Berlin - Hertha BSC lädt am Sonntag zur Mitgliederversammlung in den CityCube der Messe Berlin. Die Veranstaltung steht im Zeichen der Aufsichtsratswahlen, die nach einer Satzungsänderung anders durchgeführt werden. Weitere Themen mit Zündstoff sind das verfehlte Saisonziel, die Ausschreitungen in Dresden und ein viel beachtetes Interview von Geschäftsführer Peter Görlich.
Wahl des Aufsichtsrats
Amtsinhaber Torsten-Jörn Klein sowie seine zwei Herausforderer Andreas Kurth und Tim Kauermann kämpfen um den Vorsitz. Nach einer Satzungsänderung im Vorjahr dürfen erstmals die Mitglieder entscheiden, wer das Gremium anführt. Bislang lag diese Entscheidung beim Aufsichtsrat selbst. „Ich würde nicht für den Vorsitz antreten, wenn ich die Arbeit als ausreichend empfunden hätte“, sagte Kauermann dem „Kicker“ und kritisierte eine Fehlentwicklung im Verein. Die Wahlen finden ausschließlich vor Ort statt und werden erstmals mit einem digitalen Abstimmungstool durchgeführt.
Krawalle in Dresden
Knapp drei Wochen nach den Krawallen beim Spiel von Dynamo Dresden ist die Aufarbeitung noch im Gange. Am 4. April kletterten Fans beider Lager über Zäune und griffen sich im Innenraum mit Pyrotechnik an, bevor die Polizei eingriff. Görlich stellte Stadionverbote und Vereinsausschlüsse für Berliner Anhänger in Aussicht. Ob es eine Spaltung zwischen organisierter Fanszene und übrigen Hertha-Fans gibt, bleibt offen, dürfte aber auf der Mitgliederversammlung zur Sprache kommen.
Sportliche Entwicklung
Görlichs Interview in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte für Aufsehen gesorgt, aber an einigen Stellen nur vage angedeutet, was auf den Zweitligisten zukommen könnte. Auf seiner zweiten Mitgliederversammlung am Sonntag muss der 59-Jährige Antworten liefern. Unklar ist, wie genau die „größte Transformation im Fußball“ aussehen soll. Sicher ist: Sie trifft auch die Mannschaft. Nach dem verpassten Aufstieg werden Leistungsträger gehen – teils aus finanziellen Gründen gezwungen. Gerüchte um Führungsspieler wie Fabian Reese, Keeper Tjark Ernst oder Linus Gechter gibt es fast wöchentlich. Auch Jungstar Kennet Eichhorn ist gefühlt im Fokus von ganz Europa. „Wir werden die Kadergröße reduzieren und die Ausgabenstruktur anpassen. Wir wissen, dass wir einen der teuersten Kader der Liga haben und uns die Kaderstrukturen eigentlich nicht leisten können in der Phase der Konsolidierung“, erklärte Görlich. Umso überraschender war es, dass Görlich im Zuge dieser Transformation früh Klarheit auf der Trainer- und Sportdirektorenposition schuf und Stefan Leitl und Benjamin Weber eine Jobgarantie für die kommende Saison gab. Angesichts des ernüchternden Saisonverlaufs wurde zuletzt über beide Personalien viel spekuliert. Leitl hatte Hertha im Februar 2025 im Abstiegskampf übernommen, stabilisiert und zum Aufstiegskandidaten geformt – dennoch spielte das Team nie ganz oben mit. Weber musste sich Kritik für Fehltransfers gefallen lassen; mit der Verpflichtung von Kaderplaner Bastian Huber im Februar schien sein Aus ganz nah.
Finanzen
Es gibt keine Mitgliederversammlung bei Hertha BSC, in der die Finanzen nicht im Fokus stehen. Einerseits hatte man verkündet, im zweiten Halbjahr 2025 erstmals seit langer Zeit einen Gewinn von 385.000 Euro verzeichnet zu haben. Andererseits drohte Medienberichten zufolge im zurückliegenden Lizenzierungsverfahren erneut Ärger, weil sich das Eigenkapital innerhalb eines Jahres zunächst nicht um fünf Prozent verbessert haben soll. Offenbar wurde aber eine Lösung gefunden. Vor einigen Tagen erteilte die DFL dem klammen Hauptstadt-Club die Lizenz. Finanz-Boss Ralf Huschen wird sich trotzdem zum Eigenkapital und zu Investor A-CAP äußern müssen.



