Iran-Krieg treibt Baukosten: Hausbauer müssen tiefer in die Tasche greifen
Iran-Krieg treibt Baukosten in die Höhe

Baubranche schlägt Alarm: Iran-Krieg treibt Kosten für Hausbauer

Der Iran-Krieg belastet die Bauwirtschaft in Deutschland massiv. Hausbauer müssen mit deutlich höheren Kosten für ihr Eigenheim rechnen. Die Preise für Baumaterialien und Transport steigen spürbar, warnt die Branche. Dies gefährdet den ohnehin stockenden Wohnungsneubau und verschärft die Wohnungsknappheit. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) verspricht Erleichterungen durch vereinfachte Bauvorschriften.

Preisschübe auf breiter Front

„Wir sehen fast überall Kostensteigerungen“, erklärt Thomas Reimann, Präsident des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Betroffen seien Stahl, Beton, Dämmstoffe und Folien auf Rohölbasis. Auch das Aufstellen von Kränen sei teurer geworden, da die Dieselkosten für die Anfahrt gestiegen sind. Insgesamt lägen die Baukosten drei bis fünf Prozent höher als vor dem Iran-Krieg. Eine schnelle Besserung sei nicht in Sicht: „Bauen wird nicht billiger werden.“ Selbst wenn die Rohölpreise fallen, würden Lieferanten zunächst an ihren Preisen festhalten.

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands HDB, berichtet von drastischen Steigerungen bei Diesel und Bitumen. Im März hätten Unternehmen binnen Monatsfrist Preissteigerungen von rund einem Viertel bei Diesel und gut 36 Prozent bei Bitumen gemeldet. „Weitere Preissprünge sind vorprogrammiert.“ Viele Baufirmen planen, ihre Angebotspreise bald zu erhöhen. Eine seriöse Kalkulation von Bauleistungen sei derzeit kaum möglich. Wegen der großen Unsicherheit um den Iran-Krieg seien Bauunternehmen gezwungen, Risikoaufschläge in ihre Angebote einzupreisen, sofern keine Preisgleitklauseln vereinbart wurden.

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Erinnerungen an den Ukraine-Krieg

Bereits 2024 und 2025 waren die Baukosten für konventionelle Wohngebäude laut Statistischem Bundesamt um rund drei Prozent gestiegen. Während des Ukraine-Kriegs 2022 gab es zeitweise Kostensteigerungen von mehr als 15 Prozent. Damals führten sprunghaft steigende Materialpreise und Zinsen zu einem Einbruch des Neubaus, dessen Folgen bis heute spürbar sind: Die Zahl fehlender Wohnungen in Deutschland wird auf rund eine Million geschätzt.

Experten befürchten, dass der Iran-Krieg den Neubau bremst, der gerade erst an Fahrt gewonnen hatte. „Wenn die Menschen wegen gestiegener Energiepreise weniger Kaufkraft haben, bleibt auch weniger Spielraum zum Bau eines Eigenheims“, sagt Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Zudem steige der Druck bei den Kreditzinsen. Ziehe sich der Konflikt hin, drohten Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank, was Wohnungsbau weniger bezahlbar mache. Schon in den vergangenen Wochen hätten die Kreditzinsen angezogen.

Politik gefordert: Bauen billiger machen

Verbandspräsident Reimann appelliert an die Politik, Bauen günstiger zu gestalten. Bauen in Deutschland sei wegen strenger Vorschriften zu teuer. So seien Stellplätze für Mehrfamilienhäuser vorgeschrieben, ein Parkplatz in einer Tiefgarage koste rund 50.000 Euro. Ein Grund sei die geringe Anzahl von Deponien für Erdaushub. Andere Länder könnten als Vorbild dienen: Schweden komme mit weniger Baunormen aus und baue entsprechend billiger. „Und in Belgien und Frankreich sind Stärken von 15 bis 19 Zentimeter für Betondecken üblich, während wir in Deutschland 30 bis 40 Zentimeter verbauen.“ Bei einer dünneren Decke höre man spielende Kinder vielleicht mehr, „aber das sollte verkraftbar sein“. Man müsse weg vom „Goldstandard“.

Zudem müsse die Bundesregierung dringend den Gebäudetyp E umsetzen, der Bauen durch Verzicht auf teure, nicht sicherheitsrelevante Standards einfacher und billiger machen soll. Der Vorstoß geht auf die frühere Ampel-Regierung zurück. „Bauherren brauchen Rechtssicherheit“, fordert Reimann. „Der Gebäudetyp E wäre ein erster Schritt und wichtiges Signal an die Baubranche.“

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Bauministerin Hubertz kündigte Schritte an: „Wir wollen den Gesetzesentwurf zum Sommer vorlegen“, sagte sie im ARD-„Morgenmagazin“. Der Gebäudetyp E müsse in der Praxis funktionieren. Daher habe man einen Praxisprozess vorgeschaltet mit Gesprächen mit Bauunternehmern, Architekten und Herstellern von Sicherheitsanlagen. Es sei wichtig, dass nach dem Bau-Turbo für schnellere Genehmigungen „jetzt auch noch mal ein großes Update unseres Baugesetzbuches kommt“.