Arbeitgeberpräsident Dulger: Stimmung in der Wirtschaft schlechter als zu Ampel-Zeiten
Die Bilanz nach einem Jahr Kanzlerschaft von Friedrich Merz (70, CDU) ist ernüchternd: 70 Prozent der Deutschen sind unzufrieden mit seiner Arbeit. 73 Prozent bewerten die schwarz-rote Koalition in einer INSA-Umfrage für BILD negativ. Besonders dramatisch ist die Lage in der Wirtschaft – die Stimmung ist sogar noch schlechter als während der unpopulären Ampel-Koalition unter Olaf Scholz (67, SPD).
Enttäuschung bei Arbeitgebern wächst
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger (62) äußerte sich in der „Augsburger Allgemeinen“ besorgt: „Unter Arbeitgebern habe ich schon lange nicht mehr so viel Enttäuschung über die Arbeit einer Bundesregierung erlebt. Diese Enttäuschung ist tief und sie wächst weiter.“ Viele Unternehmer hätten nach dem Ende der Ampel-Koalition auf Reformen durch Schwarz-Rot gehofft, seien aber enttäuscht worden. Dulger erinnerte an Versprechungen: „Die Bundesregierung hat uns einen Herbst der Reformen versprochen. Dann dachten wir, es kommt ein Frühling der Reformen. Und jetzt habe ich Zweifel daran, ob es einen Sommer der Reformen gibt.“
Wirtschaftliche Lage: Fünf vor zwölf
Dulger schlägt Alarm: „Wir können uns kein weiteres Jahr des Abwartens leisten. Es wäre wirtschaftspolitisch ein Albtraum, wenn wir uns so lange gedulden müssten.“ Für die Wirtschaft sei es bereits fünf nach zwölf. Er warnt vor einer Abwanderung von Unternehmen ins Ausland. Viele Firmen seien bereit, in Deutschland zu investieren, scheiterten jedoch an den Rahmenbedingungen. „In Tschechien, Rumänien, Polen und Ungarn sind die Standortbedingungen oft viel besser für sie“, so Dulger.
Ursachen: Hohe Abgaben, Bürokratie, Energiepreise
Hohe Sozialabgaben und Krankenstände, massive Bürokratie und teure Energie verhinderten rentable Produktion in Deutschland. Dulger fordert mehr Arbeit: „Es würde diesem Land guttun, wenn wir alle wieder mehr arbeiten – mit mehr Flexibilität für Betriebe und Beschäftigte.“ Zudem müsse das Renteneintrittsalter angehoben werden, und Anreize zur Frühverrentung müssten abgeschafft werden: „Da wir länger leben, müssen wir auch länger arbeiten.“



