Chaos am höchsten Berg der Welt: Eisblock versperrt Aufstieg
Kurz vor dem Beginn der wichtigsten Klettersaison sorgt ein gewaltiger Eisblock am Mount Everest für ein gefährliches Hindernis. Der Weg zum höchsten Gipfel der Erde ist blockiert, und Hunderte Bergsteiger sitzen fest. Der instabile, aufgetürmte Eisblock hat sich am Khumbu-Eisfall gebildet, dem höchstgelegenen Gletscher der Welt auf etwa 8000 Metern Höhe. Seine Ausmaße sind enorm: Teile des Blocks sind so groß wie zehnstöckige Häuser. Experten schlagen Alarm, da die überhängenden Eismassen jederzeit abbrechen können. „Das ist riskant für die Bergsteiger“, warnt Behördenvertreter Himal Gautam.
Zentrale Route blockiert: Icefall Doctors im Einsatz
Besonders heikel ist die Situation, weil die zentrale Route vom Basislager hinauf zu Lager 2 versperrt ist. Normalerweise haben die sogenannten Icefall Doctors diesen Abschnitt bis Mitte April längst gesichert. Diese Eliteeinheit der Sherpas legt Fixseile, an denen sich die Bergsteiger einhängen, bringt Aluminiumleitern über tiefe Gletscherspalten an und sichert steile Eiswände. Doch in diesem Jahr ist daran nicht zu denken. Stattdessen suchen Experten fieberhaft nach einer sicheren Alternativroute. Bis eine Lösung gefunden ist, müssen die Expeditionen warten.
Wetterfenster schließt sich: Gefahr von Staus in der Todeszone
Für die Bergsteiger läuft die Uhr. Die Everest-Saison dauert nur wenige Wochen im Mai, wenn das Wetter stabil genug ist. Verzögert sich der Aufstieg weiter, droht ein gefährlicher Engpass. Zu viele Alpinisten könnten dann gleichzeitig in Richtung Gipfel starten. Solche Staus hat es in der Vergangenheit bereits gegeben, besonders in der sogenannten „Todeszone“ mit extrem wenig Sauerstoff. Dort kann jede Verzögerung lebensgefährlich werden. Die Behörden beobachten die Lage genau und hoffen, dass der Eisblock durch Schmelzen kleiner wird. Wann das sein wird, ist jedoch unklar.
Erinnerung an das Unglück von 2014: Lawinengefahr hoch
Die aktuelle Lage weckt schlimme Erinnerungen. Im Jahr 2014 löste ein abbrechender Teil des Khumbu-Gletschers eine Eislawine aus, bei der 16 Bergführer ums Leben kamen. Es war eines der schwersten Unglücke am Everest. Auch jetzt ist die Lawinengefahr hoch, warnen die Verantwortlichen. Der Sagarmatha-Ausschuss will den Eisblock aus der Luft beobachten. Die Hoffnung: Dass er schmilzt, kleiner wird und sich die Lage dadurch entspannt. Wann das sein wird, ist unklar.
Everest bleibt Magnet trotz höherer Gebühren
Trotz der Gefahr reißt der Andrang nicht ab. 410 ausländische Bergsteiger haben bereits eine Genehmigung für die Frühjahrssaison erhalten. Unterstützt werden sie von etwa ebenso vielen einheimischen Guides und Helfern. Weitere Anträge werden erwartet. Dabei sind die Preise gestiegen: Nepal hat die Gebühr für eine Besteigung von 11.000 auf 15.000 US-Dollar erhöht. Die Behörden rechnen dennoch mit ähnlich vielen Kletterern wie in den Vorjahren – und mit hohen Einnahmen. Fest steht: Am Everest entscheidet derzeit nicht der Mensch, sondern das Eis, ob und wie nach oben kommt.



