Die Deutsche Telekom hat in Berlin eigenen Angaben zufolge Glasfaser-Internetkabel in Reichweite von mehr als einer Million Haushalten verlegt. Dieses Ziel sei eigentlich erst für Ende des Jahres vorgesehen gewesen, teilte das Unternehmen in Bonn mit. „Bis 2030 will die Telekom insgesamt zwei Millionen Haushalte, Schulen und Unternehmen in Berlin mit Glasfaser versorgen“, hieß es weiter. Es geht um den branchenüblichen Begriff „Homes Passed“ – die Kabel liegen also mindestens in der Straße vor dem Haus. Nur ein Teil davon reicht bis in die Häuser hinein – wie viele das in Berlin sind, teilt die Telekom nicht mit.
Wettbewerber in Berlin aktiv
Wettbewerber sind in der Hauptstadt ebenfalls am Glasfaser-Markt aktiv, mitunter aber mit mäßigem Erfolg. Manch einer von ihnen bot in der sogenannten Vorvermarktung zwar Glasfaser-Verträge an, brach das Vorhaben nach mäßiger Resonanz aber ab. Andere Wettbewerber schickten die Bagger los, darunter die Vodafone-Tochterfirma OXG.
Geringer Anteil der Glasfaser-Kunden
Wie viele Haushalte das Glasfaser-Internet der Telekom in der Hauptstadt auch tatsächlich nutzen, ging aus der Mitteilung nicht hervor. Bundesweit nutzten zu Jahresbeginn nur 16,4 Prozent der Haushalte, die Glasfaser in Reichweite hatten, diese schnelle und stabile Übertragungstechnologie der Telekom. Der erstaunlich niedrige Anteil aktiver Kunden am verfügbaren Glasfaser-Netz ist ein Problem für die Telekom und für andere Firmen, deren Aufnahmeraten mitunter zwar höher, aber nicht hoch genug sind. Immerhin geht es aufwärts, binnen eines Jahres kletterte die Telekom-Aufnahmerate um 1,6 Prozentpunkte nach oben.
Gründe für das Desinteresse
Ein Grund für das überraschende Desinteresse ist die Macht der Gewohnheit: Viele Menschen sind alles in allem zufrieden mit ihrem Internet-Vertrag und möchten keine Veränderung haben. Hinzu kommt, dass mancherorts Mieter zwar Interesse haben, ihre Vermieter aber nicht. Außerdem ist die Annahme weit verbreitet, dass Glasfaser-Internet teuer ist. Bei den unterschiedlichen Anbietern kann das sein, muss aber nicht, da die Anbieter inzwischen mit recht niedrigen Preisen um die Kundengunst buhlen.
Vollständige Abdeckung bis 2028 angepeilt
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sagte laut Mitteilung, dass mehr als die Hälfte aller Haushalte und Betriebe in Berlin bereits entsprechend ausgestattet seien. Sie gab das Ziel aus, bis 2028 eine „vollständige Glasfaserabdeckung in Berlin zu erreichen“. Mit Stand 31. Dezember 2024 gab es in Berlin 2,22 Millionen Privathaushalte. Die Telekom stellt ihre Glasfaser-Kabel auch anderen Anbietern zur Verfügung, die Miete zahlen.
Glasfaser-Kabel übertragen Daten als Lichtsignale. Kupferkabel gelten im Vergleich als anfälliger für Störungen, sind langsamer und technisch auf geringere Bandbreiten begrenzt. Fernsehkabel – also dickere Kupferkabel – bieten höhere Bandbreiten, sind aber relativ schwankungsanfällig: Je mehr Menschen in der Straße gleichzeitig surfen, desto langsamer wird es. Der Glasfaser-Ausbau gilt als wichtig, damit Deutschland im Digitalzeitalter Anschluss hält und Firmen und Bürger das Potenzial des Internets voll ausschöpfen können.



