Der Siegerentwurf des Architekturbüros Max Dudler für das neue Stadtquartier „Fountain“ südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen sieht 460 Wohnungen, Büros und Einzelhandel für 1200 Arbeitsplätze, eine Kita sowie ein begrüntes „Dach aus Bäumen“ und einen „einzigartigen“ Brückenpark vor. Das Konzept setzte sich in einem zweistufigen Werkstattverfahren gegen mehrere Mitbewerber durch und wurde von einer Expertenjury ausgewählt. Nach Erteilung der Baugenehmigung könnte das Quartier innerhalb von zweieinhalb Jahren realisiert werden.
Planungsgebiet und bestehende Nutzung
Das 2,9 Hektar große Areal in Berlin-Mitte liegt derzeit weitgehend brach. Unklar ist noch, ob das bestehende Gebäude mit dem Kaufland-Center erhalten oder abgerissen wird. Viele Anwohner des angrenzenden Brunnenviertels sorgen sich um längere Wege für den Lebensmitteleinkauf.
Hochhäuser als städtebauliche Akzente
Als „Leuchttürme“ des neuen Quartiers sieht der Entwurf zwei Hochhäuser an den Kreuzungen der Brunnenstraße mit der Ringbahntrasse vor: eines 60 Meter hoch, das zweite etwas niedriger. Diese sollen vorrangig gewerblich genutzt werden. Die übrigen Gebäude für Wohnungen sind auf maximal 23 Meter Höhe begrenzt. Die gesamte Geschossfläche beträgt über 80.000 Quadratmeter, davon knapp 37.000 Quadratmeter für Wohnungen.
Grünflächen und Brückenpark
Um das Areal zu kühlen, ist am Bahnhof Gesundbrunnen ein begrünter Stadtplatz geplant. Landschaftsarchitekt Florian Mänz von Vogt Landschaft erklärte, der mehr als 5000 Quadratmeter große Brückenpark an der denkmalgeschützten Swinemünder Brücke solle als verbindendes Element zwischen Neubau und bestehender Stadtstruktur dienen. Die Jury sieht darin einen besonderen Mehrwert, der über das Quartier hinausreicht. Mänz möchte die vorhandene Vegetation integrieren und den historischen Ort zum „identitätsstiftenden Mittelpunkt des neuen Quartiers“ machen.
Bauphasen und Zeitplan
Die ersten Spatenstiche sollen im westlichen Teil entlang der Brunnenstraße erfolgen, wo vornehmlich Einzelhandel, Büros, ein Hotel und Serviced Apartments entstehen. Im hinteren Teil sind überwiegend Wohnungen vorgesehen. Bezirksstadtrat Christopher Schriner will den Wohnungsbau mit einem „Bau-Turbo“ beschleunigen. Zuvor muss jedoch ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden, was noch Jahre dauern kann. Nach derzeitigem Planungsrecht wären die geplanten Flächen und Nutzungen nicht zulässig.
Bewertung und Kritik
Die Jury lobt den Entwurf als „robustes Grundgerüst“, das sich flexibel an veränderte Anforderungen anpassen lasse. Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeld bezeichnete das Konzept als „hervorragendes städtebaulich-freiraumplanerisches Gesamtkonzept für ein urbanes Quartier“. Der Mix aus Wohnen, Arbeiten, sozialen Einrichtungen und Nahversorgung sei der richtige Ansatz.
Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, findet es „fantastisch“, dass Wohnraum für rund 900 Menschen geschaffen wird. Anwohner und Initiativen befürchten jedoch hohe Mieten und Gentrifizierung. Sie fordern einen hohen Anteil an landeseigenem oder mietpreisgebundenem Wohnraum. Gothe verspricht, dass ein Drittel der Einheiten geförderte Wohnungen sein werden. Investor Hines hat dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung zugestimmt, wonach 30 Prozent der Wohnfläche preisgebunden an Wohnberechtigungsschein-Inhaber vermietet werden.
Kritiker monieren zudem die blockhafte, monotone Formensprache von Max Dudler, während Befürworter den Rationalismus und Minimalismus des Architekten loben. Alexander Möll, Head of Northern & Central Europe bei Hines, betonte die Notwendigkeit einer einvernehmlichen Lösung zwischen Bezirk, Senat und Investor, „die einen Mehrwert stiftet und mit der Zielsetzung der Stadt im Einklang steht“.



