Prozess in Halle: Richter kritisiert Polizeiarbeit an gesprengten Automaten
Richter kritisiert Polizei in Automaten-Sprengprozess

Am Landgericht Halle ist der Prozess gegen einen Naumburger wegen zweier aufgesprengter Zigarettenautomaten zu Ende gegangen. Der Vorsitzende Richter Jan Stengel ließ dabei deutliche Kritik an den Beamten am Tatort verlauten: „Da hat die Polizei nicht gut gearbeitet“, erklärte er in der Urteilsbegründung.

Hintergrund des Falles

Dem Angeklagten, einem mehrfach vorbestraften Mann aus Naumburg, wurde vorgeworfen, im vergangenen Jahr zwei Zigarettenautomaten in der Jägerstraße in Naumburg gesprengt zu haben. Die Automaten wurden dabei erheblich beschädigt, und es entstand ein Sachschaden in Höhe von mehreren tausend Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann gewerbsmäßigen Diebstahl und Sachbeschädigung zur Last gelegt.

Richterliche Kritik an der Ermittlungsarbeit

Richter Stengel äußerte sich ungewöhnlich deutlich über die Arbeit der Polizei. Er monierte, dass Spuren am Tatort nicht ausreichend gesichert worden seien und dass die Ermittlungen in eine falsche Richtung gelenkt worden wären. „Es wurden wichtige Beweismittel übersehen, die für die Verteidigung hätten von Bedeutung sein können“, so der Richter. Die Kritik bezog sich insbesondere auf die ersten Stunden nach der Tat, als die Beamten vor Ort waren.

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Urteil gegen den Angeklagten

Trotz der Kritik an der Polizeiarbeit wurde der Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann die Automaten gesprengt hatte. Die Strafe fiel aufgrund der zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten vergleichsweise hoch aus. Der Verteidiger hatte auf eine mildere Strafe plädiert und die Mängel in der Beweisführung hervorgehoben.

Reaktionen auf das Urteil

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Der Verteidiger kündigte an, in Revision zu gehen. Er bemängelte, dass die Kritik des Richters an der Polizei nicht ausreichend im Urteil berücksichtigt worden sei. Der Angeklagte selbst äußerte sich nicht zu dem Urteil.

Häufigkeit von Automatensprengungen

In den letzten Jahren ist die Zahl der Sprengungen von Zigarettenautomaten in Sachsen-Anhalt gestiegen. Die Täter erhoffen sich oft schnelles Geld, da die Automaten Bargeld enthalten. Die Polizei hat ihre Ermittlungsmethoden in diesem Bereich bereits verbessert, doch der Fall in Naumburg zeigt, dass es weiterhin Defizite gibt.

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