Storch Gustav wählt Strommast als Brutstätte und ignoriert Nisthilfen
Im beschaulichen Kamenzer Ortsteil Döbra im Landkreis Bautzen sorgt ein besonders eigenwilliger Storch namens Gustav derzeit für Aufsehen und stellt den Energieversorger Sachsen Energie vor eine knifflige Herausforderung. Das Tier hat sich entschieden, einen Niederspannungsmast, an dem mehrere Freileitungen verlaufen, als idealen Ort für die Familiengründung zu nutzen. Diese ungewöhnliche Wahl bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen, während Anwohner die Situation mit Freude und Belustigung verfolgen.
Energieversorger und Naturschützer ergreifen Maßnahmen
Um sowohl die Störche als auch die Stromleitungen zu schützen, haben der Energieversorger und Experten der Naturschutzbehörde das Nest auf eine spezielle Nisthilfe umgesetzt. Diese Konstruktion, die einem Mast mit kronenartiger Spitze ähnelt, wurde jedoch von Gustav kurzerhand verschmäht. Stattdessen suchte sich der renitente Storch umgehend den nächsten Strommast aus, um dort sein Brutgeschäft fortzusetzen. Mittlerweile hat Gustav sogar eine Partnerin gefunden, sodass der Familiengründung scheinbar nichts mehr im Wege steht.
Gefahren durch Storchenhorste auf Strommasten
Laut Nora Weinhold, Sprecherin von Sachsen Energie, kann der Nistplatz auf dem Strommast unter bestimmten Umständen gefährlich werden. Der Vogelkot hat das Potenzial, die Isolierung der Leitungen anzugreifen, was zu Störungen und Ausfällen im Stromnetz führen kann. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Tiere verletzen oder dass Nester in Brand geraten. Aufgrund dieser Risiken hat der Energieversorger im Kreis Bautzen in der aktuellen Brutsaison bereits drei weitere Masten mit Nisthilfen errichtet, ein weiterer ist in Planung.
Häufigkeit und Herausforderungen solcher Fälle
Storchenhorste auf Strommasten sind kein Einzelfall. Allein im Kreis Bautzen gibt es derzeit 22 solcher Nistplätze auf Strommasten, wie der Energieversorger auf Anfrage mitteilt. In jedem Einzelfall wird individuell entschieden, ob die Tiere gefahrlos auf den Anlagen bleiben können. Sollte es an Gustavs auserwähltem Brutplatz zu Störungen kommen, müssten zunächst Experten der Naturschutzbehörde Nest und Tiere umsiedeln, bevor der Energieversorger reagieren kann.
Expertenmeinung zum Verhalten der Störche
Der ehrenamtliche NABU-Ornithologe Rolf Schulze erklärt, dass Störche oftmals einen eigenen Kopf haben und angebotene Nisthilfen nicht immer annehmen. Aus seiner Region nördlich von Leipzig sind ihm bislang keine Beispiele bekannt, bei denen brütende Störche direkt durch Strommasten zu Schaden gekommen sind. Haben die Tiere einmal einen geeigneten Brutplatz gefunden, kehren sie in der Regel Jahr für Jahr dorthin zurück. Die Brutzeit der Störche erstreckt sich nach seinen Angaben bis in den August, wenn die Jungtiere den Horst verlassen.
Die Situation in Döbra zeigt eindrucksvoll, wie sich Wildtiere an urbane Infrastrukturen anpassen und dabei sowohl Freude als auch Herausforderungen für Mensch und Technik mit sich bringen. Der Energieversorger Sachsen Energie betont, dass Gustav und seine Partnerin nun, da sie bereits brüten, nicht mehr gestört werden dürfen und an ihrem aktuellen Platz bleiben sollen.



