Polizeigewerkschaft rechnet nach Dresdner Fan-Chaos mit Hertha und Vereinen ab
Nach den massiven Ausschreitungen beim Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC am 8. April 2026 entbrennt eine scharfe Debatte über Sicherheit und Kosten im deutschen Fußball. Die Polizeigewerkschaft DPolG übt scharfe Kritik an den Vereinen und fordert drastische Konsequenzen.
„Skandal“: Polizei-Vize kritisiert Sicherheitsversagen der Vereine
Heiko Teggatz, Vize-Chef der Bundespolizeigewerkschaft (DPolG), bezeichnet die Vorfälle im Dresdner Harbig-Stadion als „Skandal“. „Es ist ein Skandal, dass die Sicherheitsdienste der Vereine so etwas nicht verhindern!“, erklärt Teggatz deutlich. Die Szenen im Stadion erinnerten an bürgerkriegsähnliche Zustände: Anhänger beider Mannschaften zündeten massenhaft Pyrotechnik, überwanden Absperrungen und lieferten sich im Innenraum regelrechte Gefechte – teilweise sogar mit Feuerwerkskörpern.
Massiver Polizeieinsatz: 750 Beamte müssen Chaos unter Kontrolle bringen
Die Situation geriet völlig außer Kontrolle, sodass rund 750 Polizisten eingreifen mussten, um die Ausschreitungen zu beenden. Der Großeinsatz wirft nun die brisante Frage auf: Wer trägt die Kosten für solche Polizeieinsätze? Für Teggatz ist die Antwort eindeutig: „Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler für Fußballchaoten zahlen muss!“
Forderung nach Geisterspielen bei Sicherheitsversagen
Die Polizeigewerkschaft fordert eine grundlegende Änderung der Sicherheitsverantwortung. Teggatz argumentiert: „Fußball ist eine private Veranstaltung, und diejenigen, die diese durchführen, verdienen damit Millionen, um nicht zu sagen Milliarden. Der Steuerzahler stellt sozusagen den Polizeieinsatz zur Verfügung.“ Im Vergleich müssten Veranstalter bei Handball, Eishockey oder Volksfesten selbst für Sicherheit sorgen.
Die konkrete Forderung lautet: Wenn Vereine die Sicherheit nicht gewährleisten können, sollen Spiele künftig ohne Zuschauer stattfinden. „Wenn ein Verein dazu nicht in der Lage ist, dürfen solche Spiele nicht mehr vor Publikum ausgetragen werden“, so Teggatz.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Während die politische Debatte hochkocht, läuft die strafrechtliche Aufarbeitung bereits auf Hochtouren. Die Polizei hat eine Sonderkommission mit dem Namen „Fahne“ eingerichtet, die folgende Straftaten untersucht:
- Schwerer Landfriedensbruch
- Körperverletzung
- Sachbeschädigung
- Beleidigung
Die Ermittler werten derzeit mehr als 330 Gigabyte Videomaterial aus, um die Täter der Ausschreitungen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Die Bilder zeigen das gesamte Ausmaß der Gewalt und Zerstörung im Harbig-Stadion.
Folgen für den deutschen Fußball
Die Vorfälle in Dresden werfen grundsätzliche Fragen zur Sicherheitsarchitektur im deutschen Profifußball auf. Während die Vereine mit Millionenumsätzen operieren, bleibt die Frage der Kostenübernahme für Polizeieinsätze ungeklärt. Die Forderung nach Geisterspielen als ultimative Sanktion könnte zukünftig Vereine dazu zwingen, deutlich mehr in eigene Sicherheitskonzepte zu investieren.
Die Diskussion um das Verhältnis zwischen kommerziellem Profisport und staatlicher Sicherheitsgewährleistung wird durch die Ereignisse in Dresden neu entfacht. Experten befürchten, dass ähnliche Vorfälle in Zukunft noch häufiger auftreten könnten, wenn nicht grundlegende Änderungen vorgenommen werden.



