Leerer Kiosk verändert Münchner U-Bahnhof: Seit 2017 fehlt das Menschelnde
Der U-Bahnhof Max-Weber-Platz in München erinnert mit seinen hellblauen Wänden, gelben Streifen und viel Granit, Glas und Edelstahl an ein leeres Schwimmbad. Seit 2017 steht hier der Kiosk leer – und mit ihm ist das Menschelnde aus dem unterirdischen Verkehrsknotenpunkt verschwunden. Die Station, die 1988 eröffnet wurde, ist ein wichtiger Umsteigepunkt für Tausende Pendler täglich, die zum TU-Klinikum rechts der Isar, ins Maximilianeum oder zu den Tram- und Buslinien 17, 19, 21, 25, 37, 155 und 9410 unterwegs sind.
Sterile Atmosphäre trotz Verkehrsaufkommen
Obwohl der Bahnhof stark frequentiert ist, wirkt er kühl und einladungslos. Kaum jemand bleibt stehen, nicht einmal vor dem historischen Pferdetramwagen, der spektakulär über den Köpfen der Fahrgäste hängt. Selbst Obdachlose bevorzugen das Vordach draußen gegenüber dem geschützten Sperrengeschoss. Diese anonyme Atmosphäre ist ein krasser Kontrast zu früheren Zeiten, als Ilona Geppert fast 20 Jahre lang in ihrem Kiosk stand.
Ilona Geppert verkaufte nicht nur Fahrkarten, Zeitungen, Kaffee und Zigaretten, sondern brachte mit ihrem freundlichen Lächeln und Gesprächen Leben in den Untergrund. Viele Stammkunden stiegen extra für sie hinab, selbst wenn sie nicht die U-Bahn nutzen wollten. Für sie waren die blauen Wände ein Ersatz für Tageslicht und erinnerten an das Meer. Im Dezember 2017 hörte sie aus familiären Gründen auf, und seitdem steht der Kiosk leer – abgesehen von einer kurzen Zwischennutzung. Geplant war eine Sanierung und Neuausschreibung, doch bisher ist nichts passiert.
Einzige Verkäuferin hält im Zwischengeschoss die Stellung
Nur eine Person hält noch im U-Bahnhof die Stellung: In einer kleinen „Backstube“ im Zwischengeschoss arbeitet werktags bis 14 Uhr eine Verkäuferin mit kurzen, dunklen Haaren und markanter Brille. Sie genießt die Abgeschiedenheit und konstante Temperatur, unabhängig vom Wetter oben. „Wenn es schneit, kriege ich es nicht mit“, sagt sie fröhlich. Ihre Aufgaben umfassen:
- Verkauf von Butterbrezen, Croissants und Cappuccino mit perfektem Milchschaum
- Hilfe bei Fahrkartenkäufen am veralteten Automaten, der von hinten schwer zu finden ist
- Gespräche mit den wenigen Fahrgästen, die nicht nur durchhetzen
Sie würde sich über eine Wiedereröffnung des Kiosks freuen, die ihr Geschäft beleben könnte, fürchtet aber Konkurrenz, falls der Neue ebenfalls Backwaren anbietet.
Kiosk-Sterben ist ein weitverbreitetes Problem
Das Leerstehen von Kiosken in U-Bahnhöfen ist kein Einzelfall. Waren es 2019 noch 17, so stehen heute 28 Kioske leer. Ein MVG-Sprecher erklärt, dass sieben davon in Bahnhöfen liegen, die bald saniert werden sollen. Langfristiges Ziel sei die dauerhafte Vermietung aller Kioske. Am Beispiel Max-Weber-Platz zeigt sich jedoch, dass dieser Prozess extrem langsam verläuft – hier hat sich seit über acht Jahren nichts getan.
Oberirdisch pulsiert dagegen das Leben: Direkt an den Ausgängen gibt es zahlreiche Geschäfte wie die Klosterapotheke, Blumen-, Gemüse- und Buchläden sowie zwei weitere Kioske. In wenigen Minuten erreicht man die Maximiliansanlagen, den Hofbräukeller oder den Markt am Wiener Platz. Positiv am U-Bahnhof sind die Barrierefreiheit mit einem Lift vor der Sparkasse, ein denkmalgeschützter Trambahnpavillon als Eingang und eine öffentliche Toilette im Sperrengeschoss für 60 Cent – günstiger als am Hauptbahnhof, wo ein Euro fällig wird.
Insgesamt bleibt der U-Bahnhof Max-Weber-Platz ein Ort der Kontraste: Während oben das urbane Leben tobt, fehlt unten die menschliche Wärme, die einst Ilona Geppert verkörperte. Die leeren Kioske symbolisieren eine zunehmende Anonymität im öffentlichen Raum, die viele Münchner U-Bahn-Stationen prägt.



