Block-Prozess: Ermittlerin verteidigt Vorgehen - Verteidigung kritisiert Einseitigkeit
Block-Prozess: Ermittlerin verteidigt Vorgehen gegen Kritik

Block-Prozess: Lange Befragung der Hauptermittlerin im Hamburger Landgericht

Im aufsehenerregenden Prozess um die mutmaßliche Entführung der Block-Kinder hat der Verteidiger der angeklagten Mutter Christina Block schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden erhoben. Anwalt Ingo Bott kritisierte am 45. Verhandlungstag im Hamburger Landgericht, die Ermittlungen seien "auf einem Auge blind" geführt worden. Diesen Vorwurf wies die Staatsanwaltschaft während der stundenlangen Befragung der Hauptermittlungsführerin der Hamburger Polizei entschieden zurück.

Vorwürfe der Einseitigkeit in den Ermittlungen

Die Hamburger Unternehmerin Christina Block, Tochter des Gründers der bekannten Steakhaus-Kette "Block House", Eugen Block, ist angeklagt, eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihre beiden Kinder in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark nach Deutschland zu entführen. Laut Anklage brachten Mitarbeiter der Sicherheitsfirma den damals zehnjährigen Jungen und die 13-jährige Tochter am Neujahrstag 2024 zu einem Bauernhof in Baden-Württemberg, von wo Christina Block sie nach Hamburg geholt haben soll. Die Angeklagte beteuert ihre Unschuld.

Verteidiger Bott monierte während der Befragung der 44-jährigen Kriminalbeamtin, die Ermittlungen seien zu sehr von den Darstellungen des Ex-Mannes Stephan Hensel und seiner neuen Ehefrau vorgeprägt gewesen. "Telefonate mit den beiden seien beispielsweise 'im Doppelpack' geführt worden", kritisierte Bott. Hensel habe die Polizistin möglicherweise "um den Finger gewickelt".

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Ermittlerin bleibt ruhig und konzentriert

Die Zeugin antwortete über Stunden konzentriert auf die zahlreichen Fragen und Vorwürfe. Sie erklärte, nicht jedes Telefonat sei eine Vernehmung gewesen. "Er war Geschädigter in einem Strafverfahren und ich war immer ansprechbar für ihn", sagte die Ermittlerin über Hensel. Gleichzeitig betonte sie: "Ich hätte auch für Frau Block ein offenes Ohr gehabt. Aber sie wollte nicht mit mir sprechen."

Die Kriminalbeamtin war auch mit früheren Verfahren befasst, die die Vorgeschichte dieses Falls betreffen. Der Vater hatte die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht wie vereinbart zur Mutter zurückgebracht und erhob Gewaltvorwürfe gegen seine Ex-Frau, die diese bestreitet. Die Polizistin berichtete, Hensel habe ihr danach immer wieder Unterlagen zu dem Sorgerechtsstreit geschickt.

Diskussion um kontroversen Satz als Teilgeständnis

Besonders kontrovers wurde die Interpretation eines Satzes diskutiert, den Christina Block am 3. Januar 2024 in dem ersten Gespräch nach der Tat gesagt haben soll: "Ich mache eine Rückführung, er macht eine Entführung". Die Kriminalbeamtin hatte diesen Satz am vergangenen Verhandlungstag als Teilgeständnis bewertet.

Verteidiger Bott wollte wissen, ob sie nicht hinterfragt habe, dass mit dem Wort "Rückführung" auch der Weg von Süddeutschland nach Hamburg gemeint sein könnte. Oberstaatsanwältin Mona Paul schaltete sich ein und unterstrich, auch sie habe diesen Satz als Teilgeständnis gewertet. Bott hatte zuvor der Verwertung dieser Äußerung widersprochen und argumentiert, seine Mandantin sei nicht richtig von der Polizeibeamtin belehrt worden.

Verfahrensverlauf und Zuständigkeitsfragen

Die Staatsanwaltschaft betonte während der Verhandlung, die Polizei habe alles getan, was notwendig sei. "Die Ereignisse im August 2021 und in der Silvesternacht 2023/24 seien nicht miteinander zu vergleichen", hieß es von Seiten der Anklage. In einem "derart außergewöhnlichen Fall", bei dem Kinder gegen ihren Willen mit Gewalt nach Deutschland gebracht worden seien, werde anders ermittelt.

Immer wieder ging es bei der Befragung der Zeugin nur langsam voran, weil über die Zulässigkeit vieler Fragen des Verteidigers gestritten wurde. Die Kriminalbeamtin erläuterte, ihre Aussagegenehmigung beziehe sich aktuell nur auf diesen konkreten Fall - Bott wollte aber sehr viel zu den früheren Verfahren wissen. Mehrmals ermahnte ihn die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt: "Wir verhandeln hier das Ereignis in der Silvesternacht." Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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