Bei russischen Angriffen im Südosten und Nordosten der Ukraine sind nach Angaben örtlicher Behörden mindestens fünf Menschen getötet worden. In der südöstlichen Stadt Saporischschja kamen zwei Menschen ums Leben, 16 weitere wurden verletzt, teilte der regionale Gouverneur Iwan Fedorow auf Telegram mit. In der nordöstlichen Grenzregion Charkiw starb eine Person bei einem Raketenangriff auf die Stadt Smijiw, acht weitere wurden verletzt, darunter zwei Kinder, erklärte Gouverneur Oleh Synjehubow. Zudem starb nach Polizeiangaben ein Beamter bei der Evakuierung von Anwohnern in einer anderen Gemeinde der Region. In der ebenfalls an Russland grenzenden Region Sumy wurde nach Angaben des dortigen Gouverneurs eine ältere Frau getötet.
Putin lehnt ukrainischen Vorschlag zu Stopp von Langstreckenangriffen ab
Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen ukrainischen Vorschlag für einen gegenseitigen Verzicht auf Langstreckenangriffe abgelehnt. Russland werde stattdessen an seinem Ziel festhalten, die vier Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja vollständig einzunehmen, sagte Putin in einem Interview des russischen Staatsfernsehens. Er werte den Vorstoß aus Kyjiw lediglich als Versuch, den Druck auf die ukrainischen Truppen entlang der 1250 Kilometer langen Frontlinie zu lindern. Eine Rettung der Regierung in Kyjiw gehöre nicht zu den russischen Plänen. Eine Stellungnahme des ukrainischen Präsidialamtes lag zunächst nicht vor.
Selenskyj plant Gedenkstätte für Helden der Ukraine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein Gesetzesprojekt zur Errichtung einer Gedenkstätte für alle herausragenden Persönlichkeiten der Ukraine ins Leben gerufen. „Ich habe heute den Gesetzentwurf für ein nationales Pantheon in das Parlament eingebracht“, sagte er bei einer Veranstaltung zum Tag der Verfassung. „Die Namen aller Helden, die in verschiedenen Jahrhunderten und Epochen für die Ukraine gekämpft und die Ukraine inspiriert haben, werden vereint und für immer in unsere Geschichte eingeschrieben.“ Sein Präsidialamtschef Kyrylo Budanow fügte hinzu: „Niemand wird den Ukrainern jemals wieder vorschreiben, welche Helden sie verehren, welche Feiertage sie begehen oder welche Geschichte sie lernen sollen. Für dieses Recht auf freie Selbstbestimmung und nationale Unabhängigkeit haben unsere Vorfahren jahrhundertelang gekämpft, und genau dafür vergießen unsere Soldaten heute ihr Blut.“ Der Hinweis auf Selbstbestimmung galt auch als Stichelei in Richtung Polen, dessen Präsident Karol Nawrocki Selenskyj in einem Geschichtsstreit einen hohen Orden aberkannt hatte. Die Gedenkstätte soll in Kyjiw errichtet werden.
Putin beklagt bei Parteikongress Druck des Westens
Trotz aktueller Rückschläge an den Fronten und erheblicher wirtschaftlicher Probleme gibt sich Putin kämpferisch. „Dem Westen gelingt es nicht, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, deshalb versucht er, die politische Lage zu destabilisieren, doch auch das gelingt ihm nicht“, sagte der Kremlchef beim Kongress der Regierungspartei „Edinaja Rossija“ in Moskau. Russland sehe sich einem „beispiellosen Druck“ seitens westlicher Eliten ausgesetzt. Er warf dem Westen vor, die Angriffe Kiews gegen Russland zu ignorieren. „Und gleichzeitig verhängt er gerade gegen uns immer neue – ich betone: unrechtmäßige – Sanktionen“, sagte er. „Ja, wir sehen Probleme. Wir sind uns dessen bewusst, reagieren darauf, werden aber auf jeden Fall sowohl die Sicherheit des Landes als auch die unserer Bürger sowie die Unverletzlichkeit unserer Grenzen auf lange Sicht gewährleisten.“ Trotz anderslautender Berichte behauptete Putin, die ukrainischen Truppen zögen sich „in alle Richtungen zurück“. Kyjiw greife zudem zu „terroristischen Methoden“ und werde vom Westen „als Rammbock im Kampf gegen Russland“ unterstützt. Bei einem Treffen mit Regierungsvertretern räumte Putin Engpässe bei der Treibstoffversorgung ein. Die Benzinreserven beliefen sich auf 1,7 Millionen Tonnen, vier Prozent unter dem Vorjahresniveau. Eine Arbeitsgruppe soll die landesweite Versorgung sicherstellen.
