Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Vorpommern
Vor 81 Jahren neigte sich der Zweite Weltkrieg auch im beschaulichen Vorpommern seinem Ende zu. Doch gerade am Peenetal hielten in diesen letzten Tagen vor dem endgültigen Frieden Tod und Zerstörung Einzug. Während manche Städte durch mutige Menschen gerettet wurden, brach über andere die Hölle herein.
Anklam und Tutow im Visier der Alliierten
Die Region war bis dahin weitgehend glimpflich davongekommen, abgesehen von Anklam, das wegen seiner Arado-Flugzeugfabrik und des Stützpunktes der Luftwaffe 1943/44 dreimal von der United States Army Air Forces bombardiert wurde. Auch Tutow, das Mitte der 1930er-Jahre als Fliegerhorst entstanden war, geriet von Februar bis Mai 1944 viermal ins Visier alliierter Bomberverbände. Die Wohnsiedlung blieb jedoch nahezu verschont.
Der finale Angriff auf Berlin und der Vormarsch der Roten Armee
Am 16. April 1945 startete die Rote Armee von Brückenköpfen westlich der Oder ihre finale Großoffensive auf Berlin. Zur nördlichen Flankensicherung schickte sie die 2. Belorussische Front unter Marschall Konstantin Rokossowski nach Vorpommern und Mecklenburg. Rokossowski, einer der maßgeblichen Anführer beim Sieg von Stalingrad, hatte den Auftrag, bis nach Rostock, Wismar, Schwerin und an die Elbe vorzustoßen sowie die Ostseeinseln zu besetzen.
Die deutschen Truppen stellten für seine kampferprobten Soldaten kein großes Hindernis mehr dar, zumal ihnen eine Übermacht an Schlachtfliegern, Panzern und Artillerie zur Verfügung stand. Bereits am 26. April nahmen sie Stettin ein und überwanden bald sämtliche folgenden Riegelstellungen.
Die Verteidigung von Anklam und die Zerstörung der Nikolaikirche
Am 29. April startete der Angriff auf Anklam, das befestigt und von einigen Militäreinheiten gehalten wurde. Ziel war es, den Feind möglichst lange zu stoppen, um ein Abschneiden der auf Usedom-Wollin konzentrierten Truppen zu verhindern. Den sowjetischen Einheiten gelang es jedoch, rasch den Flugplatz einzunehmen und die Peene zu erreichen. Deutsche Artillerie versuchte das Übersetzen zu verhindern und nahm den Gegner innerhalb der Stadt unter Feuer, was unter anderem zu Treffern in der bis dahin weitgehend unversehrten Nikolaikirche führte. Das Gotteshaus geriet in Brand, die Glocken stürzten hinunter, die Spitze kippte in das Kirchenschiff. Von ihm blieben lediglich die Außenmauern und Pfeiler stehen.
Deutsche Bombenangriffe auf die eigene Stadt
Apokalyptische Züge nahm das Kriegsende für Anklam am Abend des 29. April an, als die eigene Luftwaffe massive Bombenangriffe flog – ein Vorgehen, das es so wohl sonst nur in Eberswalde gegeben hat. Diesen Attacken, gepaart mit Brandstiftungen, fielen weite Teile des historischen Ortskernes zum Opfer, darunter das Rathaus. Drei Tage dauerte es, bis die Flammen erloschen. Hunderte Zivilisten und Soldaten beider Seiten starben.
Die kampflose Übergabe Greifswalds
Mitten in diesem Inferno wurde die bedingungslose Kapitulation Greifswalds ausgehandelt. In der Nacht zum 30. April trafen Parlamentäre bei Moeckow-Berg auf die sowjetischen Spitzen und vereinbarten im Haus Nummer 3 an der Bluthsluster Straße in Anklam die kampflose Übergabe. Die Sowjets waren längst nördlich der Peene vorgedrungen und hatten Gützkow erreicht, wo ein fanatischer Feldwebel mit der Panzerfaust auf den ersten Panzer schoss und mehrere Rotarmisten verletzte.
Jarmen und Loitz: Mutige Menschen mit weißen Fahnen
In Jarmen rüsteten sich mehrere mutige Einwohner mit weißen Fahnen aus und stellten sich an die Zufahrten zur Stadt. Die Rote Armee marschierte kampflos ein. In Loitz handelte Superintendent Carl Winter die kampflose Übergabe aus, nachdem er die Militäreinheit zum Abzug bewegt und die Bevölkerung zum Hissen weißer Flaggen aufgerufen hatte. Die Stadt kam mit wenigen Schäden davon.
Das Drama in Demmin: Massenselbstmord und Brandschatzung
In Demmin spielte sich ein beispielloses Drama ab. Drei von den Sowjets ausgesandte Parlamentäre wurden von Deutschen erschossen. Die Wehrmacht hatte die Brücken sprengen lassen, sodass sich Kriegsgerät und Truppen in den Straßen stauten. Am Vorabend des 1. Mai, einem großen Feiertag der Siegermacht, führte Alkoholkonsum zu Übergriffen und Brandschatzungen. Die Altstadt brannte mehr als drei Tage. Hunderte Menschen begingen Massenselbstmord, indem sie sich erschossen, erhängten, vergifteten oder in den Flüssen ertränkten. Historiker sprechen vom größten Massenselbstmord der deutschen Geschichte.
Fazit
Das Kriegsende in Vorpommern zeigte extreme Unterschiede: Während Anklam und Demmin in Schutt und Asche fielen, wurden andere Städte durch den Mut weniger Menschen gerettet. Die Erinnerung an diese Tage prägt die Region bis heute.



