Eisschnelllauf-Streit eskaliert: Erfurter Athleten verweigern Unterschrift
Eisschnelllauf-Streit eskaliert: Erfurter Athleten verweigern Unterschrift

Der Streit um die Strukturreform im deutschen Eisschnelllauf droht zu eskalieren. Das Präsidium des Thüringer Eis- und Rollsportverbandes (Terv) hat seinen Kaderathletinnen und -athleten am Bundesstützpunkt Erfurt empfohlen, die von der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) vorgelegte Athletenvereinbarung nicht zu unterschreiben. Diese ist mit einem Standortwechsel nach Berlin oder Inzell verknüpft. Die Frist für die Unterschrift endet am heutigen Freitag.

Thüringer Verband geht auf Konfrontation

Mit dieser Aufforderung gehen die Thüringer bewusst auf Konfrontation zum Dachverband DESG, dessen Präsidium die Strukturreform beschlossen hatte. Ab Juli sollen die Kaderathleten demnach auf die Standorte Inzell (für Mehrkampf und Langstrecke) und Berlin (für Sprint) konzentriert werden. Die Bundesstützpunkte in Erfurt und Chemnitz sollen laut DESG-Präsident Matthias Große künftig „insbesondere im Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle übernehmen“. Große äußerte sich auf dpa-Anfrage über eine Anwaltskanzlei.

DESG-Präsident Große wird deutlich

In einem Interview des MDR legte der Unternehmer nach: „Wenn die Herrschaften, die da nicht unterschreiben wollen, dann entscheiden sie sich dafür, nicht Kadersportler der DESG zu sein. Das ist ihre persönliche Entscheidung.“ Er betonte: „Erfurt hat keine Kaderathleten mehr, wenn die Athleten nicht die Athletenvereinbarung unterschreiben. Klarer Weg.“ Gleichzeitig wies er Vorwürfe zurück, man wolle Erfurt „zerstören“ oder etwas wegnehmen. „Die Wahrheit ist, wir wollen jeden Bundesstützpunkt erhalten, jeden. Aber wir wollen die Struktur so anpassen, dass sie Sinn macht“, so Große.

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Klima der Angst unter den Athleten

Laut Thüringer Landesverband sei nach „sehr intensiven und hochemotionalen Gesprächen“ mit nahezu allen Kaderathletinnen und -athleten ein Klima der Angst, große Sorge um die sportliche und persönliche Zukunft sowie absolutes Unverständnis über das inhaltliche und formelle Vorgehen des DESG-Präsidiums zu spüren. „Vielfach werden die Beendigung der eigenen Karriere oder der Wechsel ins Ausland als einziger Ausweg aus der vom DESG-Präsidium geschaffenen Drucksituation gesehen“, schrieb der Landesverband in einer Mitteilung.

DESG-Schreiben an Arbeitgeber sorgt für Aufregung

Für zusätzliche Aufregung sorgte ein Schreiben der DESG-Führung an Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizeien als Arbeitgeber der Sportler über die Sportförderstellen. Diese sollten dem Verband gegenüber schriftlich bestätigen, „dass Sie Ihre dem Bundeskader angehörenden Athletinnen und Athleten entsprechend anweisen, der beschriebenen neuen Trainingsstruktur zu folgen und sich an den jeweils zugewiesenen Bundesstützpunkt zu orientieren“. Zugleich wird in dem der dpa vorliegenden Schreiben auf einen Hauptsponsor mit Sitz in Bayern verwiesen, der „ein berechtigtes Interesse an der Stärkung des Standorts Inzell“ habe.

Landesverband zeigt sich irritiert

Der Thüringer Landesverband reagierte irritiert: „Diese Begründung wirft bei uns die Frage auf, ob tatsächlich ausschließlich objektive und sportfachliche Gründe zur Strukturentscheidung des DESG-Präsidiums geführt haben.“ Wegen der nicht abgestimmten Strukturreform sowie des Drucks auf die Sportler zum Wechsel nach Inzell oder Berlin hatte der Thüringer Verband Große und das gesamte DESG-Präsidium bereits zum Rücktritt aufgefordert.

Verbandsspitze weist Rücktrittsforderung zurück

Die Verbandsspitze wies die Rücktrittsforderung zurück. „Unterschiedliche Auffassungen über sportpolitische oder strukturelle Entscheidungen sind legitim. Sie rechtfertigen jedoch keine Rücktrittsforderung gegen ein demokratisch legitimiertes Präsidium, nur weil dieses notwendige, möglicherweise auch unbequeme Entscheidungen trifft“, erklärte Große.

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