Ein besonderes Ereignis fand im Güstrower Dom statt: Rund 80 Ritter der mecklenburgischen Genossenschaft des Johanniterordens zogen in ihren schwarzen Mänteln mit dem achtspitzigen Kreuz in das Gotteshaus ein. Sie waren von der Domgemeinde anlässlich des 800-jährigen Domjubiläums eingeladen worden, um während ihres Rittertages – einer Art Mitgliederversammlung – den Gottesdienst mitzugestalten.
Würdevoller Aufnahmeprozess
„Das ist der Höhepunkt unseres jährlichen Treffens“, erklärte Dr. Franz Graf von Schwerin, Kommendator und Vorsitzender des Johanniterordens. Während des Gottesdienstes wurden Niklot Herzog zu Mecklenburg-Solodkoff und Bela von Raggamby in einem feierlichen Ritual zu Rittern ernannt und in den Orden aufgenommen. Die beiden standen vor Franz Graf von Schwerin und Bischof Tilman Jeremias, als der Auftrag des Ordens verlesen wurde: im evangelisch-christlichen Glauben für Hilfsbedürftige, Schwache und Kranke einzutreten. Mit fester Stimme bekräftigten die Anwärter: „Ja, mit Gottes Hilfe“. Michael Arndt, stellvertretender Vorsitzender, verglich die Zeremonie mit einer Eheschließung: „Das Ganze ist wie bei einer Eheschließung und entspricht auch einem Bund fürs Leben.“ Anschließend wurde den neuen Rittern der Ordensmantel umgehängt, ein Symbol für die Zugehörigkeit zum Johanniterorden.
Engagement in evangelischen Schulen
In Mecklenburg-Vorpommern engagiert sich der Johanniterorden stark in sieben evangelischen Schulen, darunter auch in Walkendorf. „Kinder, deren Eltern sich das Schulgeld nicht leisten können, können ein Stipendium beantragen“, berichtete Franz Graf von Schwerin. Sein Bruder Alexander erhielt das Ehrenritterkreuz. Der Orden unterstützt auch mit Sachspenden. „Wir führen jährlich eine Kinderfreizeit im Kolpinghaus in Salem am Kummerower See durch“, ergänzte Michael Arndt. Dorthin werden Kinder aus den sieben evangelischen Schulen eingeladen, deren Eltern das Geld für einen gemeinsamen Sommerurlaub fehlt.
Der neue Johanniter Niklot Herzog zu Mecklenburg-Solodkoff kann sich vorstellen, sich künftig bei der Unterstützung der evangelischen Schulen einzubringen. „Bildung ist immer relevant und die Kinder von heute sind die Zukunft von morgen“, erklärte der 31-Jährige, der Urenkel des letzten Großherzogs Friedrich Franz IV. ist.
Domgemeinde unterstützt Johanniterorden
Auch die Domgemeinde sammelt über ihren sogenannten Dom-Armenkasten regelmäßig Geld für die evangelischen Schulen. Wie der Vorsitzende des Kirchgemeinderates, Matthias Fischer, mitteilte, arbeitet die Domgemeinde schon seit Längerem mit dem Johanniterorden zusammen. So ist auch das Domgemeinderatsmitglied Dieter Pocher Mitglied des Ordens. „Wir haben großen Respekt vor der Art und Weise, wie die Johanniter ihren Glauben leben“, betonte Matthias Fischer. Der Gottesdienst im Güstrower Dom war nicht nur ein feierlicher Akt, sondern auch ein starkes Zeichen für gelebten Glauben und soziales Engagement.



