Die kapverdische Nationalmannschaft hat bei ihrer ersten WM-Teilnahme für eine der größten Sensationen der Turniergeschichte gesorgt. Durch ein 0:0-Unentschieden gegen Saudi-Arabien und den zeitgleichen Sieg Spaniens gegen Uruguay zog der Außenseiter aus dem Inselstaat überraschend in die K.-o.-Runde ein. Nun wartet im Sechzehntelfinale Titelverteidiger Argentinien um Superstar Lionel Messi.
„Ein Traum wird wahr“ – Emotionale Szenen nach dem Abpfiff
Nach dem Schlusspfiff in Houston versammelten sich die Spieler um ein Handy, um die Schlusssekunden des Parallelspiels zwischen Spanien und Uruguay zu verfolgen. Als der Einzug feststand, brachen alle in Jubel aus. „Für mich wird ein Traum wahr“, sagte Mittelfeldspieler Deroy Duarte. „Ich war kurz davor, zu weinen.“ Die Freude war grenzenlos: Die Spieler feierten ausgelassener als mancher deutscher Meisterverein.
Der 40-jährige Torwart Vozinha, dessen Mutter Ana Cândida Évora auf der Tribüne mitfieberte, betonte die Bedeutung des Erfolgs: „Es bedeutet uns sehr viel, denn wir wissen, dass wir aus einem kleinen Land kommen. Aber wir wussten auch, dass wir hierherkommen würden, um konkurrenzfähig zu sein.“ Keiner der Spieler ist bei einem wirklich großen Club angestellt, viele haben zusätzliche Staatsbürgerschaften wie die niederländische oder französische.
Vom Kritikerbeispiel zum WM-Held
Vor wenigen Wochen noch galt Kap Verde als Paradebeispiel für Kritiker der Aufstockung des WM-Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Mannschaften. Der Inselstaat hat nur so viele Einwohner wie eine mittelgroße deutsche Stadt. Doch nach einem 0:0 gegen Titelfavorit Spanien, einem 2:2 gegen Uruguay und dem torlosen Remis gegen Saudi-Arabien ist der Einzug ins Sechzehntelfinale mehr als verdient.
„Wir sind unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen. Unsere Großeltern und unsere Eltern haben große Opfer gebracht“, sagte Vozinha. „Ich glaube, wir haben die Widerstandskraft der Menschen von Kap Verde gezeigt. Wir haben gezeigt, mit welcher Leidenschaft wir unser Land vertreten.“
Prominente Anerkennung und Vorfreude auf Argentinien
Die Sensation blieb auch international nicht unbemerkt. Der schwedische Ex-Starspieler Zlatan Ibrahimović kommentierte: „Kleine Insel, große Träume.“ Frankreichs ehemaliger Weltmeister Thierry Henry zeigte sich beim Sender Fox begeistert: „Ich habe Gänsehaut. Das ist die WM, du musst große Träume haben. Das ist die Story des Turniers bislang.“
Trotz der bevorstehenden Aufgabe gegen Argentinien und Lionel Messi zeigen sich die Kapverdier selbstbewusst. „Wir werden den Moment genießen und feiern“, sagte Duarte. „Natürlich wird das ein besonderes Spiel und ein besonderer Moment. Aber der Ball ist rund. Man hat gesehen, dass wir gegen das große Uruguay ein Unentschieden geholt haben. Warum also nicht?“
Trainer Pedro Leitão Brito, genannt Bubista, verwies auf die enge Verbindung seines Landes zu Argentinien: „Viele Kapverdier sind nach Argentinien ausgewandert. Messi sei für viele der Beste aller Zeiten. Gegen Argentinien und Messi zu diesem Zeitpunkt eines solchen Turniers zu spielen, ist großartig.“ Torwart Vozinha ergänzte kämpferisch: „Wir mögen klein sein, aber wir haben ein großes Herz – und wir sind Kämpfer.“



