Update Sachsen-Anhalt: Kanzlerbesuch, Schulpolitik und Fachkräftemangel
Update Sachsen-Anhalt: Kanzlerbesuch, Schulpolitik

Guten Morgen zum „Update Sachsen-Anhalt“! Was bleibt vom Kanzlerbesuch in Salzwedel? Wie politisch dürfen die Schulen sein? Und der wachsende Arbeitskräftemangel in der Wirtschaft. Das sind die Themen heute im Newsletter.

Kanzlerbesuch in Salzwedel: Nähe ersetzt keine Einigkeit

Friedrich Merz war zum „Tag des Lokaljournalismus“ als Gast in Salzwedel – und der Besuch hat vor allem eines gezeigt: Das Interesse an Politik ist groß, die Erwartungen daran sind es ebenso. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen direkt zu stellen. Bei Themen wie Rente, Steuern oder Gesundheit wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich die Meinungen ausfallen. Solche Formate zeigen: Der direkte Austausch ist wichtig, führt aber nicht automatisch zu mehr Zustimmung. Im Gegenteil – die Erwartungen an politische Antworten sind hoch, die Geduld oft begrenzt. Auch Fragen rund um den Umgang mit der AfD spielten eine immer größere Rolle. Wie angespannt diese politische Debatte gerade ist, zeigt sich nicht nur bei solchen Veranstaltungen, sondern auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Neue Podcastfolge zum Thema Schule

In unserer neuen Podcastfolge von „2,1 Millionen“, dem Politik-Podcast für Sachsen-Anhalt, geht es darum, wie sich das Erstarken der AfD inzwischen im Schulalltag bemerkbar macht. Ausgangspunkt ist ein Streit um ein Schülerpraktikum bei der AfD in Magdeburg und das Eingreifen der Schulleitung. Der Fall steht exemplarisch für ein zunehmend angespanntes Umfeld an Schulen. Unsere Gastgeberin Lena Bellon spricht dazu mit dem Bildungsexperten der Volksstimme, Alexander Walter. Hören Sie gern in diese oder die bereits erschienenen Folgen rein. Den Podcast finden Sie überall, wo es Podcasts gibt.

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Warum Sachsen-Anhalt die höchste Straftaten-Quote unter den Flächenländern hat

In Sachsen-Anhalt hat die Polizei im vergangenen Jahr besonders viele Straftaten pro Einwohner registriert. Laut Bundeskriminalamt lag die Quote bei rund 8.000 Fällen je 100.000 Einwohner, bundesweit deutlich über Ländern wie Nordrhein-Westfalen mit etwa 7.500. Experten betonen jedoch, dass die Statistik vor allem angezeigte Delikte erfasst. Die hohe Zahl deutet nicht zwingend auf mehr Kriminalität hin. Kriminologe Christian Pfeiffer sieht eine hohe Anzeigebereitschaft als Hauptgrund. Vor allem ältere Menschen melden Vorfälle häufiger, auch geprägt durch Erfahrungen aus DDR-Zeiten. Die Behörden werten die Zahlen auch als Hinweis auf eine funktionierende Polizei und hohe Kontrolldichte. Gleichzeitig bleibt unklar, wie hoch die tatsächliche Kriminalität im Dunkelfeld ist. Insgesamt sinkt die Zahl der erfassten Straftaten seit Jahren deutlich, was auf eine stabilere Sicherheitslage hindeutet.

Überalterung hat harte Folgen für Wirtschaft: Was dagegen helfen soll

Eine Studie des Instituts für Mittelstands- und Regionalentwicklung warnt vor einer massiven demografischen Lücke in Sachsen-Anhalt. In den kommenden zehn Jahren gehen rund 360.000 Beschäftigte in Rente, während nur etwa 190.000 nachrücken. Damit fehlen perspektivisch rund 170.000 Arbeitskräfte bei derzeit etwa 800.000 Erwerbstätigen. Die Folgen zeigen sich bereits in vielen Branchen, etwa im Handwerk, in der Technik und in der Gastronomie. Unternehmen verkürzen Öffnungszeiten oder lehnen Aufträge ab, weil Personal fehlt. Gleichzeitig drohen sinkende Steuereinnahmen und Probleme bei Infrastruktur und Versorgung. Arbeitgeber fordern mehr Zuwanderung, um die Lücke zu schließen. Auch Rückkehrer, höhere Geburtenraten sowie Automatisierung gelten als mögliche Ansätze, bleiben aber begrenzt. Hochschulen wie die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg versuchen zudem, internationale Absolventen stärker im Land zu halten.

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Bier, Bratwurst, AfD: Wie die Partei in Sachsen-Anhalt Wähler mobilisiert

Beim Familienfest der Partei „Europa der Souveränen Nationen“ in Schönebeck versammelten sich rund 2.500 Menschen. Viele der Teilnehmer gehören zur Alternative für Deutschland, die dort ihren Wahlkampf verstärkt. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mobilisierte die Menge und nannte eine Regierungsübernahme durch die AfD als Ziel. Politologe Benjamin Höhne sieht die Stärke der AfD in ihrer hohen Mobilisierung auf der Straße. Aktionen und gemeinsame Auftritte fördern Zusammenhalt und binden auch Nicht-Mitglieder. Gleichzeitig zeigt sich laut Studien ein wachsender Anteil sogenannter „fragiler Demokraten“, die für autoritäre Positionen empfänglicher sind. Die AfD strebt bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit an und liegt in Umfragen vorn. Zugleich beobachtet Höhne eine Gegenmobilisierung in Teilen der Gesellschaft, die sich für demokratische Werte einsetzt. Der Landesverfassungsschutz stuft die AfD in Sachsen-Anhalt weiterhin als gesichert rechtsextremistisch ein.

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Kommen Sie gut in die neue Woche und mit besten Grüßen, Elisa Schulz, Volksstimme-Reporterin der Altmark.