Drei-Tage-Razzia in Böblingen: Polizei bestellt Pizza auf Bierbänken
Böblingen – Was zunächst wie ein kleines Straßenfest aussieht, entpuppt sich als eine mehrtägige Razzia der Polizei. In der Poststraße in Böblingen (Baden-Württemberg) haben Beamte seit Mittwochmorgen einen Military-Laden durchsucht. Dabei stapeln sich Pizza-Boxen auf Bierbänken, während Dutzende Polizisten das Gelände hinter einem Bauzaun sichern. Die Aktion sorgt bei Anwohnern für Verwunderung und dauert insgesamt drei Tage.
Der Hintergrund der Durchsuchung: Bereits im Juni 2025 fanden Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) bei zwei Verdächtigen uralte Münzen und Grabbeilagen aus der Bronzezeit. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Kulturgüter von illegalen Schatzsuchern stammen. Die Ermittlungen führen zu einer mutmaßlichen Raubgräber-Bande. Ein LKA-Sprecher erklärte, die Täter würden „arbeitsteilig und in wechselnden Gruppierungen agieren, um die Kultur- und Kunstschätze illegal zu beschaffen und zu verkaufen“.
Im Fokus der Ermittlungen steht auch der Military-Laden in Böblingen sowie dessen Besitzer. Die Durchsuchung, die eigentlich nur einen Tag dauern sollte, zieht sich jedoch hin. Grund dafür ist das Chaos im Inneren des Geschäfts: Alte Uniformen und Ausrüstungsgegenstände türmen sich, und die Beamten entdecken überall Waffen. Aufgrund der theoretischen Fehlschussgefahr müssen alle Gegenstände langsam und vorsichtig aus dem Laden gebracht werden.
Vor dem Laden katalogisieren die Ermittler verdächtige Fundstücke, darunter über 100 Münzen und Dutzende Waffen. Ein Archäologe vom Landesdenkmalamt ist während der gesamten Aktion anwesend. Weil die Razzia länger als geplant dauert, holen sich die Beamten in benachbarten Restaurants Pizza und andere Verpflegung. Am Freitagnachmittag wird schließlich die Feuerwehr angefordert, um einen Tresor aufzuflexen. Doch der Panzerschrank erweist sich als leer. Am Ende verladen die Polizisten die Umzugskartons mit Beweismitteln in ihre Fahrzeuge und rücken ab.
Anwohnerin Janine Szollo (45) beobachtete die Razzia zusammen mit ihrem Hund Bosko (5) von ihrer Wohnung aus. Sie sagte: „Es waren unterhaltsame und interessante Tage bei uns in der Straße.“ Der Besitzer des Military-Shops war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.



