Nahrungsergänzungsmittel: 415 Mio. Packungen 2025 – Markt boomt
Nahrungsergänzungsmittel: 415 Mio. Packungen 2025

Rund 415 Millionen Packungen Nahrungsergänzungsmittel wurden 2025 in Deutschland verkauft – fast doppelt so viele wie noch 2022 (241 Millionen). Das Marktvolumen beträgt etwa 4,3 Milliarden Euro, wie eine Analyse des Lebensmittelverbands zeigt. Treiber sind Longevity, Women’s Health und personalisierte Produkte.

Corona stärkte Gesundheitsbewusstsein

Die Coronajahre haben das Gesundheitsbewusstsein und den Trend zur Prävention gestärkt. In einer alternden Gesellschaft wächst das Bemühen, möglichst lange fit und leistungsfähig zu bleiben. Ernährungsthemen sind populär wie nie. „Mit einem Marktvolumen von rund 4,3 Milliarden Euro und einem Absatz von etwa 415 Millionen Packungen unterstreichen die aktuellen Daten die Bedeutung von Nahrungsergänzungsmitteln im Alltag vieler Menschen“, heißt es in der Analyse des Lebensmittelverbands.

Das breite Angebot an Pillen und Pulvern soll laut Herstellerangaben einen besseren Zellstoffwechsel oder eine gesunde Darmflora fördern. „Der Markt steht heute auf einem deutlich breiteren Fundament als noch vor zehn Jahren“, sagt Fabian Krug von der Beratungsfirma oX8. Produktkategorien wie Vitamine und Mineralstoffe bildeten weiterhin das Fundament, „doch überdurchschnittliche Zuwächse verlagern sich zunehmend in spezialisierte und funktionale Segmente, etwa im Bereich Darmgesundheit, Women’s Health oder personalisierte Lösungen“. Krug, der mehrere Fusionen und Übernahmen in der Branche begleitet hat, spricht von einer „ausdifferenzierten Produktlandschaft“, in der Kunden bereit seien, für Produkte, die als hochwertig und wissenschaftlich fundiert vermarktet werden, mehr Geld auszugeben.

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Zwei Drittel der Bundesbürger nutzen Supplements

Rund zwei Drittel der Bundesbürger nutzen regelmäßig Supplements, um die allgemeine Ernährung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren, Ballaststoffen oder sekundären Pflanzenstoffen zu ergänzen. Die zunehmende Bedeutung lässt sich vor allem auf den Begriff Longevity zurückführen: Nicht nur alt werden, sondern gesund alt werden. Der Schweizer Ernährungswissenschaftlerin Heike Bischoff-Ferrari zufolge liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa bei 81 Jahren, die „gesunde Lebenszeit“ ende aber bereits bei 64 Jahren. Ziel von Longevity ist es, diese Lücke kleiner werden zu lassen – durch Bewegung und Ernährung, soziale Kontakte und möglichst wenig Stress.

Klassiker dominieren: Vitamine und Mineralstoffe

Trotz der neuen Megatrends wird der Markt noch immer von klassischen Produktgruppen geprägt. „Vitamine und Mineralstoffe stellen zusammen rund 48 Prozent des Umsatzes und etwa 63 Prozent des Absatzes dar“, teilte der Lebensmittelverband mit. Bei den Vitaminen dominieren Vitamin C (35,6 Millionen Packungen), Multivitamine mit Mineralstoffen (29,7 Millionen) und Vitamin D (25,5 Millionen). Unter den Mineralstoffen sind Magnesiumpräparate mit großem Abstand die absatzstärkste Kategorie (75,3 Millionen Packungen), gefolgt von Calcium (18 Millionen) und Zink (6,5 Millionen). Die Drogeriemärkte sind mit einem Anteil von 45 Prozent der wichtigste Vertriebsort. Online- und Versandkanäle werden aber immer wichtiger und kommen auf einen Anteil von 22,5 Prozent der verkauften Produkte, teilt der Lebensmittelverband mit.

Marktentwicklung 2022 bis 2025: Verdopplung

Wie dynamisch sich der Markt entwickelt, zeigt die Zeitspanne von 2022, dem letzten Coronajahr, bis 2025: Die Zahl der verkauften Verpackungen verdoppelte sich beinahe von 241 Millionen auf 415 Millionen. Unternehmensberater Krug zufolge hat sich der Markt von einem Startup-getriebenen Nischengeschäft zu einer „gereiften Branche mit klaren Qualitätsanforderungen und neuen Investitionschancen“ entwickelt. Als Anzeichen für eine Reifung des Marktes nennt er unter anderem eine stärkere Orientierung an wissenschaftlichen Standards bei der Produktentwicklung, datengetriebenes Marketing und stabilere Lieferketten.

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Wachstumsfelder: Women’s Health, Darmgesundheit, Longevity

Der Bereich Women’s Health verzeichne laut Krug derzeit starkes Wachstum – von Produkten zur Hormongesundheit über Menopause bis hin zu Fertilität. Das Wachstumsfeld Darmgesundheit profitiere vom wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen Mikrobiom, Immunsystem und mentaler Gesundheit. Longevity, der dritte Wachstumstreiber, umfasse Prävention, Biotechnologie und Ernährung. Longevity-Mittel sollen biologische Prozesse unterstützen, die mit zunehmendem Alter an Effizienz verlieren, etwa die zelluläre Energieproduktion, Reparaturmechanismen oder den Schutz vor Entzündungen. „Supplements ersetzen keinen gesunden Lebensstil“, heißt es dazu bei der Deutschen Longevity Gesellschaft. Wer sich ausgewogen ernährt, regelmäßig bewegt und sich nicht stressen lässt, könne auch ohne Pillen gesund alt werden.

Personalisierung als größtes Wachstumspotenzial

Das größte Wachstumspotenzial sieht Marktanalyst Krug in der Personalisierung: vom generischen Multivitamin zu individuell zugeschnittenen Lösungen auf Basis einer immer präziser werdenden Diagnostik. Dabei profitierten alle Marktsegmente „von strukturellen gesellschaftlichen Veränderungen“. Der Lebensmittelverband betont indes, „dass die Produkte nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden sollten“. Grundsätzlich könnten, bis auf Vitamin D, alle Mikronährstoffbedarfe über eine vielseitige Ernährung gedeckt werden. Verschiedene Untersuchungen zeigten jedoch, dass in Deutschland viele Menschen nicht mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen in ausreichender Menge versorgt würden.

US-Markt als Vorbild: Aufholpotenzial in Europa

Für die US-Amerikaner gilt das offenkundig noch viel stärker. Jedenfalls sei der dortige Markt „mit deutlichem Abstand der größte und dynamischste weltweit mit einer ausgeprägten Supplement-Kultur, die in Europa so noch nicht existiert“, berichtet Marktexperte Krug. Die EU sei regulatorisch anspruchsvoller, aber auch zunehmend professioneller, was für Investoren wichtig sei. Der Blick auf die USA lässt für Krug den Schluss zu, dass der deutsche und europäische Markt „noch erhebliches Aufholpotenzial“ habe.