In Brandenburg reißen Einschüchterungsversuche und offene Drohungen aus der rechten Szene nicht ab. Besonders betroffen ist die Stadt Cottbus, wo ein Pfarrer der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg vor seiner Wohnungstür bedroht wurde. Die Landesregierung hat nun reagiert und Schutz zugesagt.
Unterstützung von höchster Stelle
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) führte ein Gespräch mit Cottbus' Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD), um Rückendeckung und einen engen Austausch zu gewährleisten. Auch der Verfassungsschutz wurde zur Aufklärung und Beratung eingeschaltet. Minister für gesellschaftlichen Zusammenhalt, René Wilke (SPD), betonte, dass Staat und Gesellschaft gefordert seien, demokratisches Engagement zu sichern.
Vorfälle der vergangenen Woche
Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg zählte mehrere Vorfälle auf: Hakenkreuze an der Fassade des Wohnprojektes „Zelle 79“, der Hitlergruß sowie die Bedrohung des Pfarrers. Zwei Neonazis hätten die Haustür aufgetreten, seien mehrere Stockwerke zur Wohnung vorgedrungen und hätten vor der Tür randaliert. Aufkleber mit der Aufschrift „Piss Dich nach Berlin“ wurden hinterlassen. Zudem gab es Berichte über rassistische Beleidigungen bei einer Semesterparty der Brandenburgisch-Technischen Universität (BTU) in Cottbus.
Reaktionen und Maßnahmen
Die Stadt Cottbus teilte mit, dass die Vorfälle offenkundig von überwiegend rechtsextremen Jugendlichen ausgingen, die linke Einrichtungen als Feindbilder definierten. Demgegenüber stünden eine starke Unterstützung der Betroffenen aus der Stadtgesellschaft und eine örtliche Polizei, die in jedem Fall umgehend reagiere und ermittle. Auch Beratungsteams stünden vor Ort zur Verfügung. Die BTU hat bereits 2024 eine Monitoringstelle eingerichtet, an die Fälle rechter Einflussnahme und Diskriminierung gemeldet werden können. Zudem werden „Safer Spaces“ geschaffen.
Hintergrund: Cottbus als Hochburg
Cottbus gilt seit langem als Hochburg der rechten Szene. Laut der Opferperspektive gab es 2025 in Cottbus 38 erfasste rechte Gewalttaten, nach 46 im Kreis Märkisch-Oderland. Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg rechnet mit einer hohen Dunkelziffer. Fachleute sprechen von einer Normalisierung rechter Einschüchterungsversuche und Gewalt.



