Ultra-Gruppen drohen DFB mit drastischen Konsequenzen vor Klub-Abstimmung
Ultra-Gruppen drohen DFB vor Klub-Abstimmung

Wenige Stunden vor Beginn der Klub-Abstimmungen über die Regionalliga-Reform im Deutschen Fußball-Bund (DFB) haben sich alle Ultra-Gruppen Deutschlands zu Wort gemeldet. In einem gemeinsamen Schreiben drohen sie den Regionalverbänden und allen in den DFB-Skandal verwickelten Personen mit drastischen Konsequenzen. Das Papier, das unter anderem die Fanszene „The Unity“ von Borussia Dortmund veröffentlicht hat, trägt die Überschrift: „Eure Spielchen mit Reformen – nicht mit uns.“

Hintergrund der Eskalation

Nach 14 Jahren Streit um die Regionalliga-Reform wurde sechs Tage vor dem Vereinsreferendum bekannt, dass der ausgehandelte Kompromissvorschlag ohne Begründung geändert wurde. Dies hätte den unverschuldeten Abstieg zahlreicher Traditionsvereine zur Folge. Zusätzlich wurden die geforderten Mehrheitsverhältnisse nach oben geschraubt. Die aktiven Fanszenen stehen bedingungslos hinter dem ursprünglichen Kompassmodell.

Im Ultra-Papier heißt es: „Nicht nur kritischen Fans wird jetzt endgültig klar, dass die Verbände nicht im Sinne ihrer Mitgliedsvereine agieren, sondern ganz eigene Ziele verfolgen. Was FIFA und Co. auf der großen Bühne vormachen, spielen die Regionalverbände nach.“ Obwohl es sich per se nur um eine Viertliga-Reform handelt, warnen die Ultras, dass es ab sofort auch bei Anhängern von Erst- und Zweitligisten keine Zurückhaltung mehr geben wird.

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„Ungerechtfertigte Machtverhältnisse“

Die Vorgänge „gipfeln in einer Situation, die uns als Fans der betroffenen, aber auch der aktuell und perspektivisch nicht betroffenen Vereine noch wütender macht.“ Dann wird es grundsätzlich: „Wer Mehrheiten aushebelt, stärkt keine Demokratie – sondern zementiert bestehende, ungerechtfertigte und ebenso reformbedürftige Machtverhältnisse.“ Der Hammer folgt sogleich: „Diese Form der Verbandsarbeit hat den Fußball lange genug ausgebremst. Es ist Zeit, ihr entschlossen entgegenzutreten und deutlich zu machen: Reformen müssen von den Vereinen getragen werden – nicht gegen sie.“

Die Ultragruppen stellen in Aussicht, nicht nur die Regionalliga-Reform durchsetzen zu wollen, sondern ab sofort Größeres in den Blick zu nehmen. Insider wie Prof. Harald Lange von der Universität Würzburg gehen davon aus, dass die Ultras die Regionalverbände in ihrer Existenz angreifen werden.

Druck auf Verbandsbosse

Der DFB hat 21 Landesverbände, darüber gibt es die Zwischenebene der fünf Regionalverbände. Experten weisen schon seit Jahren darauf hin, dass diese eigentlich nicht notwendig ist, da der föderalistische Aufbau des DFB auch so funktionieren kann. Die Ultragruppen schreiben: „Die Verbände dürfen sich sicher sein, dass es keinen Weg mehr an einer grundhaften Veränderung ihrer Ausrichtung und Politik vorbei gibt. Wir werden nicht locker lassen – ihr habt es nicht anders verdient.“

Der Moment der Veröffentlichung setzt die Regionalverbandschefs wie Peter Frymuth (69/Westen), Ralph-Uwe Schaffert (75/Norden) und Dr. Christoph Kern (43/Bayern), die den DFB-Skandal einfädelten, massiv unter Druck. Kern ist beim Bayerischen Fußballverband Präsident eines Landesverbands und will nach BILD-Informationen unbedingt noch DFB-Vize-Präsident werden. Solche Karrieren mit seinen Vorgängen sind den Ultras bundesweit ein Dorn im Auge. „Der Widerstand ist die logische Konsequenz“, heißt es.

Schulterschluss der Fanszenen

Bayern-Ultras hängten Kern, Frymuth und Schaffert bereits an Angeln verkehrt herum auf, auch im DFB-Pokalfinale. Damit ist der Schulterschluss nicht nur auf Klub-, sondern auch auf Fanebene so eng wie nie. Ein Scheitern der Reform wäre fast ausschließlich auf die Verbände und ihre Bosse zurückzuführen. Die Ultras verlautbaren: „Wir rufen die Vereinsvertreter dazu auf, mit Geschlossenheit und breiter Brust aufzutreten und die anstehende Abstimmung unter diesen Umständen nicht durchzuführen.“

Regionalligist Chemie Leipzig hat zudem alle Führungskräfte in DFB und DFL aufgefordert, gegen die Verbandsbosse einzuschreiten. Die Schäden des anstehenden Abends wären für den deutschen Fußball möglicherweise „irreparabel“, meint der Ostklub.

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