Tyra Banks verklagt Netflix wegen Verleumdung
Tyra Banks, die ehemalige Moderatorin von America's Next Top Model (ANTM), hat rechtliche Schritte gegen Netflix eingeleitet. Die 52-jährige US-Amerikanerin reichte am Samstag eine Verleumdungsklage gegen den Streamingdienst ein, wie das US-Magazin People und andere Medien berichten.
Hintergrund der Klage
Anlass ist eine Dokumentarserie über ANTM, die im Februar auf Netflix veröffentlicht wurde. Die Doku beleuchtet kritisch die Geschichte der Castingshow, Kontroversen um Inhalte und Arbeitsbedingungen am Set. Kritiker werfen der Sendung unter anderem Rassismus, Bodyshaming und Sexismus vor. Eine ehemalige Kandidatin äußerte in der Doku: „Diese Show war nicht dazu da, uns zu helfen. Sie war dazu da, um uns fertigzumachen.“ Banks war Produzentin von ANTM und moderierte die ersten 22 Staffeln seit 2003.
Vorwürfe der Rufschädigung
Banks wirft den Produzenten der Doku-Serie vor, aus einem rund dreieinhalbstündigen Interview mit ihr nur 16 Minuten verwendet zu haben. Das Material sei so zusammengeschnitten worden, dass es rufschädigend wirke. Ihre Aussagen seien „aus dem Zusammenhang gerissen“ worden. In der Klageschrift heißt es laut People, die Darstellung stütze ein „falsches und diffamierendes“ Narrativ, „das nichts mit dem zu tun hat, was sie tatsächlich geäußert hat“.
Ein weiterer Vorwurf: Ein wesentlicher Teil des Gesprächs, in dem Banks selbstkritisch aufgetreten sei und Verantwortung für den Umgang mit umstrittenen Vorfällen am Set übernommen habe, sei in der Doku nicht gezeigt worden. Banks fordert ein Geschworenenverfahren und Schadensersatz. Die genaue Höhe wird in der Klageschrift nicht genannt. Netflix und die beteiligten Produktionsfirmen haben sich bislang nicht zu der Klage geäußert.
Kern des Streits: Vorwürfe einer Kandidatin
Im Mittelpunkt steht der Fall der Kandidatin Shandi Sullivan. In einer Folge aus dem Jahr 2004 hatte Sullivan stark betrunken Sex mit einem Model-Statisten. Die Szene wurde gefilmt und als „Betrugsaffäre“ in Bezug auf Sullivans damaligen Freund inszeniert. Sullivan selbst bewertete das Geschehen später als sexuellen Übergriff. In Banks' Klageschrift heißt es, die Produzenten hätten durch Auslassen und manipulatives Schneiden ein falsches Narrativ konstruiert: Banks habe „wissentlich zugelassen, dass eine Kandidatin in ihrer Sendung sexuell missbraucht wurde“. Zudem lege die Doku nahe, dass sie das Trauma der Kandidatin für Einschaltquoten ausgenutzt habe und sich auf Nachfrage nicht mehr daran erinnern könne. Dieses Narrativ sei „eine reine Erfindung“. In der ungekürzten Interviewversion habe Banks auf die Frage zu Sullivan genickt und erklärt, sie erinnere sich.
Bereits vor Jahren hatte sich Banks selbstkritisch zu ANTM geäußert: „Wenn ich mir das heute ansehe, zucke ich zusammen.“



