Nach Osterwaffenruhe: Ukraine meldet Drohnenangriff auf russische Chemiefabrik
Mit dem Ende der Waffenruhe über das orthodoxe Osterfest haben die Kämpfe im Ukrainekrieg wieder an Intensität gewonnen. Die ukrainische Armee hat mit Langstreckendrohnen eine Chemiefabrik im Norden Russlands beschossen, während Russland seine Angriffe auf die Ukraine wieder aufgenommen hat. Zugleich räumte die Ukraine ein grenznahes Dorf unter russischem Druck.
Angriff auf Ammoniakwerk in Tscherepowez
Laut dem Kommandeur der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, war das Ziel ein Ammoniakwerk in Tscherepowez, etwa 400 Kilometer nördlich von Moskau. Die Fabrik produziert jährlich mehrere Hunderttausend Tonnen Ammoniak, Salpeter und Salpetersäure, die zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden. Auf russischer Seite bestätigte Bürgermeister Andrej Nakroschajew einen Angriff auf einen Industriebetrieb, betonte jedoch, dass für die Stadt selbst keine Gefahr bestanden habe. Tscherepowez liegt etwa 900 Kilometer von der Ukraine entfernt.
Wiederaufnahme der Kämpfe nach Osterwaffenruhe
Über das orthodoxe Osterfest von Samstagnachmittag bis Sonntagabend hatten sich beide Seiten weitgehend an eine Waffenruhe gehalten, mit Verstößen hauptsächlich entlang der Front. Nach Angaben aus Kyjiw begann die russische Armee mit Ablauf der Waffenruhe um Mitternacht wieder Angriffe mit Langstreckendrohnen bis tief in die Ukraine hinein. Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten, dass diese Attacken den ganzen Tag über andauerten.
Ukrainische Rüstungsindustrie und technologische Fortschritte
Am Montag beging die Ukraine den Tag ihrer Rüstungsindustrie. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass sein Land Langstreckenwaffen für Treffer im russischen Rückraum selbst entwickelt habe. Er betonte den Ausbau der Drohnenabwehr, den Einsatz ferngesteuerter Kampfroboter und Seedrohnen. Selenskyj nannte ein Beispiel, bei dem eine feindliche Stellung ausschließlich mit unbemannten Systemen erobert wurde, ohne Beteiligung der Infanterie und ohne Verluste auf ukrainischer Seite.
Räumung des Grenzdorfs Myropilske
Zugleich hat die ukrainische Armee eigenen Angaben zufolge das grenznahe Dorf Myropilske im Gebiet Sumy unter dem Druck russischer Angriffe geräumt. Das 14. Armeekorps teilte auf Facebook mit, dass sich die Verteidiger auf vorbereitete Stellungen zurückgezogen hätten, um eigene Verluste zu vermeiden. Die russische Armee hat an mehreren Stellen die Grenze zum nordukrainischen Gebiet Sumy überschritten, wobei die Kämpfe um Myropilske einen weiteren russischen Einbruch darstellen, auch wenn die eroberte Fläche bislang klein ist.
Kontext des langjährigen Konflikts
Russland führt seit mehr als vier Jahren einen groß angelegten Angriffskrieg gegen die Ukraine. Am Boden sind die russischen Truppen seit Herbst 2023 ununterbrochen vorgerückt, auch wenn die Geländegewinne klein blieben und mit hohen Verlusten erkauft wurden. Die Ukraine setzt sich vorrangig mit dem immer intensiveren Einsatz kleiner Gefechtsfelddrohnen zur Wehr.



