Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist, zählt zu den bekanntesten Deepfake-Opfern in Deutschland. In einer neuen WDR-Dokumentation mit dem Titel „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ klärt er über die Gefahren dieser Technologie auf. Die können für Verbraucher sogar lebensbedrohlich sein.
Hirschhausen: Deepfakes sind ein gesellschaftliches Problem
„Es ist nicht mein privates Problem, sondern eines, das alle öffentlichen Menschen erreicht“, betont Hirschhausen. Sein Gesicht und seine Stimme werden häufig für betrügerische Werbung missbraucht. Die Verbraucherzentrale registrierte allein im Jahr 2025 insgesamt 224 Fälle, in denen sich Verbraucher wegen eines Schwindels mit Hirschhausens Identität meldeten. Zum Vergleich: Der Virologe Christian Drosten landete mit sieben Fällen auf Platz zwei. Hirschhausens Popularität, besonders bei älteren Menschen, macht ihn zur idealen Zielscheibe für Kriminelle.
Insulintanks als Ozempic-Fälschung – tödliche Gefahr
Ein besonders erschreckendes Beispiel: Betrüger versehen Insulintanks mit dem Etikett des Abnehmmedikaments Ozempic. Wer solche Fälschungen einnimmt, riskiert sein Leben. Hirschhausen warnt: „Jeder würde einen 20-Euro-Schein annehmen, weil er als echt gilt. Bei Gesichtern und Stimmen ist diese Selbstverständlichkeit verloren gegangen – das ist Gift für das Vertrauen der Menschen untereinander.“
Enkeltrick 2.0: KI imitiert vertraute Stimmen
Doch nicht nur Prominente sind betroffen. Betrüger nutzen KI, um über WhatsApp-Sprachnachrichten die Stimme von Angehörigen zu imitieren – der klassische Enkeltrick wird so noch perfider. Hirschhausen rät: „Vereinbaren Sie ein Kennwort, mit dem sich die echte Person identifizieren kann.“
Tipps der Verbraucherzentrale gegen Fake-Werbung
Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale hat Hirschhausen mehrere Schutzmaßnahmen erarbeitet:
- URL genau prüfen: Achten Sie auf die Internetadresse. Bei einer angeblichen Tagesschau-Seite muss im Browser „tagesschau.de“ stehen.
- Impressum checken: Ist ein Impressum vorhanden? Stimmt die angegebene Adresse?
- Nicht auf die eigene Erkennungsfähigkeit vertrauen: „Die Stimme ist das Persönlichste, was man hat“, sagt Hirschhausen. Sie lässt sich inzwischen erschreckend gut imitieren.
- Bilderrückwärtssuche nutzen: Überprüfen Sie, ob ein Foto bereits anderweitig verwendet wurde – das entlarvt angebliche „glückliche Patienten“.
- Keine Medikamente aus dem Ausland bestellen: Deutsche Zulassungsbedingungen sind strenger; die Einfuhr nicht geprüfter Produkte ist riskant.
- Fragen Sie Ihren Arzt, Apotheker oder Enkel: Betrugsopfer recherchieren oft allein. Holen Sie eine zweite Meinung ein.
Wichtig zu wissen: Ärzte in Deutschland dürfen keine Produktwerbung betreiben. Wer also mit einem Arzt für ein Mittel wirbt, handelt in der Regel betrügerisch.
Juristische Hürden und Forderungen
Die rechtliche Verfolgung solcher Maschen gestaltet sich schwierig. „Ich bin extrem frustriert und das lässt mich nicht mehr gut schlafen“, gesteht Hirschhausen. Er fordert klare Fristen für Plattformen, innerhalb derer sie Deepfake-Inhalte löschen müssen, sowie harte Strafen bei Verstößen. Deepfakes werden jedoch nicht nur für Betrug eingesetzt, sondern auch als Mittel sexualisierter Gewalt. Ein zweiter Teil der Doku mit Collien Fernandes widmet sich diesem Thema.
Die Doku „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ ist ab dem 1. Mai in der ARD-Mediathek abrufbar und wird am 4. Mai um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.



