Graham Coxon: „Castle Park“ – Lässiger Britpop aus der Versenkung
Graham Coxon: „Castle Park“ – Britpop aus der Versenkung

Castle Park Graham Coxon: Lässiger Britpop, der fast vergessen wurde

Berlin. Der Blur-Gitarrist veröffentlicht mit „Castle Park“ ein Soloalbum mit erheblichem Hit-Faktor. Die Vorgeschichte der Songs ist kurios. Von Thorsten Keller, Redakteur

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Blur-Gitarrist Graham Coxon. © James Kelly | James Kelly

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Das Albumcover von „Castle Park“ ist einer altmodischen Ansichtskarte nachempfunden – vier quadratische Fotos, um eine stilisierte Pergamentrolle gruppiert. Die titelgebende Grünanlage hat sich Graham Coxon nicht ausgedacht, es gibt den Castle Park wirklich in seiner Heimatstadt Colchester in der Grafschaft Essex. Coxon, Jahrgang 1969, verbindet mit diesem Park angenehme Jugenderinnerungen aus den 1980er-Jahren: abends über den Zaun klettern, am Musikpavillon rumhängen und Quatsch machen, oder sich mit Mädchen verabreden und rumknutschen.

Graham Coxon ist einer der einflussreichsten Gitarristen seiner Generation

Coxon, der zu den Gründungsmitgliedern von Blur gehört und sich der Band 2009 nach einer Auszeit von sieben Jahren (und einem Alkoholentzug) wieder angeschlossen hat, ist einer der einflussreichsten Gitarristen seiner Generation. Seinen kreativen Output zu überblicken, fällt fast so schwer wie bei Blur-Sänger Damon Albarn, der seine Zeit und Energie derzeit komplett der Zweitband Gorillaz widmet (aktuelles Album „The Mountain“). Coxon brauchte ein Ventil, weil er mit seinen Songs bei Blur nur selten zum Zuge kam. Acht Soloalben brachte er zwischen 1998 und 2012 heraus. Dabei ist unterwegs einiges liegen geblieben. So entstanden im Winter 2011 bei den Aufnahmesessions zu „A & E“ insgesamt 20 Songs, von denen Coxon seinerzeit nur die verschrobenere Hälfte veröffentlichte. Feinschliff und Abmischung der restlichen Tracks wurden zugunsten einer Blur-Reunion verschoben.

Sixties-Flair: Graham Coxon liebt die Kinks, und das hört man auch

Die verschollenen Stücke auf „Castle Park“ sind hörbar inspiriert von den britischen Songwritern, die für den Jungen aus Colchester damals die Welt bedeuteten: Ray Davies (The Kinks) und Paul Weller. Viele davon, etwa „When You Find Out“ und die Single-Auskopplung „Billy Says“, hätten so auch auf einem der frühen Blur-Alben erscheinen können, es sind gut gealterte, sommerleichte Britpop-Preziosen mit erheblichem Hit-Faktor und Sixties-Flair. Nur die zwei letzten Songs fallen aus dem Rahmen. Die Instrumentalnummer „Melodie pour Christine“ erinnert daran, dass Coxon längst auch erfolgreiche Film- und Serien-Soundtracks schreibt. Das abschließende „All the Rage“ beschreibt der Musiker zutreffend als das „dunkelste Stück, das ich jemals aufgenommen habe“.

Auch Alben von Dylan und Prefab Sprout „verschwanden“ jahrelang

Dass es schon einmal länger dauern kann, bis so ein „lost album“ aus der Versenkung auftaucht, kennt man aus der Popgeschichte auch von Bob Dylan („Basement Tapes“, acht Jahre zwischen Aufnahme und Veröffentlichung) oder Prefab Sprout („Let’s Change The World With Music“, 17 Jahre). Bei „Castle Park“ liegt die Zeitspanne ungefähr dazwischen.

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Die Veröffentlichung ist nur der Auftakt zu einer großen Graham-Coxon-Werkschau: Im Laufe des kommenden Jahres werden alle anderen (längst vergriffenen) Soloalben nochmal neu auf Vinyl und CD aufgelegt. Den Anfang machen noch im Juni „The Sky is Too High“ und „The Golden D“. Neue Musik hat Graham Coxon ebenfalls in der Pipeline. Das Folkpop-Duo Weave (Coxon und seine Lebensgefährtin Rose Elinor Dougall) werkelt derzeit an seinem dritten Album.

„Castle Park“ erscheint am 18. Juni bei Transgressive Records. Das Cover mit der Postkarten-Idylle hat Coxon selbst gestaltet. © Transgressive Records | Transgressive Records

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