Bundestrainer Julian Nagelsmann hat nach der 1:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador im letzten WM-Gruppenspiel deutliche Kritik an der Spielweise seiner Mannschaft geübt. „Wir hatten einen super Start ins Spiel und müssen, wenn wir so früh führen, mit viel mehr Überzeugung das Ding zu Ende spielen“, sagte Nagelsmann bei MagentaTV. „Leider haben wir direkt nach dem Tor angefangen, Harakiri in der Positionierung zu machen. Dann wurde es schwer.“
Nagelsmann: „Zu viel Freestyle“ nach früher Führung
Bereits in der zweiten Minute hatte Leroy Sané die DFB-Elf in Führung gebracht, doch die Freude währte nicht lange. Ecuador drehte das Spiel und gewann verdient mit 2:1. Nagelsmann bemängelte vor allem die mangelnde Souveränität nach dem Führungstreffer. „Das war ärgerlich, dass wir da den Gegner wieder reinholen“, sagte der Bundestrainer in der ARD. „Wir haben sie leider selber wieder ins Spiel zurückgeholt.“ Nach der frühen Führung habe es auf deutscher Seite „bisschen zu viel Freestyle gegeben“. Er habe einige Erkenntnisse gewonnen, die man aber „intern besprechen“ müsse.
Die Robustheit der Ecuadorianer setzte der Nationalelf sichtlich zu. „Für den Gegner ging es um alles, die haben eine gute Körperlichkeit reingebracht“, lobte der 38-Jährige. Deutschland war bereits vor dem Spiel als Gruppensieger qualifiziert, während Ecuador um den Einzug in die K.o.-Runde kämpfte.
Sanés Tor umstritten: Ittrich und Wagner sehen Foul
Das frühe 1:0 durch Leroy Sané hätte nach Ansicht von Experten nicht zählen dürfen. Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich kritisierte bei MagentaTV eine Foulszene von Aleksandar Pavlovic unmittelbar vor dem Treffer. „Vor der Torerzielung ein klares Foulspiel, da lege ich mich fest“, sagte Ittrich. „Ein klarer Fußtreffer oben zu sehen.“ Schiedsrichterin Tori Penso aus den USA gab den Treffer trotzdem, auch der Video-Assistent griff nicht ein.
Lutz Wagner, ebenfalls ehemaliger Bundesliga-Referee und heute DFB-Schiedsrichter-Lehrwart, äußerte sich als ARD-Experte ähnlich: „Das ist aus meiner Sicht eine sehr mutige Entscheidung. Das wundert mich jetzt sehr, dass da auch kein Einspruch vom VAR kam. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn dieses Tor zurückgenommen wird.“
Undav bleibt Joker: Nagelsmann rotiert minimal
Julian Nagelsmann veränderte seine Startelf im Vergleich zu den vorherigen Spielen nur auf zwei Positionen. Antonio Rüdiger ersetzte den verletzten Nico Schlotterbeck im Abwehrzentrum, David Raum kam für Nathaniel Brown auf der linken Außenverteidigerposition. Deniz Undav, mit drei Treffern bester deutscher Torschütze im Turnier, blieb erneut nur Einwechselspieler. „Wir werden die Wechsel vornehmen, die wir müssen“, hatte Nagelsmann angekündigt, ansonsten aber die Stammformation weiter einspielen wollen für die K.o.-Phase.
Elfenbeinküste schreibt Geschichte: Erstmals in K.o.-Runde
Die Elfenbeinküste hat bei dieser WM Geschichte geschrieben: Der Afrikameister von 2024 erreichte durch einen 2:0-Sieg gegen Außenseiter Curaçao erstmals die K.o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft. Für Curaçao, trainiert vom 78-jährigen Niederländer Dick Advocaat, endet die märchenhafte Reise nach der Gruppenphase auf Platz vier. Advocaat hatte zuletzt seine Zukunft offengelassen.
Das DFB-Team trifft im Sechzehntelfinale am Montag (22.30 Uhr MESZ) in Foxborough bei Boston auf einen der acht besten Gruppendritten. Mögliche Gegner sind unter anderem Schottland, Australien, Paraguay oder Bosnien-Herzegowina.



