Das „bisschen Wahnsinn“ um Eta
Die Entscheidung von Union Berlin, Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin zu ernennen, sorgte weltweit für Schlagzeilen. Nun hat die 34-Jährige in ihrem ersten großen Interview mit der ZEIT über ihre Rolle als Frau im Männerfußball gesprochen. Gut eineinhalb Wochen ist sie im Amt und die Reaktionen reichen von Begeisterung bis hin zu vereinzelter Kritik.
Eta über die gesellschaftliche Verantwortung
„Ich kann das Interesse verstehen. Mir ist bewusst, was das gesellschaftlich bedeutet. Da entsteht eine Verantwortung für mich – ob ich will oder nicht“, erklärte Eta. Es sei ihr nie darum gegangen, das Rollenbild der Frau zu verändern: „Ich wollte schon immer mit Leistung überzeugen. Ich möchte als Fußballtrainerin gesehen werden.“ Das Ausmaß der Aufmerksamkeit bezeichnete sie als „ein bisschen Wahnsinn“.
Umgang mit Sexismus und Kritik
Auf sexistische Kommentare angesprochen, sagte Eta: „Aber ich kann mich wehren, ich kann weghören. Und ich kann zurückschreien.“ Sie habe sich über die Jahre ein „dickes Fell“ zugelegt. Nicht alles sei eine Frage des Geschlechts. Sie erinnerte an frühere Pionierinnen wie Corinne Diacre, Imke Wübbenhorst, Inka Grings und Sabrina Wittmann sowie Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus: „Ich bin nicht die erste Frau.“
Kurioses Detail: Kein Berater
Eta enthüllte, dass sie keinen Berater habe. „Ich habe keine Zeit, mich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Ich muss eine Fußballmannschaft trainieren.“ Die Ernennung sei auf Wunsch von Präsident Dirk Zingler erfolgt: „Du machst das jetzt. Ich zähl auf dich.“ Ihr erstes Spiel verlor Union mit 1:2 gegen Wolfsburg. Am Freitag geht es zu RB Leipzig. „Ich kann nicht erwarten, dass von heute auf morgen alles funktioniert“, so Eta.



