Halle (Saale) steckt tief in den roten Zahlen. Mit rund 700 Millionen Euro Schulden gehört die Saalestadt zu den am höchsten verschuldeten Kommunen Deutschlands. Die Ursachen reichen weit zurück – bis in die Zeit der Planwirtschaft und die schwierige Transformation nach der Wende. Zwei gestandene Stadträte erinnern sich an die Anfangsjahre und erklären, warum Halle bis heute finanziell angeschlagen ist.
Ein dicker Papierstapel voller Zahlen
Ein dicker Papierstapel lag auf dem Tisch. Seitenweise Tabellen und Zahlen – der Haushalt der Stadt Halle kurz nach der Wende. Für Ute Haupt war das Dokument zunächst absolutes Neuland. Die Stadträtin der Linken war zwar schon als FDJ-Vertreterin Mitglied in einem Bezirksparlament der DDR gewesen, doch Einblicke in die Finanzen der Stadt hatte sie damals nicht. „Wir hatten keine Ahnung, wie viel Geld die Stadt eigentlich hatte oder brauchte“, erinnert sie sich. „Die Planwirtschaft ließ uns im Dunkeln tappen.“
Die Last der Vergangenheit
Nach der Wende stand Halle vor immensen Herausforderungen. Die marode Infrastruktur musste saniert werden, die Industrie brach zusammen, und die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Gleichzeitig gab es Chancen: Fördermittel aus dem Westen flossen, und die Stadt konnte ihre Infrastruktur modernisieren. Doch die finanziellen Altlasten aus DDR-Zeiten blieben. „Viele Betriebe waren hoch verschuldet, und die Stadt musste für ihre Verluste geradestehen“, erklärt der Stadtrat Hans-Joachim Müller von der CDU. „Das hat uns jahrelang belastet.“
Keine schnelle Lösung in Sicht
Trotz aller Bemühungen ist Halle bis heute nicht schuldenfrei. Die Stadt kämpft mit einem hohen Zinsendienst und geringen Spielräumen für Investitionen. „Wir müssen jeden Euro dreimal umdrehen“, sagt Haupt. „Und das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben.“ Die beiden Stadträte sind sich einig: Die finanzielle Schieflage Halles ist ein Erbe der Planwirtschaft, das noch lange nachwirken wird. „Es wird noch Generationen dauern, bis wir diese Last abgetragen haben“, prophezeit Müller.



