In Groß Sperrenwalde haben Anwohner erneut eine Unterschriftensammlung gestartet, um auf das Problem des zunehmenden Durchgangsverkehrs aufmerksam zu machen. Martina Döcker, Tim Göckel, Robert Hesse und Ortsvorsteher Klaus Lehmann erklären gemeinsam mit Bauamtsleiterin Petra Buchholz von der Gemeinde Nordwestuckermark die Situation.
Die Ursache des Problems
Die einstige Kopfsteinpflasterstraße durch Groß Sperrenwalde wurde zwar asphaltiert, doch seit den 2000er-Jahren, als mobile Navigationsgeräte Einzug hielten, ist es mit der Ruhe in dem abseits von Hauptstraßen liegenden Dorf vorbei. Navis zeigen aus Woldegk kommenden Autofahrern eine Abkürzung zur B109, die über die untergeordnete Ortsverbindungsstraße durch Groß Sperrenwalde führt. Wegen nur zwei Kilometern Ersparnis werde die Lebensqualität des Dorfes nachhaltig gestört, so die Einwohner.
Hohe Geschwindigkeiten und Gefahren
Statt die L15 weiter bis zur Kreuzung an der B109 zu fahren, brettern fremde Pkw und Lkw-Kolonnen über die Ortsverbindungsstraße und durch das beschauliche Dorf. Auch Speditionen und Windanlagenbauer nutzen die Abkürzung für ihre Baustellenrunden. An einem Apriltag zählte Tim Göckel allein 70 voll beladene Lkw. „In den letzten zwei Jahren ist es unerträglich geworden“, sind sich die vier Groß Sperrenwalder einig. Bereits vor vier und vor acht Jahren hatten Dorfbewohner Verkehrszählungen initiiert, jedoch ohne Erfolg.
Viele Kraftfahrer halten sich nicht an das Tempo 50 im Ort. Verkehrsmessungen Ende 2022/Anfang 2023 zeigten, dass mehr als die Hälfte der Durchfahrenden schneller als 50 km/h unterwegs ist, 15 Prozent fahren sogar schneller als 60 km/h. „Das kann sehr gefährlich werden“, sagt Martina Döcker. Teilweise gibt es keinen Bürgersteig. Schulkinder müssen auf der Straße zur Bushaltestelle laufen. „Ich kenne ältere Leute, die sich nicht mehr trauen, spazieren zu gehen.“
Belastungen für die Gemeinde
Es ist laut, staubig, die Dorfstraße ist schmal. Begegnungsverkehr von Brummis ist nur möglich, wenn sie auf das Bankett ausweichen. Fußgänger haben dann keinen Platz. Wenn volle Lkw vorbeidonnern, scheppern die Fenster. Auch die Strecke von und zur L15 sei gefährlich, weiß Klaus Lehmann. Wenn Lkw auf der schmalen, löchrigen Piste unerwartet um die Kurve preschen, bleibe einem als Pkw-Fahrer nur, auf dem Randstreifen Rettung zu suchen. Tim Göckel macht auf den erhöhten Straßenverschleiß aufmerksam.
Neue Hoffnung durch StVO-Novelle
Ortsvorsteher Lehmann hat über die Jahre schon drei Initiativen begleitet, die dem „Missbrauch“ der Dorfstraße ein Ende bereiten sollten. Niemand habe die Dorfbewohner gehört. Doch seit die StVO-Novelle von 2024 die Einrichtung von Tempo-30-Zonen erleichtern soll, schöpften die Einwohner neue Hoffnung. Gemeinsam mit der Gemeinde haben sie Ende 2025 einen Antrag bei der Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis gestellt, die Ortsdurchfahrt zu beruhigen. Sie könnte vom Bahnhof bis zur B109 als nur „Anlieger frei“ ausgewiesen oder alternativ für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen (außer Landwirtschaft) gesperrt werden. Auf jeden Fall fordern die Groß Sperrenwalder ein Tempolimit von 30 km/h.
Robert Hesse könnte sich sogar vorstellen, Straßenverengungen einzubauen. Die Dorfbewohner haben es schon versucht: Sie parkten ihre Autos auf der Straße, sodass der Verkehr Slalom fahren musste. Mittags hatte sich das herumgesprochen, und es sei Ruhe gewesen. Aber das sei keine Dauerlösung.
Kritik an Verkehrszählung
Ihrem Antrag beim Landkreis folgte zwar eine Verkehrszählung – aber ausgerechnet im Januar, in den Winterferien, bei vereister Straße, kritisiert Tim Göckel. Das sei nicht aussagekräftig. Auf die Einladung zu einem Vor-Ort-Termin habe es keine Reaktion gegeben, nur die Auskunft: Man prüfe noch. „Wir fühlen uns einfach nicht ernst genommen.“
Unterstützung durch die Gemeinde
Bauamtsleiterin Petra Buchholz unterstützt die Dorfbewohner. Sie weiß aber auch, dass bestimmte Verkehre auf einer Ortsverbindung nicht einfach ausgegrenzt werden dürfen. Für Tempo 30 sieht sie gute Argumente. Ein zweispuriger Ausbau der Straße würde die Gemeinde indes überfordern. Martina Döcker hat Landrätin Karina Dörk (CDU) bei einem Bürgerdialog mit dem Problem konfrontiert. Daraufhin konnte ein erster Teilerfolg vermeldet werden: Für diese Woche wurde ein Vor-Ort-Termin verabredet.



