Urlaubsverkehr: Diese Fallen lauern in Italien, Frankreich und Co.
Urlaubsverkehr: Diese Fallen lauern in Italien, Frankreich und Co.

Urlauber, aufgepasst: Diese Verkehrsfallen lauern in Italien, Frankreich und Co. Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, etwa nach Bologna oder Valencia, kann bei der Heimkehr von teuren Knöllchen überrascht werden. Denn der Autoverkehr soll vielerorts begrenzt werden und dadurch gelten die unterschiedlichsten Regeln. Eine europäische Lösung ist nicht in Sicht.

Wer mit dem Auto durch Europa reist, muss sich vorab über Umweltzonen, City-Maut und digitale Kontrollen informieren, um teure Bußgelder zu vermeiden. Im Urlaub mit dem Auto einmal einen spontanen Abstecher in größere Städte wie Nizza, Mailand oder Brüssel zu machen – das war einmal. In dem Bemühen, den Autoverkehr und die damit verbundenen Umweltbelastungen aus den Städten fernzuhalten, ist ein unübersichtliches Wirrwarr an Einfahrregelungen und -verboten entstanden.

Statt wie im Mittelalter Zoll an den Stadttoren zu erheben, sind an den Einfahrtsstraßen zahlreicher großer europäischer Städte digitale Kennzeichenerfassungen postiert, die automatisch teure Knöllchen verschicken. Mit dem Auto nach Paris oder Bologna zu fahren, setzt eine Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Regelkatalog voraus. Teilweise muss man schon Tage vorher wissen, wann und wohin genau man sein Fahrzeug lenken möchte. In den vergangenen Jahren sind von Sofia bis Valencia Umweltzonen (Urban Vehicle Access Regulations – UVARs) wie Pilze aus dem Boden geschossen – und zwar in bunter Vielfalt.

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Eindeutige Beschilderungen oder Hinweise in den Navigationsgeräten fehlen oft und so tappen Urlauber häufig in teure Fallen, wie das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) zusammengestellt hat. Bei der Rückkehr warten auf die ahnungslosen Urlauber Geldforderungen in bis zu vierstelliger Höhe. Deutschland macht da mit zusätzlichen Umweltzonen beispielsweise in München keine Ausnahme.

Wer ist zuständig für eine einheitliche Vorgehensweise?

Die unterschiedlichen Regelungen zu einer europäischen Umweltplakette zusammenzufassen, wäre eigentlich eine segensreiche Aufgabe für die EU-Kommission. Doch auf seine Initiative für eine einheitliche europäische Regelung habe die Kommission „leider sehr abweisend“ reagiert, teilte der bayerische Europaabgeordnete und Verkehrspolitiker Markus Ferber (CSU) mit. Die Kommission fühle sich nicht zuständig, da urbane Räume in nationaler oder regionaler Verantwortung lägen.

Europapolitiker: „Unnötig kompliziert“

Ferber lässt diese „Ausrede“ nicht gelten. Mit der Verbreitung von Umweltzonen werde das Problem der zusätzlichen Kostenfallen für Autofahrer immer größer, sagte Ferber. Er habe nie verstanden, warum neben der deutschen Umweltplakette in Paris noch die französische „Crit'Air“ geklebt werden müsse, die man vorher umständlich auf dem Postweg für 5,11 Euro bestellen muss: Grenzüberschreitende Mobilität mit dem eigenen Pkw werde dadurch in Europa „unnötig kompliziert“ gemacht, sagt der Europapolitiker Ferber.

Einfach losfahren und ankommen ist zum Beispiel auch in Dubrovnik nicht mehr möglich, teilte das EVZ dieser Tage mit. Wer zu seinem Hotel in die Umweltzone einfahren will, muss dies vorher nachweisen und sich registrieren lassen. Dem Verbraucherzentrum liegt der Fall eines Reisenden vor, der nichts ahnend mit einem Leihwagen in diese Zone eingefahren war und der später eine Rechnung über 1600 Euro erhielt. Grund: Die Leihwagenfirma hatte den Bußgeldbescheid etwas liegen gelassen, so dass sich die Forderung von ursprünglich 260 Euro vervielfachte.

Wo es nichts kostet – wenn man sich registriert

Die Einfahrt in die belgischen Städte Brüssel, Antwerpen oder Gent kostet nichts, wenn man sich vorher registriert hat und kein allzu altes Auto fährt. Doch gibt es sogar innerhalb des Landes unterschiedliche Regelungen: Während Gent und Antwerpen die Registrierungen gegenseitig anerkennen, geht die EU-Hauptstadt Brüssel mit strengeren Regeln, separater Anmeldung und höheren Bußgeldern einen eigenen Weg.

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Besonders viele Umweltzonen erwarten Reisende in Italien – noch dazu ganz unterschiedliche. Für bestimmte Innenstadtbereiche wird beispielsweise in Mailand, Palermo und Bologna eine City-Maut von 7,50 Euro fällig. Bestimmte ZTL-Zonen (Zona a traffico limitato) sind in Italien nur für Hotelgäste offen. Eine Urlauberin, die unwissentlich mit ihrem Mietwagen elfmal in eine ZTL-Zone einfuhr, wurde mit 660 Euro zur Kasse gebeten.

In den schwedischen Städten Stockholm und Göteborg wird die City-Maut kamerabasiert erhoben. Die Rechnung kommt nach der Reise. Wenn man erst später nach Hause zurückkehrt, kann sich der Obolus von 3,90 Euro leicht auf 44,37 Euro vervielfachen, ohne dass der Betroffene dagegen etwas tun kann, berichtet das EVZ.

Wichtiger Rat der Experten

Automatisierte Zugangskontrollen erwarten die Autofahrer auch bald in österreichischen Städten. „Künftig wird es wichtiger, sich vor einer Reise über die konkrete Ziel-Kommune zu informieren“, rät das EVZ. Zu einer umfänglichen Vorab-Reiseplanung rät auch der ADAC. „Bei Tagesausflügen ist es oftmals ratsam, etwas außerhalb zu parken und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu fahren“, teilte der ADAC mit.