Einhausung zu teilen. Ende 2024 beschloss der Stadtrat, 8,34 Millionen Euro bereitzustellen. Auf einer Strecke von neun Kilometern sind zudem Lärmschutzwände von vier bis sechs Metern Höhe geplant.

Brücken und ein neuer Bach

Zum Bauprojekt gehören auch zwölf Brücken. Die Brücke an der Riemer Straße wird neu gebaut: Statt über drei Gleise führt sie künftig über sieben. Es gibt dann eigene Brücken für Fußgänger, Radfahrer und Autos. Auch die vierspurige Schatzbogenbrücke wird neu gebaut und auf zwei Spuren verschmälert. SPD-Stadtrat Andreas Schuster befürchtet, dass die Bahn die Verkehrsauswirkungen unterschätzt, und hat eine Anfrage gestellt. Zudem will die Bahn einen Bach freilegen: Der Hachinger Bach, der derzeit großteils unterirdisch verläuft, soll an den Truderinger Hüllgraben angeschlossen und offengelegt werden. So soll das abfließende Wasser Kellerfluten verhindern. Der Bach verläuft nördlich der S-Bahn-Gleise und auch im Bereich der Thomas-Hauser-Straße – dort, wo die Einhausung entsteht. Baden wird wohl nicht möglich sein, aber die Füße reinhalten, so von Glasenapp.

Veraltete Prognosen als Haken

Doch es gibt einen Haken: Die Planungen basieren auf veralteten Zugzahlen aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030. Markus von Glasenapp erwartet bald eine neue Prognose. Sollte der Lärmschutz nicht ausreichen, ist die Bahn zu neuen Maßnahmen verpflichtet. Peter Brück präsentiert bereits Zahlen aus Italien und Österreich: 256 Güterzüge täglich im Jahr 2040. „Wenn die richtigen Zahlen nicht einfließen, scheuen wir nicht den Rechtsweg“, sagt er. Die Bürgerinitiative bleibt daher aktiv. Baubeginn ist voraussichtlich 2031, die Fertigstellung 2039.

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