Nach Erdrutsch in Niscemi: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sizilianische Politiker und Beamte
Nach dem schweren Erdrutsch in der sizilianischen Stadt Niscemi Anfang dieses Jahres hat die Staatsanwaltschaft nun offiziell Ermittlungen gegen mehrere hochrangige Politiker und Beamte aufgenommen. Insgesamt stehen 13 Personen im Visier der Justiz, darunter der amtierende Präsident der italienischen Mittelmeerinsel sowie drei ehemalige Regionalchefs Siziliens. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Ermittlungskreise.
Fahrlässige Verursachung einer Katastrophe vorgeworfen
Den Beschuldigten wird fahrlässige Verursachung einer Katastrophe zur Last gelegt. Der Erdrutsch hatte Ende Januar die etwa 25.000 Einwohner zählende Stadt Niscemi im Süden Siziliens heimgesucht. Nach intensiven Regenfällen geriet ein mehrere Kilometer langer Hang ins Rutschen, was zur Evakuierung von rund 1.500 Menschen führte. Die dramatischen Bilder von Wohnhäusern am Abgrund, abgerissenen Straßen und lose heraushängenden Leitungen gingen damals um die Welt und lösten international Bestürzung aus.
Bekanntes Risiko seit Jahrzehnten
Nach Angaben der Behörden bestand in dem betroffenen Gebiet seit Jahrzehnten ein bekanntes und dokumentiertes Risiko für Erdrutsche. Bereits im Jahr 1997 hatte es dort einen ähnlichen, wenn auch weniger schwerwiegenden Erdrutsch gegeben. Trotz dieser Vorgeschichte und klarer Warnzeichen seien essentielle Schutzmaßnahmen entweder nur unzureichend umgesetzt oder gänzlich unterblieben. Die Ermittler konzentrieren sich insbesondere auf die Frage, warum geplante Sicherungsarbeiten des gefährdeten Hanggebietes nach einem Vertragsstreit im Jahr 2010 nicht weitergeführt wurden.
Die Ermittlungen werfen ein grelles Licht auf mögliche Versäumnisse in der regionalen Risikovorsorge. Obwohl die Gefahrenlage seit langem bekannt war, blieben notwendige Präventionsmaßnahmen offenbar aus. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, inwieweit politische und administrative Verantwortungsträger ihrer Pflicht zur Gefahrenabwehr nicht nachgekommen sind. Die betroffenen Bürger von Niscemi harren derweil weiter auf eine umfassende Aufklärung der Vorgänge und hoffen auf zügige Sicherungsmaßnahmen, um künftige Katastrophen zu verhindern.



