Ostsee-Wal: Backhaus wird emotional und attackiert Wissenschaftler
Ostsee-Wal: Backhaus attackiert Wissenschaftler

Das Drama um den in der Ostsee umherirrenden Buckelwal vor der Insel Poel nimmt kein Ende. Am Freitag eskalierte die Situation, als Umweltminister Till Backhaus (SPD) nach einem persönlichen Kontakt mit dem Tier emotional wurde und plötzlich Wissenschaftler angriff.

Minister ganz nah am Wal

Am Freitagvormittag ließ sich Backhaus in einem gelben Trockenanzug mit einem Boot der DLRG zum Wal bringen und stieg in die rund sieben Grad kalte Ostsee. Er wollte den Zustand des etwa zwölf Meter langen und zwölf Tonnen schweren Tieres aus nächster Nähe begutachten. Später gab er ein Statement ab, in dem er die Kritik an den Rettungsbemühungen scharf zurückwies.

Backhaus verteidigt Rettungsaktion

„Wer nichts macht, macht auch keine Fehler“, sagte Backhaus auf einer Pressekonferenz. Er analysiere sich täglich, aber man könne gemeinsam sagen: „Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug.“ Der Minister betonte, dass der Wal trotz seines kritischen Zustands noch schwimmfähig sei und kämpfen wolle. Er könne sich vorstellen, auf Poel ein Bronzedenkmal für den Wal als Mahnung zu errichten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Streit um Rettungskonzept

Hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Die private Initiative, die die Rettung finanziert, hat ein neues Konzept vorgelegt: Statt mit Pontons und einer Netzplane soll der Wal nun mit einem Lastkahn transportiert werden. Geplant ist, eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne zum Fahrwasser zu baggern. Doch das Umweltministerium hat noch kein grünes Licht gegeben. Die Prüfung des Konzepts laufe, sagte Backhaus.

Kritik von Wissenschaftlern

Internationale Experten üben scharfe Kritik. Die Wal-Expertin Frances Gulland erklärte, gezielte Beeinflussung des Verhaltens von Walen sei sehr schwierig. „Wir können nicht mit ihnen kommunizieren, und wir können sie nicht durch Handauflegen beruhigen.“ Sie verwies auf gescheiterte Versuche mit Walrufen, Alarmtönen und sogar Wasser aus Feuerwehrschläuchen. Auch die Internationale Walfangkommission (IWC) empfiehlt eine ruhige und palliative Versorgung statt aktiver Rettungsversuche.

Team in Turbulenzen

Die Rettungsinitiative hat mit personellen Problemen zu kämpfen. Die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert musste notoperiert werden und liegt im Koma. Die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin Jenna Wallace reiste nach Differenzen ab und kritisierte das Team scharf. Sie warf dem YouTuber Danny Hilse vor, den Wal durch ständiges Filmen und Telefonieren immer wieder ins flache Wasser gelenkt zu haben.

Hoffen auf steigendes Wasser

Für Sonntagmittag wird ein deutlich steigender Wasserstand vorhergesagt. Die Situation könnte ähnlich sein wie am Montag, als der Wal von selbst losschwamm. „Es kann auch genauso gut sein, dass der Wal sich wieder losmacht“, sagte Backhaus. Die Helfer arbeiten unterdessen mit Hochdruck an der Fertigstellung der Rinne. Der Wal liegt derzeit in einer künstlich freigespülten Kuhle, die ihm das Atmen erleichtert, aber auch die Flucht erschwert.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration