Syrer in Dessau kritisiert Merz‘ Rückkehrpläne scharf
Syrer in Dessau kritisiert Merz‘ Rückkehrpläne

Dessau/MZ. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien haben viele Geflüchtete in Deutschland eine neue Heimat gefunden, darunter auch in Dessau. Nach dem Sturz des Assad-Regimes schlug Bundeskanzler Friedrich Merz vor, rund 80 Prozent der syrischen Geflüchteten sollten in ihre Heimat zurückkehren. Dieser Vorstoß stößt jedoch auf deutliche Kritik – nicht nur aus der Koalition, sondern auch von Betroffenen vor Ort.

Kritik an fehlender Perspektive

Der Syrer Sipan Khalil, der seit 2015 in Dessau lebt und als Niederlassungsleiter bei der Zettl GmbH arbeitet, äußert sich besorgt über die Pläne. „Es fehlt an Perspektiven und Planung“, sagt der Maschinenbauer. Viele Syrer hätten sich in Deutschland integriert, arbeiteten und zahlten Steuern. Eine pauschale Rückführung sei nicht nur unrealistisch, sondern auch gefährlich für den Arbeitsmarkt.

IHW warnt vor Fachkräftemangel

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) warnt vor gravierenden Risiken für den Arbeitsmarkt, sollten tatsächlich 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge zurückgeführt werden. Gerade in technischen Berufen, in denen viele Syrer beschäftigt seien, drohe ein massiver Fachkräftemangel. „Das wäre ein herber Schlag für die Wirtschaft in der Region“, so ein IHK-Sprecher.

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Sipan Khalil: „Wir brauchen Sicherheit“

Khalil betont, dass viele Syrer unsicher seien, ob eine Rückkehr in ihre Heimat überhaupt möglich sei. „Die Lage in Syrien ist noch immer instabil. Wir brauchen hier Sicherheit und klare Perspektiven, nicht nur politische Forderungen.“ Er appelliert an die Politik, gemeinsam mit den Geflüchteten Lösungen zu erarbeiten, statt pauschale Rückführungen zu fordern.

Der Fall zeigt, wie kontrovers die Diskussion um die Rückkehr syrischer Flüchtlinge ist. Während Merz auf eine schnelle Lösung drängt, warnen Experten und Betroffene vor den Folgen für den Arbeitsmarkt und die Integration.

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