Ministerium erklärt bestehendes Wal-Rettungskonzept als überholt
Seitdem der Buckelwal am Ende des Kirchsees vor der Insel Poel festsitzt, hat sich die Situation dramatisch zugespitzt. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern bewertet nun das ursprüngliche Rettungskonzept der privaten Hilfsinitiative als nicht mehr zeitgemäß. Die beteiligten Hilfskräfte der Initiative halten sich derzeit mit öffentlichen Stellungnahmen zurück, während die Behörden eine grundlegende Neuausrichtung der Rettungsbemühungen fordern.
Minister Backhaus stellt Rettungsplan in Frage
Bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend machte Umweltminister Till Backhaus (SPD) deutlich, dass die bisher geplante Methode – das Anheben des Wales mit Luftkissen und der Transport mittels Pontons und einer Plane – nicht mehr in Betracht komme. „Wir müssen das Konzept grundlegend überarbeiten“, betonte der Minister nachdrücklich. Die private Hilfsinitiative, die vor etwa einer Woche noch die Zustimmung des Ministeriums für ihren Rettungsplan erhalten hatte, trat nicht wie angekündigt vor die Presse.
Backhaus erklärte, die Initiative arbeite unter Hochdruck an einer Überarbeitung ihres Plans. Alle weiteren Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden. Im Zweifelsfall behalte sich das Land ein Vetorecht vor, um das Wohl des Tieres zu schützen.
Experten empfehlen palliative Versorgung
Die Internationale Walfangkommission (IWC) hat ihre Einschätzung zur Situation des gestrandeten Meeressäugers abgegeben. Die Expertinnen und Experten raten zu einer möglichst ruhigen und palliativen Versorgung des Wales. Minister Backhaus sieht sich durch diese Empfehlung bestätigt. „Diese Einschätzung deckt sich vollständig mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war“, erklärte er.
Bereits Anfang April kam ein wissenschaftliches Gutachten zu dem Schluss, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, vorerst auf weitere aktive Eingriffe zu verzichten und stattdessen auf behutsamere Methoden zu setzen.
Dynamische Entwicklung der Strandungssituation
Nach drei Wochen an derselben Stelle zeigte der Wal am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich Bewegung. Von Booten aus versuchten Helfer, ihn in Richtung Ostsee zu treiben. Nach etwa zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier jedoch am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser in Richtung Ostsee führt.
Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier befestigt, um seinen Weg verfolgen zu können, falls es sich überraschend doch noch befreien und losschwimmen sollte. Minister Backhaus gab bekannt, dass der Wal mittlerweile fünf- bis sechsmal gestrandet sei, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige.
Aktuelle Rettungsbemühungen und Tierzustand
Die aktuellen Rettungsbemühungen konzentrieren sich laut Angaben der Initiative darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Bereits am Dienstag hatten Helfer mit Saug- und Spültechnik den Untergrund bearbeitet. Der Wal liegt nun in einer Mulde im Wasser, um möglichst wenig Eigengewicht auf ihm und seinen Organen lasten zu lassen. Zum Schutz vor der Sonneneinstrahlung wurde sein Rücken mit nassen Tüchern bedeckt.
Die Fütterungsversuche blieben bisher erfolglos – zweieinhalb Kilogramm Fisch, die dem Wal am Dienstag angeboten wurden, fraß er nicht. Dies unterstreicht die kritische Situation des Meeressäugers.
Rechtliche Grundlagen und politische Konsequenzen
Minister Backhaus stellte auf Poel klar: „Wer nichts macht, macht auch keine Fehler.“ Dennoch sei Tatenlosigkeit keine Option. „Wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug.“ Der Umgang mit dem Tier wurde in den vergangenen Wochen von verschiedenen Seiten kritisiert, auch Backhaus selbst sah sich Vorwürfen ausgesetzt.
Zur Vorgehensweise der Privatinitiative erklärte der Minister: „Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung – sondern eine rechtlich gebotene Duldung.“ Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es allen erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Maßstab für das staatliche Handeln sei ausschließlich das Tierwohl. Das Land begleite die Maßnahmen engmaschig, Veterinärinnen und Veterinäre seien rund um die Uhr vor Ort.
Backhaus kündigte an, die Ereignisse politisch aufzuarbeiten. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten können. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für bessere gemeinsame Strukturen im Umgang mit Großwalen einsetzen.“ Diese Ankündigung markiert einen wichtigen Schritt zur Verbesserung des Wal-Managements in deutschen Küstengewässern.



