Rettungsaktion für Buckelwal vor Poel: Bagger schaffen Rinne ins tiefere Wasser
Seit Wochen hält ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal die Region um die Insel Poel in Atem. Das Tier war mehrfach gestrandet und hatte stark an Kraft verloren. Nun läuft eine beispiellose Rettungsaktion, finanziert von Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht, den Wal zu befreien.
Minister Backhaus watet zum Wal
Umweltminister Till Backhaus (SPD) begab sich persönlich in die Ostsee, um den Zustand des Meeressäugers aus nächster Nähe zu begutachten. In einem gelben Trockenanzug ließ er sich mit einem DLRG-Boot zum Wal fahren und stieg ins etwa sieben Grad kalte Wasser. Mittlerweile ist der Minister wieder an Land.
Plan für die Rettung
Die Helfer wollen am Sonntag oder Montag mit der Rettung beginnen. Dazu wird eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne vom Liegeplatz des Wals bis zum Fahrwasser ausgebaggert. 40 Meter sind bereits geschafft, weitere 40 Meter sollen am Freitag folgen. Der Chef-Taucher Fred Babbel zeigte sich zuversichtlich: „Wir wollen den Wal retten!“
Neues Konzept nach Rückschlägen
Das ursprüngliche Konzept, den Wal mit einer Plane zwischen zwei Pontons zu transportieren, wurde verworfen. Stattdessen soll nun ein Lastkahn zum Einsatz kommen. Das Tier wird in einer künstlich geschaffenen Kuhle gehalten, die durch Spülmaßnahmen vertieft wurde. Der Wal liegt nun tiefer im Wasser, sodass weniger Eigengewicht auf ihm lastet.
Tierärztin in Lebensgefahr
Die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert wurde mit Kreislaufproblemen und Schlaganfallverdacht ins Krankenhaus eingeliefert. Sie musste notoperiert werden und befindet sich im Koma. Die Helfer bangen um ihr Leben. Eine neue Tierärztin, Ina Rheker aus Klütz, ist eingesprungen.
Kritik an der Rettungsaktion
Die Aktion steht in der Kritik. Die amerikanische Tierärztin Jenna Wallace, die zwischenzeitlich abgereist ist, warf dem Team Inkompetenz vor. Auch der Naturschutzbund (Nabu) äußerte Bedenken. Der Meeresbiologe Fabian Ritter plädiert dafür, den Wal in Ruhe zu lassen: „Entweder er findet wieder zu Kräften, oder er ist auf dem Weg zu seinem Lebensende.“
Öffentliche Anteilnahme
Der Fall bewegt bundesweit viele Menschen. Der WWF verzeichnete einen deutlichen Anstieg von Walpatenschaften. Auf der Insel Poel beklagen Gastronomen jedoch Umsatzeinbußen, da viele Gäste ihre Reservierungen absagen. Die Polizei hat eine Sicherheitszone eingerichtet, um das Tier zu schützen.
Ausblick
Ob das neue Konzept von den Behörden genehmigt wird, ist noch offen. Minister Backhaus versprach eine Prüfung mit höchster Priorität. Der Wal selbst zeigt nach Angaben der Helfer noch Lebenswillen und bewegt sich in seiner Kuhle. Die Rettung bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit.