Polen befürchtet russische Übergriffe an Nato-Ostflanke
Die polnische Führung sieht ein wachsendes Risiko russischer Provokationen an der Nato-Ostflanke. „Wir sehen die Ereignisse in der Ukraine und dass der Krieg für Russland derzeit nicht gut läuft. Das ist ein Grund zur Besorgnis, dass Moskau die Situation weiter eskalieren könnte“, sagte der Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Oberst Pawel Szota, der Zeitung „Rzeczpospolita“. Seiner Einschätzung nach könnte ein begrenzter Angriff auf die baltischen Staaten so aussehen, dass dort „grüne Männchen“ auftauchen – russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, wie sie 2014 auf der Krim eingesetzt wurden. „Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der Nato zu testen. Die Kosten solcher Provokationen sind gering, aber das Bündnis reagiert vor allem politisch, was zu weiterer Eskalation einlädt.“
Kyjiw bestätigt Attacken auf zwei Raffinerien in Russland
Nach Angaben von Präsident Selenskyj hat sein Militär in der Nacht gleich zwei russische Raffinerien mit Drohnen angegriffen. Er bestätigte den Einschlag in einer Anlage im südrussischen Slawjansk-na-Kubani sowie einen Treffer in der Region Jaroslawl, etwa 700 Kilometer von der Grenze entfernt. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff im Süden Russlands wurde nach Angaben des Gouverneurs der Region Krasnodar ein Mensch getötet, ein weiterer verletzt. Zudem brach ein Feuer in einer Ölraffinerie aus, und eine Strom- und eine Gasleitung wurden beschädigt. Die Raffinerie Slawjansk-na-Kubani gehört zu den größten im Süden Russlands. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, insgesamt seien 213 ukrainische Drohnen in mehr als einem Dutzend Regionen abgefangen worden, darunter Moskau.
Russische Polizei sucht offenbar kritischen Ex-Soldaten
Der ehemalige Frontsoldat Alexander Lunin, der in einem Video schwere Vorwürfe gegen die russische Militärführung erhoben hatte, wird offenbar von der Polizei gesucht. Wie die Oppositions-Website „Medusa“ unter Berufung auf Lunins Ehefrau berichtete, sei die Polizei zu einer nächtlichen Durchsuchung seiner Unterkunft erschienen und habe alle elektronischen Geräte beschlagnahmt. Lunin selbst sei nicht angetroffen worden. In dem Video, das in Russland über Instagram verbreitet wurde, erklärte Lunin, er müsse Putin bei einer Live-Audienz die „ganze Wahrheit über das, was bei uns im Land passiert“, sagen. An der Front würden Soldaten von Vorgesetzten ausgebeutet, gequält und verheizt. Er drohte: „Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml.“ Das Video wurde etwa zehn Millionen Mal aufgerufen. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass man von dem Video gehört habe, und sagte: „Man muss sich das erst einmal anschauen.“
Ukrainischer Kampfjet abgestürzt
In der zentralukrainischen Region Poltawa ist ein Kampfjet vom Typ MiG-29 abgestürzt. Der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Der Vorfall ereignete sich während eines Kampfeinsatzes, die genaue Ursache ist unklar. Bei neuen gegenseitigen Luftangriffen wurden nach Angaben beider Seiten mindestens fünf Menschen getötet und Dutzende verletzt. Der ukrainische Geheimdienst SBU meldete zudem einen erneuten Angriff auf die Ölpumpstation Wtorowo östlich von Moskau, die für die Treibstoffversorgung der Hauptstadt wichtig ist. Es sei die zweite erfolgreiche Attacke innerhalb eines Monats. Die russische Flugabwehr habe mindestens 19 Drohnen im Anflug auf Moskau abgeschossen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin mit.
Ukraine meldet Angriff auf Raketenfabrik in Wolgograd
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben eine Rüstungsfabrik in der russischen Millionenstadt Wolgograd angegriffen. Marschflugkörper des Typs Flamingo hätten die Anlagen des Betriebs Titan-Barrikady getroffen und in Brand gesetzt, teilte Präsident Selenskyj mit. In der Fabrik würden Artilleriesysteme und Elemente für Raketenabschussrampen produziert. „Jedes russische Verteidigungsobjekt, das dem Krieg gegen die Ukraine dient, ist ein berechtigtes Ziel für unsere Langstreckensanktionen.“ Der Gouverneur der Region Wolgograd, Andrej Botscharow, bestätigte Schäden an Produktionsanlagen, machte aber keine genaueren Angaben. Behördenangaben zufolge wurde ein Mensch getötet und zehn weitere verletzt. Titan-Barrikady stellt Komponenten für die Raketenkomplexe Iskander, Jars und Topol-M her, die prinzipiell auch Atomwaffen tragen können.
Ukrainische Energiebranche sorgt vor nächstem Winter vor
Die ukrainische Energiewirtschaft bereitet sich intensiv auf einen weiteren Kriegswinter vor. „Wir haben im vergangenen Winter unsere Lektion gelernt, die Energiefirmen, die Regierung, alle Beteiligten“, sagte DTEK-Vorstandschef Maksym Timtschenko bei der Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine in Danzig. DTEK habe im Krieg dreimal bis zu 80 Prozent seiner Stromerzeugungskapazitäten verloren und sie immer wieder hergestellt. „Derzeit haben wir mit den Sanierungsarbeiten begonnen und unser Ziel ist es, noch vor dem Winter über ausreichende Kapazitäten zu verfügen“, so Timtschenko. Voraussetzung sei, dass die Anlagen nicht erneut durch Luftangriffe beschädigt würden. DTEK unterzeichnete eine Absichtserklärung über den Bau eines modernen Gasturbinenkraftwerks mit 650 Megawatt Leistung in der Westukraine. Das Unternehmen will auch in Wind- und Solarenergie investieren und plant im Gebiet Poltawa den größten Windpark an Land in Osteuropa.
Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine
Russland und die Ukraine tauschen jeweils 160 Kriegsgefangene aus. Die ukrainischen Soldaten seien seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen, erklärte Selenskyj. Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa und ihr ukrainischer Kollege Dmytro Lubinez einigten sich zudem auf gemeinsame Besuche von Kriegsgefangenen sowie den Austausch von Listen gefangener Soldaten. Ein weiterer Austausch soll in den kommenden Tagen stattfinden.
Ehemaliger russischer Vizeregierungschef Iwanow gestorben
In Russland ist der ehemalige Vizeregierungschef Sergej Iwanow gestorben, ein langjähriger Weggefährte von Präsident Putin. Er wurde 73 Jahre alt. Zur Todesursache wurde nichts bekannt. Iwanow war unter anderem Verteidigungsminister und Leiter der Präsidialverwaltung. Als Befürworter der Annexion der Krim und des Krieges gegen die Ukraine stand er unter Sanktionen der EU und der USA.
Lawrow fordert Klärung von US-Rolle bei Friedensbemühungen
Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte eine Klärung der Rolle der USA bei den Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs. Er wies Darstellungen von US-Außenminister Marco Rubio zurück, wonach es bei dem Treffen von Putin und US-Präsident Donald Trump in Alaska keine Einigung über die Grundzüge eines Friedensabkommens gegeben habe. Lawrow entgegnete, die US-Seite habe Vorschläge vorgelegt, denen Putin zugestimmt habe. Die Vermittlungsversuche Washingtons sind ins Stocken geraten, nachdem die USA und Israel im Februar den Krieg gegen den Iran begonnen haben.
Gazprom erwartet steigenden Gewinn – auch dank China
Der russische Energieriese Gazprom erwartet im laufenden Jahr einen Anstieg des operativen Gewinns um sechs bis sieben Prozent. Grund dafür seien steigende Lieferungen auf dem heimischen Markt sowie höhere Exporte nach China, sagte Vize-Chef Famil Sadygow. Im Jahr 2025 hatte das Ebitda 2,9 Billionen Rubel (rund 37,7 Milliarden Dollar) betragen. Gazprom ist gezwungen, seine Gasexporte neu auszurichten, nachdem der Konzern durch den Krieg den Großteil seines Geschäfts in Europa verloren hat.
Russischer Gouverneur erklärt Ausnahmezustand auf der Krim
Als Folge massiver ukrainischer Drohnenangriffe haben die von Russland eingesetzten Behörden auf der Krim und in Sewastopol den Ausnahmezustand ausgerufen. Der Tourismus und Ferienlager für Kinder wurden bis September ausgesetzt. Tankstellen verkaufen seit dem 21. Juni keinen Kraftstoff mehr an Privatpersonen und Unternehmen. Der von Russland ernannte Chef der Krim, Sergej Aksjonow, erklärte, der Ausnahmezustand solle schnellere Entscheidungen ermöglichen. Ukrainische Drohnen haben verstärkt die Treibstoffversorgung der Halbinsel ins Visier genommen. Die Angriffe verschärfen die Versorgungsengpässe in ganz Russland.



