Saskia Rienth-Hinkelmann aus Mirow war lange Zeit in Deutschland unterwegs und ist in ihre Heimat, die Mecklenburgische Seenplatte, zurückgekehrt. Sie lebt inzwischen seit fast fünf Jahren mit ihrer kleinen Familie hier, nachdem sie aus Hamburg und Berlin wieder hergezogen ist.
Mecklenburgische Wurzeln
Ihre Familie hat tiefe mecklenburgische Wurzeln. Mein Vater, Tobias Rienth, gebürtig in Parchim, aufgewachsen in Slate und Witzin, hat sich als Organist und Komponist einen Namen gemacht, sagt sie. Er vertonte unter anderem das Kinderbuch Das Vier-Farben-Land. Das Ergebnis ist nach ihren Angaben seit vielen Jahren eines der meist einstudierten Kindermusicals für Grundschulen und Kindergärten im gesamten deutschsprachigen Raum.
Die Verbindung nach Mecklenburg blieb für Saskia Rienth-Hinkelmann auch durch ihre Großeltern bestehen. Mein Großvater Reinhardt Rienth arbeitete als Pastor in Basse, Slate und Witzin. Meine Oma, Charlotte Rienth, geborene Eggers aus Nustrow, absolvierte zudem ein Jahr ihrer Ausbildung zur Katechetin in Röbel, erinnert sie sich. Durch die vielen Sommerferien in Witzin und Loiz bei Sternberg fühlte sich Norddeutschland für sie immer wie ein Zuhause an – die Weite, die Alleen und die Seen. Mecklenburg ist und bleibt ihr Seensuchtsort, ist sie überzeugt.
Mit Tokio Hotel oder den No Angels unterwegs
Wenn sie heute auf diesen Familien-Weg blickt, sieht sie einen klaren roten Faden, der sich durch drei Generationen zieht: Identität, Resonanz und Potenzialentfaltung. Auch in ihrer eigenen beruflichen Reise spiegeln sich die Erfahrungen ihrer Familie wider. Bereits mit 16 Jahren habe ich angefangen, beim SWR zu arbeiten, mit 18 Jahren moderierte ich meine ersten Sendungen – zunächst parallel zur Schule, später parallel zu meinem Studium Musikbusiness an der Popakademie Mannheim und Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar sowie in der Zeit zwischen den Studiengängen. Insgesamt war ich mehr als 12 Jahre beim SWR und bei MDR-Jump am Mikrofon, sagt sie.
Zudem sei sie beim Musiklabel Universal als Stipendiatin tätig gewesen und habe so die Möglichkeit gehabt, mit vielen bekannten Künstlern zusammenzuarbeiten. So begleitete ich Acts wie Tokio Hotel, Beginner, No Angels, Blümchen und viele mehr zu ihren Auftritten bei allen bekannten TV- und Radiosendern, sagt sie. Auf dem Weg dorthin bereitete sie die Künstler auf die Interviews vor. Ich war ganz nah dran und erlebte, wie einige innerhalb weniger Wochen ihren Durchbruch hatten und manchmal genauso schnell wieder verschwanden, beschreibt sie das harte Musikbusiness.
Eine Widmung an den ersten Musiker meines Lebens
Nun hat die ehemalige Moderatorin zu Ehren ihres Vaters, der 2024 verstorben ist, ein Buch geschrieben. Ihm gilt die Widmung am Anfang ihres Buches Artist Identity – dein Profil als Musiker, das auf ihrem Hausboot in Mirow mit Blick auf das Schloss und die Liebesinsel entstanden ist. Für Papa – den ersten Musiker meines Lebens. Der mir die schönsten Songs geschrieben hat und so viele Menschen mit seiner Musik berührte. Dessen Namen ich hiermit in die Welt trage – während er hoffentlich im Himmel den schönsten Flügel und die fetteste Orgel spielt. Ich glaube fest daran, dass Musik die Welt verändern kann. – Tobias Rienth (1964–2024), Musiker und Komponist, lautet die Widmung.
Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse konnte sie ihr frisches Fachbuch für Musiker präsentieren. Das Buch richtet sich nach Angaben der Autorin bewusst an Musiker in ganz unterschiedlichen Bereichen – von klassischen Interpreten über Dirigenten und Orchestermusiker bis hin zu Produzenten, Rappern, Bands, Songwritern oder Filmkomponisten. Es gebe unglaublich viele Musiker, die sichtbar seien oder sichtbar werden wollen, aber keine echte Anleitung dafür, wie man das macht und sich dabei selbst treu bleibt. Viele haben das Gefühl, sie müssten sich anpassen oder eine Rolle spielen, um gesehen zu werden. Dabei geht es eigentlich um etwas ganz anderes: um Klarheit darüber, wer man ist und wofür man steht, erklärt Saskia Rienth-Hinkelmann.
Es gehe darum, sich selbst besser zu verstehen und daraus heraus Entscheidungen zu treffen, die sich stimmig anfühlen. Nicht im Sinne von So musst du es machen, sondern eher: Finde heraus, was wirklich zu dir passt. Meine Ambition war es, ein Fachbuch zu schreiben, das Orientierung gibt. Im Kern ist es eine Einladung, den eigenen künstlerischen Ausdruck bewusst zu gestalten, erklärt Rienth-Hinkelmann. Und die mecklenburgische Weite und ihre Wurzeln haben dazu beigetragen, ihren Plan umzusetzen.



