Zukunft des Jüdischen Krankenhauses Berlin weiterhin ungewiss
Die finanzielle Situation des Jüdischen Krankenhauses in Berlin bleibt angespannt und die Perspektiven für die traditionsreiche Einrichtung sind weiterhin unklar. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, hat nun konkrete Vorschläge für den weiteren Weg vorgelegt. Im Zentrum steht die Forderung nach einer vom Berliner Senat einberufenen Kommission, die alle relevanten Akteure an einen Tisch bringen soll.
Kommission soll alle Beteiligten vereinen
„Wir wünschen uns, dass das Jüdische Krankenhaus als eigenständige Klinik erhalten bleibt“, betonte Joffe in einem Gespräch mit dem „Tagesspiegel“. Gleichzeitig machte er deutlich: „Uns ist dabei klar, dass das JKB in seiner aktuellen Form kaum überleben wird.“ Die Diskussion müsse daher intensiviert werden. Joffe schlägt vor, dass der Berliner Senat eine Kommission einrichtet, in der das Krankenhaus selbst, das Land Berlin, die Jüdische Gemeinde und die beteiligten Banken vertreten sind.
Spezialisierung als strategischer Ansatz
Ein zentraler Baustein des Zukunftskonzepts ist eine konsequente Spezialisierung des Hauses. Joffe hat dazu Gespräche mit Fachleuten innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft geführt. „Dann passt die Klinik langfristig in die Krankenhauslandschaft der Hauptstadt und kann ihre Kooperationen mit anderen Kliniken intensivieren“, so seine Überzeugung.
Konkret könnte sich das Jüdische Krankenhaus im Bezirk Mitte als Schwerpunktklinik für Neuro-Rehabilitation, Geriatrie und Psychiatrie etablieren. „Der Bedarf an Kapazitäten in diesen Disziplinen wächst schon wegen der alternden Gesellschaft“, argumentiert Joffe. Diese Ausrichtung würde dem demografischen Wandel Rechnung tragen und gleichzeitig eine klare Positionierung im Berliner Gesundheitsmarkt ermöglichen.
Hintergrund der finanziellen Krise
Das Jüdische Krankenhaus Berlin hatte Ende des vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Als Gründe nannte die Klinik die angespannte Finanzlage, die durch den Veränderungsdruck der Krankenhausreform, aktuelle Sparbeschlüsse der Bundespolitik und allgemeine Kostensteigerungen bei nicht ausreichend refinanzierten Versorgungsleistungen ausgelöst wurde. Hinzu kommen erhebliche Investitionsrückstände bei Gebäuden und IT-Systemen.
Die Einrichtung blickt auf eine rund 270-jährige Geschichte zurück und wird seit 1963 von einer Stiftung des bürgerlichen Rechts getragen. In der jüngeren Vergangenheit wurde auch über eine mögliche Eingliederung in eines der landeseigenen Krankenhausunternehmen Charité oder Vivantes diskutiert. Die aktuellen Vorschläge von Gideon Joffe stellen nun einen alternativen Weg dar, der die Eigenständigkeit bewahren soll.
Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob der Berliner Senat auf die Forderung nach einer Kommission eingeht und wie sich der Diskussionsprozess um die Zukunft dieser bedeutenden Berliner Institution entwickeln wird.



