Weinstein-Prozess wird neu aufgerollt: Darum ist die Chance auf Freispruch hoch
New York – Im Fall des ehemaligen Filmproduzenten Harvey Weinstein (74) geht es in die dritte Runde. Der Prozess vor dem Strafgericht in Manhattan wird neu aufgerollt – und diesmal stehen die Karten tatsächlich anders als je zuvor. Die Chancen für einen Freispruch sind so hoch wie nie, denn die Zahl der Belastungszeuginnen hat sich dramatisch reduziert.
Immer weniger Belastungszeuginnen
Während im ersten Prozess im Jahr 2020 noch sieben Frauen gegen Weinstein aussagten, waren es im zweiten Verfahren 2025 nur noch drei. Jetzt im dritten Anlauf bleibt nur eine einzige Belastungszeugin übrig: die Schauspielerin Jessica Mann (35). Der Grund für diese Entwicklung liegt in den vorherigen Verfahrensergebnissen.
Weinstein wurde 2025 bereits in einem Fall rechtskräftig verurteilt, in einem anderen Fall freigesprochen. Offen blieb lediglich der Vorwurf von Jessica Mann, bei dem sich die Jury nicht einigen konnte. Im aktuellen Wiederaufnahmeverfahren dürfen die Geschworenen deshalb ausschließlich den Fall von Jessica Mann bewerten. Aussagen anderer Frauen dürfen nicht erwähnt werden – es ist, als gäbe es nur ein einziges mutmaßliches Opfer.
Die Vorwürfe von Jessica Mann
Jessica Mann wirft Harvey Weinstein vor, sie im Jahr 2013 in einem New Yorker Hotel vergewaltigt zu haben. Bereits 2020 wurde Weinstein in diesem Punkt verurteilt, doch 2024 kassierte ein Gericht das Urteil wegen Verfahrensfehlern. Der zweite Versuch im Jahr 2025 endete im Chaos – es kam zum Fehlprozess, da sich die Jury nicht einigen konnte. Jetzt wird der gesamte Fall erneut aufgerollt.
Verteidigungsstrategie: Zweifel säen
Die reduzierte Zahl der Belastungszeuginnen kommt der Verteidigung deutlich zugute. Star-Anwalt Arthur Aidala, der Weinstein bereits seit 2019 vertritt, erklärt deutlich: „Weniger Zeuginnen bedeuten mehr Zweifel – und genau darauf setzt die Verteidigung.“ Andere mutmaßliche Fälle dürfen bei den Beratungen der Geschworenen keine Rolle spielen, was die Position der Verteidigung stärkt.
Ein weiterer Vorteil für Weinsteins Anwälte: Sie können auf frühere Aussagen zurückgreifen und gezielt nach Widersprüchen suchen. Aidala betont: „Wenn Harvey Weinstein überhaupt eine Chance auf einen Freispruch hat, dann ist es dieser Prozess.“ Der Anwalt kümmert sich inzwischen vor allem um die Zivilverfahren des ehemaligen Hollywood-Moguls.
Neue Star-Anwälte für die Verteidigung
Im aktuellen Strafprozess setzt Harvey Weinstein auf neue juristische Schwergewichte. Die Verteidigung haben Marc Agnifilo und Teny Geragos übernommen – beide bekannt aus dem Team von Sean ‚Diddy‘ Combs (56). Diese erfahrenen Anwälte bringen zusätzliche Expertise in den komplexen Fall ein.
Weinstein bleibt auf jeden Fall im Gefängnis
Selbst ein Freispruch in diesem neuen Verfahren würde für Harvey Weinstein keine Freiheit bedeuten. Unabhängig vom aktuellen Prozess steht noch eine Verurteilung wegen sexueller Nötigung im Fall Mimi Haley aus dem vergangenen Jahr im Raum – dafür drohen bis zu 25 Jahre Haft.
Darüber hinaus wurde Weinstein in Kalifornien bereits 2023 zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Der ehemalige Filmproduzent bleibt also auf jeden Fall hinter Gittern – aktuell verbüßt er seine Haftstrafe im Gefängniskomplex Rikers Island in New York.
Ablauf des neuen Verfahrens
Der Prozess startet kommenden Dienstag und soll etwa zwei Wochen dauern. Aktuell läuft die Auswahl der Geschworenen, die über das Schicksal von Harvey Weinstein in diesem spezifischen Fall entscheiden werden. Die Augen der Öffentlichkeit sind erneut auf den Gerichtssaal in Manhattan gerichtet, wo ein weiteres Kapitel in der langen juristischen Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Hollywood-Mogul geschrieben wird.



