Nagelsmanns erster WM-Kader: Bayern-Siegertypen als tragende Säule
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat auf dem Frankfurter DFB-Campus mit voller Überzeugung sein erstes Aufgebot für das entscheidende WM-Jahr präsentiert. Das 26-Mann-Kader stellt ein deutliches Statement dar und offenbart unerwartete Gewinner sowie einige Verlierer im Rennen um die Tickets für die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer.
Bayern-Block als zentrale Kraft
„Sie verkörpern diese Gier, unbedingt gewinnen zu wollen, deshalb setzen wir gerne auf diesen Block“, betonte Nagelsmann bei der Vorstellung seines Teams. Die Triple-Jäger des FC Bayern München sollen beim XXL-Event in Nordamerika gemeinsam mit einer starken England-Fraktion um Florian Wirtz, Nick Woltemade und Rückkehrer Kai Havertz die Turnier-Lokomotive bilden. „Es ist ein Kern, der die WM spielen wird und es sind ein paar neue Kräfte“, beschrieb der Bundestrainer seine Auswahlstrategie.
Neue Gesichter und überraschende Comebacks
Torwart Jonas Urbig (22) und das Offensivtalent Lennart Karl (18) erweitern als Neulinge den imposanten Bayern-Block um Kapitän Joshua Kimmich auf sieben Akteure. Sie werden bei den ersten Länderspielen des Jahres am 27. März in Basel gegen die Schweiz und drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana ihr Debüt geben können.
Neben dem endlich wieder fitten Angreifer Kai Havertz und dem zuletzt verletzt fehlenden Abwehr-Routinier Antonio Rüdiger gibt es vier weitere, teilweise erstaunliche Rückkehrer. Ein besonders verdientes DFB-Comeback feiert der Stuttgarter Deniz Undav, der mit 16 Toren bester deutscher Torschütze in der Bundesliga hinter Bayern-Star Harry Kane ist. „Er hat eine super Quote. Stürmer mit der Quote kann man nicht zu Hause lassen“, begründete Nagelsmann die Nominierung.
Plötzlich wieder im WM-Zug sitzen auch der in England für Brighton spielende Ex-Dortmunder Pascal Groß sowie der ehemalige Mainzer Anton Stach von Leeds United. Rechtsverteidiger Josha Vagnoman hat sich mit starken Leistungen für den VfB Stuttgart als Option hinter Kapitän Kimmich empfohlen.
Sorgenkind Musiala und personelle Konsequenzen
Bayerns Offensiv-Juwel Jamal Musiala bereitet dem Bundestrainer knapp drei Monate vor dem ersten WM-Gruppenspiel am 14. Juni gegen Außenseiter Curaçao erhebliche Sorgen. Der 23-Jährige fasst nach seiner schweren Beinverletzung bei der Club-WM 2025 weiterhin nicht richtig Fuß. „Es ist für uns und die Bayern ärgerlich“, räumte Nagelsmann ein. Musialas im Sommer operierter linker Fuß hat auf die zuletzt gesteigerte Spielbelastung eine Schmerzreaktion gezeigt.
Sportvorstand Max Eberl berichtete nach dem Münchner 4:1 gegen Atalanta Bergamo in der Champions League: „Jamal hat jetzt eine Woche Reha hinter sich. Er ist verletzt.“ Nagelsmann kann aktuell nur die Daumen drücken und muss warten, bis er den Youngster wieder im Kreis der Nationalmannschaft begrüßen kann.
Klare Kante bei Personalentscheidungen
Der Bundestrainer zeigte bei der Zusammenstellung der WM-Anwärter klare Kante und nimmt Kopfschütteln über einige Personalentscheidungen bewusst in Kauf. Aufs WM-Abstellgleis hat er möglicherweise bereits endgültig die Stuttgarter Angelo Stiller und Maximilian Mittelstädt geschoben. Auch der Leverkusener Robert Andrich, Mittelstürmer Niclas Füllkrug vom AC Mailand sowie die Dortmunder Karim Adeyemi und Maximilian Beier sind auf die Streichliste geraten.
Im Gegensatz dazu nutzte Leroy Sané seine Chance beim furiosen 6:0 gegen die Slowakei im vergangenen November entschlossen. Kölns Jungstar Said El Mala ist zunächst ebenfalls nicht berücksichtigt, was sich aber bis zur endgültigen WM-Kadernominierung Mitte Mai noch ändern könnte.
Neue Dynamik im Torwart-Team
Ins Torwart-Team kommt mit der Berufung von Jonas Urbig eine neue Dynamik hinter dem Hoffenheimer Oliver Baumann. Dieser ist nach dem erneuten Ausfall von Pechvogel Marc-André ter Stegen die klare Nummer eins und soll bei der WM im Kasten stehen. „Er hat eine große Perspektive, wenn alles weiter so läuft im deutschen Fußball“, sagte Nagelsmann über Urbig. Der Stuttgarter Alexander Nübel komplettiert das Torwart-Trio.
Youngster Urbig verkörpert die Zukunft als designierter Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern und potenzieller Nummer-1-Anwärter in der DFB-Elf. Vorerst bleibt er jedoch der Lehrling. „Wir wollen ihn jetzt mal sehen“, erklärte der Bundestrainer die Nominierung des talentierten Torhüters.
Insgesamt hat Nagelsmann 26 Tickets für die WM-Endrunde vom 11. Juni bis 19. Juli in Kanada, Mexiko und den USA zu vergeben. Die kommenden Länderspiele werden wichtige Weichenstellungen für die endgültige Kaderzusammensetzung darstellen.



