Babyklappen in MV: Selten genutzt, aber weiterhin wichtig
Babyklappen in MV: Selten genutzt, aber wichtig

In Mecklenburg-Vorpommern werden die beiden vorhandenen Babyklappen weiterhin nur selten genutzt. Wie die Helios Kliniken in Schwerin und das Klinikum Südstadt in Rostock auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilten, werden dort im Jahresdurchschnitt jeweils etwa ein bis zwei Neugeborene abgegeben. Die beiden Babyklappen bestehen seit 2005 und bieten verzweifelten Müttern, die anonym bleiben möchten, die Möglichkeit, ihr ungewolltes Kind in Sicherheit zu bringen.

Ablauf bei der Abgabe eines Kindes

Sobald ein Kind in die Babyklappe gelegt wird, wird das Klinikpersonal durch einen Alarm informiert. Dirk Olbertz, Chefarzt im Klinikum Südstadt in Rostock, erläuterte den Ablauf: „Der diensthabende Arzt der Klinik für Neonatologie sowie eine Kinderkrankenschwester gehen unmittelbar nach Eingang des Alarms zum Babyfenster und bringen das vorgefundene Kind auf die Neonatologische Station.“ Dort werde das Kind ärztlich untersucht und aufgenommen. Gleichzeitig werde das Jugendamt über die Inobhutnahme informiert, um beim Gericht die Bestellung eines Amtsvormundes zu beantragen. Bis zur Übergabe in eine Bereitschaftspflege oder Adoptionspflege werde das Kind in der Klinik betreut.

In Rostock ist das „Babyfenster“ hinter einer kleinen Hecke auf dem Klinikumsgelände versteckt, um eine ungestörte anonyme Abgabe zu ermöglichen. Der Weg dorthin sei ausgeschildert, so Olbertz. Auch in Schwerin ist die Babyklappe sichtgeschützt, wie Robert Lehmann, Sprecher der Helios Kliniken, berichtete.

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Einfluss vertraulicher Geburten

Seit 2014 gibt es in Deutschland die sogenannte vertrauliche Geburt als weitere Option für Frauen mit ungewollten Schwangerschaften. Dabei können Mütter nach einer Beratung anonym entbinden. Das Jugendamt übernimmt das Kind und kümmert sich um eine Adoption. Die Behörden können so noch Jahre später nachvollziehen, wer das Kind entbunden hat. Olbertz betonte, dass bei Babyklappen das Risiko bestehe, dass das Kind unwiederbringlich von seinen Wurzeln abgeschnitten sei. Die vertrauliche Geburt eröffne dem Kind ab dem Alter von 16 Jahren die Möglichkeit, Informationen über seine Herkunft zu erhalten.

Laut Gesundheitsministerium gab es in Mecklenburg-Vorpommern 2024 vier, 2023 fünf und 2022 neun vertrauliche Geburten. Für 2025 liegen die Zahlen noch nicht vor. Sowohl in Rostock als auch in Schwerin sei die Nutzung der Babyklappen seit Einführung der vertraulichen Geburten nicht rückläufig.

Kostenübernahme bei vertraulichen Geburten

Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) betonte, dass die vertrauliche Geburt Frauen in Notsituationen den Weg ins reguläre Hilfesystem ebne. „Dadurch wird ihnen und ihrem Kind eine medizinisch begleitete Geburt ermöglicht.“ Die Kosten für vertrauliche Geburten sowie die Vor- und Nachsorge werden vom Bund übernommen. Begleitung und Hilfe erhalten die Frauen auch durch die rund 40 Schwangerschaftsberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern, die alle für diese Aufgabe qualifiziert sind.

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