Der Chef des Technologiekonzerns Bosch, Stefan Hartung, gibt seinen Posten überraschend auf. Der 60-Jährige legt zum 30. Juni auf eigenen Wunsch sein Mandat als Vorsitzender der Geschäftsführung nieder, wie das Unternehmen in Gerlingen bei Stuttgart mitteilte. Hartung wolle sich künftig neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgaben außerhalb der Bosch-Gruppe widmen.
Nachfolger Christian Fischer übernimmt
Neuer Vorsitzender wird der bisherige Vize-Chef Christian Fischer. Die Stellvertreterposition teilen sich künftig Finanzgeschäftsführer Markus Forscher und der Chef der Zuliefersparte, Markus Heyn. Der Wechsel erfolgte in enger Abstimmung mit der obersten Führungsebene. Aufsichtsratschef Stefan Asenkerschbaumer erklärte: „Die Gesellschafter und der Aufsichtsrat bedauern die Entscheidung von Stefan Hartung und danken ihm ausdrücklich für seine großen Verdienste bei der umsichtigen Führung des Unternehmens in einer außergewöhnlich anspruchsvollen Phase.“ Hartung habe die kraftvolle Weiterentwicklung von Bosch gezielt fortgesetzt. Asenkerschbaumer, zugleich geschäftsführender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG, die die Mehrheit der Stimmrechte hält, fügte hinzu: „Wir respektieren die persönliche Entscheidung von Stefan Hartung und wünschen ihm viel Erfolg für seine Zukunft.“
Karriere bei Bosch und vorzeitiger Abschied
Der gebürtige Dortmunder und promovierte Maschinenbauer begann seine Bosch-Karriere 2004 bei der Hausgeräte-Tochter BSH. Seit 2013 gehörte er der Geschäftsführung an, den Chefposten übernahm er Anfang 2022. Mit seinem vorzeitigen Weggang endet seine Tätigkeit als siebter Chef nach Gründer Robert Bosch. Erst im vergangenen Herbst war sein Vertrag dem Vernehmen nach bis 2031 verlängert worden. Der neue Chef Fischer, 58, war zuletzt für die Konsumgütersparte verantwortlich und galt als Chefstratege des Konzerns. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler startete seine Karriere als Trainee bei Bosch, wechselte dann zu Roland Berger, Walter Bau, Smartrac und kehrte 2018 zurück.
Krise bei Bosch: Verlust und massiver Stellenabbau
Bosch leidet unter der schwierigen Wirtschaftslage. Der weltgrößte Autozulieferer kämpft mit dem schleppenden Wandel zur E-Mobilität und Problemen in fast allen Geschäftsfeldern. Verbraucher halten sich wegen der Wirtschaftslage beim Kauf von Hausgeräten, Elektrowerkzeugen und Gartengeräten zurück. Bosch ist eigenen Angaben zufolge in vielen Bereichen nicht mehr wettbewerbsfähig. Der Konzern spart massiv: Allein in der Zuliefersparte sollen bis zu 22.000 Stellen gestrichen werden. Auch bei der Hausgerätetochter BSH und der Sparte für Elektrowerkzeuge gibt es Abbaupläne. Die Kosten für den Stellenabbau, US-Zölle und Steuereffekte belasteten die Geschäftszahlen schwer. Die Programme schlugen mit 2,7 Milliarden Euro zu Buche, vor allem in Form von Rückstellungen. Im vergangenen Jahr musste Bosch erstmals seit 2009 einen Nachsteuerverlust von 363 Millionen Euro verbuchen. Bereits im Vorjahr hatte sich der Gewinn halbiert. Der Umsatz stieg 2025 nur leicht auf 91 Milliarden Euro und blieb damit deutlich hinter den Erwartungen. Für das laufende Jahr rechnet Bosch mit etwas besseren Geschäften: Im ersten Quartal lag der Umsatz auf Vorjahresniveau, das Management peilt ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent an.



