Prozess um Mordversuch per Auto: Angeklagter fragte bei Rettung: „Ist sie tot?“
Mordversuch per Auto: Angeklagter fragte bei Rettung „Ist sie tot?“

Prozess um Mordversuch per Auto: Angeklagter soll bei Rettung gefragt haben: „Ist sie tot?“

Ein mutmaßlicher Mordversuch mit einem Auto beschäftigt derzeit das Landgericht Neubrandenburg. Der 28-jährige Angeklagte, der aus dem Kosovo stammt, soll am 23. Januar 2025 in Waren absichtlich frontal in den Wagen seiner Ex-Freundin gefahren sein. Nun könnten seine eigenen Worte während der Rettungsarbeiten eine entscheidende Rolle im Prozess spielen.

Zeugen schildern verstörende Fragen des Angeklagten

Mehrere Zeugen haben vor Gericht ausgesagt, dass der Angeklagte während seiner Bergung aus dem Autowrack immer wieder dieselbe Frage gestellt habe. Ein Rettungssanitäter berichtete: „Die Frage wiederholte sich, es war wie eine Schallplatte, die man abspielt.“ Der Angeklagte habe gefragt: „Ist sie tot?“ und damit den anderen Wagen gemeint, in den er hineingefahren war.

Ein Feuerwehrmann, der bei der Bergung half, bestätigte ähnliche Aussagen. Der 28-Jährige habe noch beim Herausholen aus dem Autowrack gefragt: „Habe ich sie getötet?“ Weder die DRK-Helfer noch die Feuerwehrleute wussten zu diesem Zeitpunkt, wer sich in dem anderen Unfallauto befand. Sie antworteten daher nicht auf die Fragen des Verletzten.

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Vorgeschichte der Tat: Bedrohungen und Gewalt

Laut Anklage soll der Angeklagte der Ex-Freund der 44-jährigen Pflegekraft gewesen sein. Angehörige berichteten, dass sich die Frau aus einem Dorf bei Waren bereits vor längerer Zeit von ihm getrennt habe. Daraufhin soll der 28-Jährige die Frau und ihre Angehörige über Monate massiv bedroht haben.

Eine ehemalige Kollegin der Geschädigten schilderte vor Gericht einen Vorfall aus dem August 2022. Der Angeklagte sei wütend an der Pflegeeinrichtung in Waren aufgetaucht, wo die Frau arbeitete. Er habe sie am Kragen gepackt und gedroht, „ihr in die Fresse zu hauen.“ Die Kollegin alarmierte die Polizei, woraufhin der Mann verschwand. „Meine sonst immer fröhliche Kollegin war danach aber deutlich verändert, vor allem viel ängstlicher“, sagte die Zeugin.

Zudem soll der Angeklagte an dem Auto der 44-Jährigen Reifen zerstochen und eine Scheibe eingeschlagen haben. Diese Vorfälle zeigen eine Eskalation der Gewalt, die schließlich in dem mutmaßlichen Mordversuch gipfelte.

Folgen des Unfalls und aktueller Prozessverlauf

Die 44-jährige Unfallgeschädigte befindet sich seit dem schweren Unfall im Wachkoma und muss intensiv gepflegt werden. Sie wird im Prozess von einem Nebenklageanwalt vertreten. Der Angeklagte hat auf Anraten seiner Anwälte bisher zu den Vorwürfen geschwiegen.

In den kommenden Verhandlungstagen werden verschiedene Gutachter gehört, darunter eine rechtsmedizinische Expertin, ein Verkehrsgutachter, eine Psychologin und eine Psychiaterin, die zur Schuldfähigkeit des Angeklagten Stellung nehmen soll. Dem 28-Jährigen droht eine längere Haftstrafe. Das Urteil will die Kammer nach jetziger Planung am 6. Mai verkünden.

Der Prozess am Landgericht Neubrandenburg wirft ein Schlaglicht auf die Tragweite von Beziehungskonflikten und die möglichen fatalen Folgen von Bedrohungen und Gewalt. Die Aussagen der Rettungskräfte über die wiederholten Fragen des Angeklagten könnten für die Beweisführung von zentraler Bedeutung sein.

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