Kult-Restaurant am Hafen schließt überraschend nach 20 Jahren
Ein absolutes Kult-Restaurant hat unerwartet seine Schließung bekannt gegeben. Der Inhaber erzählt, warum nach 20 Jahren Schluss ist. Die Tischlerei in der Salinenstraße 22, direkt am Greifswalder Hafen gelegen, hat für unbestimmte Zeit geschlossen. Inhaber Tom Heinrich erklärt die Hintergründe.
Gutes Personal ist schwer zu finden
„Wir haben einfach keine Lust mehr, uns vom Arbeitsmarkt abhängig zu machen“, stellt der 51-jährige Koch und Unternehmer klar. Konkret fehle es an Köchen. Nach jahrelanger und erfolgreicher Zusammenarbeit sei es nicht möglich gewesen, geeignete Nachfolger für altgediente Küchenkräfte zu finden. Zwei Jahrzehnte lang war die Tischlerei sowohl für gehobene Küche, kultige Klassiker als auch für ihr modernes Ambiente und ihre Hafenlage bekannt. Der Gastronom fordere Leistung, schließlich sei die Tischlerei sein erstes Restaurant, in das viel Herzblut geflossen sei. Geeignete Mitarbeiter zu finden, sei jedoch zunehmend schwierig.
Leistungsfähigkeit, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit fehlen
„Leistungsfähigkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, das waren alles Dinge, die, warum auch immer, nicht mehr in dem Maße vorhanden sind, das ich gewohnt bin“, kritisiert der Koch. Für ihn habe es jeden Tag Anlässe zum Kopfzerbrechen gegeben. „Es verging kein Tag, an dem ich mir nicht den Kopf wegen irgendwas zerbrechen musste. Ob es der Wareneinkauf war, oder die Verarbeitung der Produkte, die ständigen Krankheitstage nach irgendwelchen Technopartys, oder Migräne – Gott weiß. Wir haben einfach keine Lust und keine Kraft mehr dazu“, sagt der Unternehmer sichtlich enttäuscht.
Ein gesamtgesellschaftliches Problem
Den schwarzen Peter wolle er nicht vergeben und Pauschalisierungen möglichst vermeiden: „Ich kenne keinen aus der Branche, mit dem ich mich unterhalte, der mir sagt, dass er mit der Personalsituation zufrieden ist. Es sei denn, die Läden sind unternehmergeführt, so wie die Goldmarie.“ Neben der Tischlerei gehört Tom Heinrich auch das Restaurant Goldmarie in der Fischstraße 11, der Greifswalder Innenstadt. Hier ist er selbst Koch und arbeitet augenblicklich im Akkord, sechs Tage die Woche. „Wir stehen selbst hier, da kann nicht so viel passieren, sage ich jetzt mal vorsichtig“, ordnet der Unternehmer ein. Als Ursache der dürftigen Personalsituation vermutet er gesamtgesellschaftliche Ursachen. Nichtsdestotrotz muss die Tischlerei schließen oder auf einen Nachfolger hoffen.
Was wird aus der Tischlerei?
Noch laufe der Mietvertrag, sagt Tom Heinrich. Das Restaurant wird entweder an einen Interessenten verkauft, oder mit dem Auslaufen des Vertrags rückabgewickelt. Der Gastronom wolle sich auf die Goldmarie fokussieren, für die er noch einen Koch auf vier-Tage-Basis sucht. Ein Nachfolger für die Tischlerei brauche seiner Meinung nach eine eigene Vision. „Einfach eine Vision von dem, was er machen will. Ein Konzept, aber nicht einfach des Konzeptes willen, sondern weil er es gerne macht. Ich glaube, die Tischlerei kann alles sein, Hauptsache, du machst es gut“, sagt der Koch über seine erste Gastro-Liebe. „Ich möchte mich bei allen ehemaligen Mitarbeitern und Gästen für 20 tolle Jahre Tischlerei bedanken“, sagt Tom Heinrich zum Abschied.



