Hitzewelle endet: Kaltfront bringt Gewitter, Hagel und Sturmböen nach Deutschland
Hitzewelle endet: Kaltfront bringt Gewitter, Hagel und Sturmböen

Am Sonntag wurde mit 41,7 Grad in Ost-Brandenburg der dritte Temperaturrekord in Folge aufgestellt. Nun sorgt eine Kaltfront für eine Wetterwende: Von Westen ziehen Gewitter auf, die Starkregen, Hagel und Sturmböen mit sich bringen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettergefahr.

Kaltfront beendet Hitzewelle

Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach teilte mit, dass die große Hitzewelle für den Großteil Deutschlands vorbei ist. „Die Kaltfront eines Tiefs bei Island greift von Nordwesten auf Deutschland über“, hieß es im Warnlagebericht. Dadurch ströme kühlere und trockenere Luft ins Land. Im Bereich der Gewitter kann es mehrstündigen Starkregen und Sturmböen geben, auch Hagel schloss der Wetterdienst nicht aus. Im Osten und Süden bleibt es dagegen vorerst noch schwül und warm bis heiß. In der Nacht zum Dienstag sollen die Gewitter dann im Osten abziehen, für den Süden werden örtlich kräftige Gewitter erwartet.

Bilanz der historischen Hitzewelle

In einer ersten Zwischenbilanz sprach der Wetterdienst am Sonntag von einem Extremereignis. „Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben“, teilte er mit. In einigen Regionen habe sie elf Tage angehalten. Der DWD selbst spricht bei den Rekordwerten nicht von offiziellen Rekorden, da die Werte noch vorläufig sind. „Eine Qualitätskontrolle dieser Messwerte ist noch nicht erfolgt und wird noch vorgenommen“, erklärte der Dienst. Die offizielle Bestätigung dürfte erst nach dem Wochenende vorliegen.

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Badetote und Vermisste

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) meldete mindestens 26 Badetote und Vermisste am heißen Wochenende von Freitag bis Sonntag – alles Männer und Jungen. Bereits am Donnerstag hatte es mindestens sieben weitere tödliche Unglücke gegeben. Hinzu kommen laut DLRG mindestens acht Menschen, die unter Reanimation ins Krankenhaus gebracht wurden. Zudem verletzte sich ein 15-Jähriger bei einem Sprung in einen Baggersee in Meißenheim schwer. DLRG-Präsidentin Ute Vogt sagte: „Wir sehen immer wieder, dass gerade Männer ihre Fähigkeiten überschätzen und Risiken eingehen, die vermeidbar wären.“ Im Jahr 2025 waren vier von fünf Ertrunkenen laut DLRG männlich (82 Prozent).

Gletscherschwund in der Schweiz

Bereits am 29. Juni ist nach Berechnungen von Glaziologen der Gletscherschwundtag in der Schweiz erreicht. Das bedeutet, dass die Menge, die die Gletscher durch Neuschnee über den Winter gewonnen haben, unten weggetaut ist – ab jetzt geht es an die Substanz. Matthias Huss, Glaziologe an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist jetzt schon klar, dass die Gletscher wiederum massiv an Eis verlieren. Wie viel, das sehen wir erst nach Abschluss der Messungen.“ Nur im Jahr der Rekordschmelze 2022 lag der Gletscherschwundtag noch früher: am 26. Juni. Damals gingen schweizweit innerhalb eines Jahres sechs Prozent der Masse verloren.

Hitzeschutz: Bund verweist auf Länder

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verwies beim Hitzeschutz auf die Verantwortung der Länder und Kommunen. Der Bund habe ihnen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur zu Beginn dieser Legislatur 100 Milliarden Euro für die nächsten Jahre zur Verfügung gestellt. „Und ich finde, das ist ausreichend und auch auskömmlich, um das Ganze auch zu finanzieren und diese Aufgabe auch wahrzunehmen“, sagte Schneider im Deutschlandfunk. Gleichzeitig wolle der Bund weiter unterstützen: Er arbeite „gerade bei der Haushaltsaufstellung daran, dass wir auch in den nächsten Jahren das mitfinanzieren können“.

Waldbrände und Verkehrsbeeinträchtigungen

In Bayern brannten am Chiemsee Tausende Quadratmeter Wald und Moor. Die A8 wurde wegen Rauchs komplett gesperrt. Rund 200 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen auf 5,5 Hektar Fläche. Ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt. In Rheinland-Pfalz wurde das Dorf Traisen wegen eines Waldbrandes auf einem mit Kampfmitteln belasteten Gelände evakuiert. Das Feuer wütete auf rund 2,7 Hektar in einem steilen, schwer zugänglichen Waldgebiet. Die Landrätin des Kreises Bad Kreuznach, Bettina Dickes (CDU), sprach von einer ökologischen Katastrophe. Ein Funkturm und eine Starkstromtrasse seien bedroht.

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Zugverkehr und Straßenbahnen eingeschränkt

Die Deutsche Bahn riet gemeinsam mit dem Bundesverband Schienennachverkehr (BSN) von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. In Leipzig stellten die Verkehrsbetriebe den Straßenbahnverkehr wegen Hitzeschäden an Schienen und Weichen ein. Die hohen Temperaturen sorgten dafür, dass Fugenmasse für Asphalt und Beton in Weichen und Schienen lief und dort verklumpte. Ein sicherer Straßenbahnbetrieb sei derzeit nicht möglich. Auch der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen war stark beeinträchtigt. Das Bahnunternehmen National Express meldete Probleme unter anderem im Großraum Essen und am Knoten Düsseldorf Hauptbahnhof.

Hitzetote in Köln und Seniorenheim in Dormagen

In Köln mussten am Freitag sieben Personen aus Dachgeschosswohnungen von der Feuerwehr gerettet werden. Sie befanden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand mit Körpertemperaturen über 42 Grad. Feuerwehrsprecher Ulrich Laschet sagte: „Dabei handelte es sich nicht um ältere Menschen, sondern um Personen zwischen 40 und 60 Jahren.“ In Dormagen in Nordrhein-Westfalen wurden Bewohner eines Seniorenheims wegen gefährlicher Hitzeentwicklung aus dem Gebäude gebracht. In der Nacht starb ein Bewohner; ob die Hitze ursächlich war, stand noch nicht fest. In dem Heim mit rund 160 Seniorinnen und Senioren waren Temperaturen bis zu 35 Grad gemessen worden.

Politik fordert Hitzeschutzmaßnahmen

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte ein „Abkühl-Sofortprogramm“ für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband warf der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor. Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth sagte: „Bis heute ist de facto nichts passiert.“ Das Umweltbundesamt forderte Hitzeaktionspläne für Städte. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund rief die Bürger zum Wassersparen auf.