Prozessauftakt in Magdeburg: Amokfahrt auf Weihnachtsmarkt vor Gericht
Prozessauftakt in Magdeburg: Amokfahrt vor Gericht

Am Montag, dem 13. November 2025, beginnt um 9.30 Uhr am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen Taleb al-Abdulmohsen. Der 51-jährige Saudi-Araber steht im Zentrum der gerichtlichen Aufarbeitung einer der schrecklichsten Taten der jüngeren deutschen Geschichte: seiner Amokfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt.

Die Tat: Sekunden, die alles veränderten

Am Abend des 20. Dezember 2024 raste al-Abdulmohsen mit einem gemieteten SUV in die Menschenmenge auf dem belebten Weihnachtsmarkt in der Magdeburger Innenstadt. Innerhalb weniger Sekunden tötete er sechs Menschen und verletzte Hunderte, viele davon schwer. Die Opfer waren zwischen 4 und 75 Jahren alt. Die Tat löste bundesweit Entsetzen und Trauer aus. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Magdeburg handelte der Angeklagte aus einer islamfeindlichen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus. Er habe sich als „Kämpfer gegen den Islam“ gesehen und wolle mit der Tat ein Zeichen gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands setzen.

Der Angeklagte: Ein radikalisierter Einzeltäter

Taleb al-Abdulmohsen, ein ehemaliger Psychiater, war 2016 nach Deutschland gekommen und hatte Asyl beantragt. Er galt als psychisch auffällig und war den Behörden bereits vor der Tat als Gefährder bekannt. Mehrfach war er in psychiatrischen Kliniken behandelt worden. Trotz mehrerer Hinweise auf seine Radikalisierung – er äußerte sich mehrfach abfällig über Muslime und den Islam – war er nicht als islamistischer Terrorist eingestuft worden. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn als „psychisch kranken Einzeltäter“ kategorisiert, was nach der Tat scharfe Kritik an den Versäumnissen der Behörden auslöste.

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Der Prozess: Anklage und Erwartungen

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat Anklage wegen sechsfachen Mordes, mehrfachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Sie wirft dem Angeklagten vor, aus niedrigen Beweggründen gehandelt zu haben, insbesondere aus Hass auf den Islam und auf Menschen, die er als „Feinde des Westens“ betrachtete. Die Verteidigung kündigte an, die Schuldfähigkeit ihres Mandanten prüfen zu lassen. Experten rechnen mit einem langwierigen Verfahren, das sich über mehrere Monate erstrecken könnte. Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, da von einer hohen emotionalen Belastung für die Hinterbliebenen und die Öffentlichkeit auszugehen ist.

Die Opfer und die Hinterbliebenen

Die sechs Todesopfer waren: eine 4-jährige Junge, eine 32-jährige Frau, ein 45-jähriger Mann, eine 57-jährige Frau, ein 68-jähriger Mann und eine 75-jährige Frau. Viele der Verletzten tragen bleibende körperliche und seelische Schäden davon. Mehrere Hinterbliebene haben sich als Nebenkläger dem Verfahren angeschlossen. „Wir erwarten Gerechtigkeit, aber nichts kann das Geschehene ungeschehen machen“, sagte ein Anwalt der Nebenklage. Die Stadt Magdeburg hat einen Gedenkort auf dem Weihnachtsmarkt eingerichtet, der täglich von Hunderten Menschen besucht wird.

Die politischen Folgen

Die Tat hat eine intensive Debatte über Sicherheitslücken und den Umgang mit psychisch auffälligen Gefährdern ausgelöst. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kündigte eine Reform des Gefährderbegriffs und eine bessere Vernetzung der Sicherheitsbehörden an. Kritiker werfen den Behörden vor, Warnzeichen nicht ernst genug genommen zu haben. Der Prozess wird daher nicht nur juristisch, sondern auch politisch mit großer Spannung verfolgt.

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